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Gesundheit – Vom (bio)technologischen, (eigen)verantwortlichen, fairen und realistischen Umgang

Günter Alwin Müller

Dieses Buch untersucht ausgewählte ethische Aspekte im Umgang mit Zivilisationskrankheiten, die während der Erforschung, Prädiktion, Diagnose und Therapie dieser Krankheiten sowohl theoretisch als auch praktisch von großer Bedeutung sind. Die Untersuchung geht davon aus, dass im Laufe der Menschheitsgeschichte die moderne biomedizinische Forschung magische Vorstellungen durch ein exakt zu vermessendes und beschreibbares Weltmodell ersetzt hat, welches den Menschen mit kausal-mechanistischen Erklärungen für seine Gesunderhaltung selbst verantwortlich macht. Die Identifikation von Risikofaktoren wie Zivilisationskrankheiten dämpft diese Verschiebung von Verantwortlichkeit allerdings empfindlich. Die Erfolge und das Leistungsvermögen moderner Biomedizin maskieren Probleme und Misserfolge in der Auseinandersetzung mit diesen Risikofaktoren. Der Autor diskutiert dies anhand einer Gegenüberstellung von Extrempositionen.

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5. Vom verantwortlichen Umgang II – Die globale Steuerung der Gesundheit

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Gemäß der in den westlichen industrialisierten Ländern gegenwärtig weit ver- breiteten Auffassung vom menschlichen Körper und Gehirn als „Körpermaschine“ bzw. „Gehirncomputer“ ist unter Gesundheit und Krankheit der störungsfreie oder gestörte Funktionsablauf körperlicher und psychischer Lebensvorgänge zu ver- stehen. Demgegenüber definierte die WHO noch im Jahr 1946 Gesundheit als einen Zustand des vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht über die bloße Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen und hat wegen der apparenten normativen „Geladenheit“ ihrer Definition nachfolgend heftige Kritik geerntet. Parallel zur Entwicklung des Modells der/des funktionalen oder defekten Maschine/Computers für den gesunden oder kranken Körper bzw. Geist veränderte sich auch das Denken über die für das „Umschalten“ von gesund auf krank verant- wortlichen Ursachen252. 5.1 Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit im Wandel der Zeit In der Antike bis einschließlich des Mittelalters und damit der Hochzeit des Chris- tentums wurde der Mensch mit seinem Körper und Geist unabdingbar als ein in die göttliche Schöpfungsordnung fest eingebetteter Bestandteil (unter vielen anderen) verstanden. Der jeweils zugewiesene Platz oder Zustand innerhalb dieser Ordnung als Reicher oder Armer, Herrscher oder Sklave oder eben Gesunder oder Kranker war von dem betroffenen Individuum selbst oder anderen Menschen kaum beein- flussbar, sondern determiniert von dem (unergründlichen) Willen der Götter oder Gottes. Die individuelle Gesundheit stellte demnach kein persönliches Gut dar, über das nach Belieben verfügt werden kann und darf, sondern wurde als Ausdruck der...

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