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Politische Repräsentation und vorgestellte Gemeinschaft

Demokratisierung und Nationsbildung in Luxemburg (1789–1940)

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Michel Dormal

Anhand zahlreicher Quellen schildert der Autor die Wechselwirkung zwischen Demokratisierung und Nationsbildung in Luxemburg im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Sein Befund: Die Nation entstand nicht aus einer ursprünglichen Einheit, sondern aus dem politischen Konflikt heraus. Der lange Kampf um die politische Repräsentation schuf eine neue Vorstellung von Gemeinschaft. Worin die Identität dieser Gemeinschaft besteht, bleibt in der Demokratie aber immer umstritten. Knapp hundert Jahre nach der Einführung des allgemeinen Wahlrechts und der Volkssouveränität bietet das Buch damit zugleich die erste umfassende Geschichte der «demokratischen Revolution» in Luxemburg.

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2. Eine demokratietheoretische Perspektive auf Repräsentation und Nation

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2.1 Die Nation ist nicht durch konkrete Merkmale zu definieren

Was ist eine Nation? Die Nation gehört zu den Dingen, mit denen jeder eine bestimmte Vorstellung assoziiert. Aber kaum jemand könnte ohne Weiteres sagen, worüber wir genau sprechen, wenn von Nation die Rede ist. Noch in der Mitte des 18. Jahrhunderts beschrieb das Wort häufig nur die Summe der auf einem bestimmten Territorium lebenden Menschen. Darauf deutet zumindest die Definition hin, die uns die Enzyklopädie von Diderot unter dem Stichwort ‚Nation‘ anbietet: „une quantité considérable de peuple, qui habite une certaine étendue de pays, renfermée dans de certaines limites, et qui obéit au même gouvernement“ (zit. n. Pasquino 1998, 56). Im 19. Jahrhundert verschob sich die Bedeutung. Nation wurde zu einer ganz bestimmten Art und Weise, das Zusammenleben der Menschen nicht nur äußerlich zu beschreiben, sondern zu deuten und politisch zu ordnen (Kedourie 1986, 9). Deskriptive und normative Gehalte verschmolzen. Die Prinzipien dieser neuen nationalen Sicht der Welt gibt Osterhammel (2009, 582) im historischen Rückblick wie folgt wieder: „Die Welt zerfällt in Nationen als ihre ‚natürlichen‘ Grundeinheiten […]. Die Nation – und nicht die lokale Heimat oder eine übernationale Religionsgemeinschaft – ist der primäre Bezugspunkt individueller Loyalität und der maßgebende Rahmen für Solidaritätsbildung. Eine Nation muss daher klare Kriterien der Zugehörigkeit zum Großkollektiv formulieren […]. Eine Nation erstrebt politische Autonomie auf einem definierten Territorium und benötigt zur Gewährleistung...

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