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Zum Politischen der Dramatik von Thomas Bernhard und Peter Handke

Neue Aufteilungen des Sinnlichen

Christine Hegenbart

Diese Studie untersucht systematisch die politische Dimension der Dramen von Thomas Bernhard und Peter Handke. Obgleich beide Autoren als Provokateure und Skandal-Inszenatoren gelten, deren öffentliche Auftritte wie Werke heftige Debatten auslösten, fehlt bisher eine umfassende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der politischen Dimension. Die Autorin schließt diese Forschungslücke mit Hilfe der Theorie des französischen Philosophen Jacques Rancières. Davon ausgehend untersucht sie die politischen Strukturen in ausgewählten dramatischen Werken sowie die Positionierung der Texte in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext.

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1. Die politische Dimension österreichischer Dramatik nach 1965

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1.  Die politische Dimension österreichischer Dramatik nach 1965

1.1  Thomas Bernhard und Peter Handke – Politische Dramatiker?

Für Elfriede Jelinek ist Thomas Bernhard (1931–1989) ein toter Gigant1, Peter Handke (*1942) ein lebender Klassiker2. Unbestritten gehören die beiden Österreicher zu den bedeutendsten Autoren der Gegenwart. Nicht nur ihre Romane und Erzählungen waren und sind überaus erfolgreich, sondern auch ihre Bühnenwerke. Beide begannen fast zeitgleich die Bühnenwerke zu verfassen, die den Grundstein ihrer Karrieren als Dramatiker legten.3 Seit Mitte der 60er-Jahre stand „die dramatische Literatur aus Österreich […] im Bann zweier Autoren, die […] den Literaturbetrieb dominierten“4. Ihre prägende Kraft hielt auch in den nachfolgenden Jahrzenten an, so dass sie zu den herausragendsten Dramatikern nicht nur in Österreich, sondern im gesamten deutschsprachigen Raum gehören.5 Darüber hinaus genießen sie international breite Anerkennung.6 Die ← 9 | 10 → dramatischen Œuvres von Bernhard und Handke umfassen jeweils etwa 20 abendfüllende Theaterstücke.7

Gemeinsam ist den Schriftstellern nicht nur ihr Erfolg. Beide sind zudem seit ihren ersten Auftritten in der literarischen Szene ein öffentliches Ärgernis8. Im Laufe ihrer Karrieren verstärkten sie ihren Ruf als Provokateure und Skandal-Inszenatoren9: Sie polarisierten nicht nur durch ihre öffentlichen Auftritte, sondern auch durch ihre literarischen Werke. Diese lösten teilweise heftige Debatten über ihre politische Dimension und Intention aus. Insbesondere ihre Bühnenwerke konnten, im Vorfeld oder im Nachgang der Theaterinszenierung, Kontroversen über ihr politisches Potenzial entfalten.

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