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Das Hohelied im Konflikt der Interpretationen

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Ludger Schwienhorst-Schönberger

Das Buch analysiert kritisch den vorherrschenden Konsens, das Hohelied (Canticum) als Sammlung profaner Liebeslieder zu verstehen. Intertextualität und Rezeptionsästhetik lassen das traditionelle metaphorisch-religiöse Verständnis des Buches in einem neuen Licht erscheinen. Die altorientalische Liebeslyrik liefert weitere Argumente für diese offene Sicht. Ob das allegorische Verständnis des Hoheliedes als Ausdruck der Liebe zwischen Gott und Israel der ursprünglich intendierten Bedeutung entspricht, bleibt umstritten. Die Beiträge der Fachtagung der Arbeitsgemeinschaft der deutschsprachigen katholischen Alttestamentlerinnen und Alttestamentler im Jahre 2015 in Wien vermitteln einen lebendigen Eindruck von der neu aufgebrochenen Diskussion.

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Das Hohelied als Allegorie (Ludger Schwienhorst-Schönberger)

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Ludger Schwienhorst-Schönberger, Wien

Das Hohelied als Allegorie*

Abstract: The intertextual method favours an allegorical understanding of the Song. This method is to be preferred to an approach based on genre criticism, which would largely isolate the Song from the broader context of Holy Scripture. The interpretation of Cant 1:5-11 accentuates the evident references in this text to the Babylonian exile and to the exodus from Babylon as well as from Egypt.

Plato selbst und alle alten Dichter-Theologen überhaupt kleideten ihre Lehre von Gott, Natur und sittlichem Handeln in Bildreden (in parabolis) ein. Denn nie haben die Dichter ohne Sinn fabuliert, sondern ihre Lehren von Gott, Natur und sittlichem Handeln absichtlich unter Metaphern und Allegorien höchst ansprechend und sachgemäß vorgetragen. Das kann jeder, der sich nachdenkend in die Lehrgedichte vertieft, mit Händen greifen […] Bei uns (in der Heiligen Schrift) gehören hierher das Hohelied und die Offenbarung des Johannes, und bei den Sprüchen Salomos weist schon der Titel „Parabeln (Salomos“, Spr. 1,1) darauf hin. Deshalb heißt es dort: („der Kluge) wird auf die Bildrede (parabolam) und ihre Auslegung (interpretationem) achten, auf die Worte der Weisen und ihre Rätselreden“ (Spr. 1,6). Christus, die Wahrheit selbst, lehrt in den heiligen Evangelien in Gleichnissen, wie wir leben sollen, und erschließt denen, die „Ohren haben, zu hören“ (vgl. Matth. 13,9 u.ä.), Grund und Wurzel tiefer, verborgener Tugenden.1

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