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Zum Politischen der Dramatik von Thomas Bernhard und Peter Handke

Neue Aufteilungen des Sinnlichen

Christine Hegenbart

Diese Studie untersucht systematisch die politische Dimension der Dramen von Thomas Bernhard und Peter Handke. Obgleich beide Autoren als Provokateure und Skandal-Inszenatoren gelten, deren öffentliche Auftritte wie Werke heftige Debatten auslösten, fehlt bisher eine umfassende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der politischen Dimension. Die Autorin schließt diese Forschungslücke mit Hilfe der Theorie des französischen Philosophen Jacques Rancières. Davon ausgehend untersucht sie die politischen Strukturen in ausgewählten dramatischen Werken sowie die Positionierung der Texte in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext.

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2. Neue Aufteilungen des Sinnlichen – Zum Politischen der Dramatik von Thomas Bernhard und Peter Handke

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2.  Neue Aufteilungen des Sinnlichen – Zum Politischen der Dramatik von Thomas Bernhard und Peter Handke

2.1  Thomas Bernhard: Ein Fest für Boris

Ein Fest für Boris ist Thomas Bernhards erstes abendfüllendes Theaterstück. Es wurde am 29. Juni 1970 im Deutschen Schauspielhaus Hamburg unter der Regie von Claus Peymann uraufgeführt. Das Stück umfasst drei Akte. Im Vordergrund der ersten beiden steht der misanthropische Monolog der Guten, der weiblichen Hauptfigur. Vor zehn Jahren hat sie bei einem Unfall ihren Mann und ihre Beine verloren. Seither existiert sie in ihrem Rollstuhl „in Langeweile und Verzweiflung.“194 Mit Boris hat sie einen Debilen und ebenfalls Beinlosen zu ihrem zweiten Mann genommen, um ihn zu beherrschen. Dies gelingt ihr „mit der nicht beinlosen Johanna [, ihrer Dienerin,] durch [ihren] […] physischen Nachteil nicht vollkommen.“195 Im dritten Akt zelebriert die Gute Boris’ Geburtstag mit 13 seiner Freunde aus dem Behindertenheim. Dargestellt werden Machtstrukturen in einem privaten Kontext bzw. „das Ritual perpetuierender Herrschaftsbeziehungen auf abstrakter, statischer Ebene.“196

2.1.1  Textanalyse (I): Figurenkonstellation Überwältigung durch Sprache: die Macht der Guten

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