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Eine Rolle für die NATO out-of-area?

Das Bündnis in der Phase der Dekolonisierung 1949–1961

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Moritz Pöllath

Die out-of-area-Debatte der NATO wurde im untersuchten Zeitraum vom Ausgreifen des Kalten Krieges auf Afrika und Asien sowie von der Kolonialpolitik fünf ihrer Partnerstaaten erfasst. Die Debatte belastete das Bündnis und übte einen maßgeblichen Einfluss auf die Struktur der NATO aus: Artikel 4 des NATO-Vertrags erlangte dabei ebenso eine herausragende Bedeutung wie die Absicht der Kolonialmächte, die USA für ihre Ziele zu instrumentalisieren. Die Analyse der Allianz auf Basis multiarchivalischer Forschung, die Oral History-Projekte und Nachlässe von Politikern einschließt, trägt so zum Verständnis der Organisation bei – zumal der Aufgabenbereich der NATO bis heute zwischen den Polen regionaler Verteidigung und globaler Ordnungsfunktion schwankt.

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2. Die Gründung der NATO 1949: „I’ve Got Plenty Of Nothin“

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2.    Die Gründung der NATO 1949: „I’ve Got Plenty Of Nothin“

2.1    Auftakt der Blockkonfrontation

Der Zweite Weltkrieg endete am 8. Mai in Europa und am 2. September 1945 im Pazifik. Aus den Alliierten während des Krieges wurden Gegner der Nachkriegszeit. Der Übergang von einer Koalition gegen Hitler-Deutschland zu einem grundsätzlichen Ost-West-Antagonismus war so fließend, dass ein exaktes Datum für den Beginn des Kalten Krieges nur schwer zu definieren ist. Ein Ursprung des Kalten Krieges lässt sich bereits in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges erkennen. Nach den katastrophalen Kriegsjahren kehrten die Armeen der Alliierten nicht in ihre Heimatländer zurück, sondern blieben in den Nationen, die sie von den beiden totalitären Regimen, Nazi-Deutschland und Japan, befreit hatten. Offenbar hatte sich ein fundamentales Misstrauen zwischen den Vereinigten Staaten und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) eingestellt, denn die beiden verbliebenen Großmächte begannen von diesem Zeitpunkt an, in ihrem Gegenüber den nächsten möglichen Gegner in einem Dritten Weltkrieg zu sehen.157

Von den drei Staatsmännern der Alliierten, Churchill, Roosevelt und Stalin, die noch während des Krieges an einer gemeinsamen, neuen internationalen Ordnung für die Nachkriegszeit gearbeitet hatten, war nur der russische Diktator übrig geblieben. Roosevelt erlebte das Ende des Krieges nicht mehr, er starb am 12. April 1945 an einer Hirnblutung. Churchill wurde wenig später aus dem Amt gewählt und während der Potsdamer...

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