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Niederdeutsch und regionale Umgangssprache in Mecklenburg-Vorpommern

Strukturelle, soziolinguistische und didaktische Aspekte

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Edited By Birte Arendt, Andreas Bieberstedt and Klaas-Hinrich Ehlers

Im Mittelpunkt des Bandes steht der Wandel des Niederdeutschen und der regionalen Umgangssprache in Mecklenburg-Vorpommern. Er vereint linguistische Beiträge, die Aspekte der Entwicklung und Struktur sowie des Gebrauchs regionaler Sprachformen in diesem Bundesland in den Blick nehmen. Der Fokus der Darstellungen liegt auf jüngeren und aktuellen Entwicklungen. Zugleich beziehen die Beiträge die Vorgeschichte der gegenwärtigen Sprachverhältnisse seit dem 19. Jahrhundert ein. Ein eigener Themenblock ist der institutionellen Vermittlung und Förderung des Niederdeutschen gewidmet. Damit trägt der Band der Tatsache Rechnung, dass sich die Vermittlung des Niederdeutschen heute zunehmend auf Bildungsinstitutionen verlagert und zum Gegenstand amtlicher Sprachpolitik geworden ist.

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Anmerkungen zu den sprachlichen Verhältnissen Vorpommerns in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Matthias Vollmer)

Matthias Vollmer

Anmerkungen zu den sprachlichen Verhältnissen Vorpommerns in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Abstract: This article will focus on linguistic properties of Low German and its importance as spoken language in Western Pomerania in the first half of the 19th century. Archival documents collected between 1831 and 1833 form the base of this linguistic analysis. These archival documents are based upon an early language survey in Pomerania which covered topics like dialects and meta linguistic evaluations given by contemporaries.

1 Einleitung

Teilt man die Sprachgeschichte des niederdeutschen Raums in fünf Phasen ein, wie es Robert Peters vorgeschlagen hat, dann markiert die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts das Ende der vierten Periode, die nach dem Schreibsprachenwechsel im deutschen Norden zu einer über zwei Jahrhunderte hinweg stabilen medialen Diglossie geführt hat.1 Für die gesprochene Alltagsprache hatte dieser Wechsel der Schreibsprache bis in das 19. Jahrhundert hinein aber für die verschiedenen sozialen Schichten unterschiedliche Konsequenzen. Der überwiegende Teil der Bevölkerung wurde nach wie vor niederdeutsch sozialisiert und blieb dem einheimischen Platt zeitlebens treu, während gehobene Schichten zweisprachig waren und je nach Situation und Gesprächspartner zwischen Hochdeutsch und Niederdeutsch wechseln konnten. Bei diesem gesprochenen Hochdeutsch handelte es sich zweifellos um eine hochdeutsche Umgangssprache auf niederdeutschem Substrat, die in Vorpommern nördlich der Peene im Wesentlichen mit den mecklenburgischen Verhältnissen übereinstimmte.2 Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts setzte dann ein auch maßgeblich durch schulische Bemühungen forcierter Sprachwandel im Bereich der Mündlichkeit ein, der das Niederdeutsche als gesprochene Sprache zunächst in bürgerlichen Kreisen und in den Städten zugunsten der hochdeutschen Umgangssprache verdrängte, bevor er spätestens seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts auch die ländlichen Regionen wirksam erfasste. ←55 | 56→

Wie das gesprochene Niederdeutsch im mecklenburgisch-vorpommerschen Sprachraum um 1830 zu charakterisieren ist, also noch vor dem Übergang zur fünften Phase, wie es von Zeitgenossen eingeschätzt wurde und welche Entwicklungstendenzen sich damals andeuteten, soll Thema dieses Beitrags sein. Dabei werden stellvertretend die sprachlichen Verhältnisse in Vorpommern im Mittelpunkt stehen, die wir in erster Linie durch metasprachliche Zeugnisse der damaligen Zeit rekonstruieren können, auch wenn solche Nachrichten leider recht spärlich gesät sind. Umso erfreulicher ist es, dass archivalische Unterlagen, die im Staatsarchiv Stettin aufbewahrt werden, aufschlussreiche Informationen zum Niederdeutschen und darüber hinaus zum gesamten damaligen Varietätenspektrum gesprochener Sprache in Vorpommern enthalten.

Dieses wichtige Quellenmaterial ist im Zusammenhang mit einem Aufruf der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde aus dem Jahr 1831 erhoben worden. Angeregt wurde die damalige Sammlung pommerscher Sprachproben durch den Stettiner Pädagogen und Historiker Wilhelm Böhmer, der aus den Einsendungen die erste, heute allerdings längst überholte lautgeographische Gliederung der pommerschen Dialekte ableitete. Als vergleichende Sprachprobe wählte Böhmer das biblische Gleichnis vom verlorenen Sohn, das schon seit dem Ende des 18. Jahrhunderts eine nicht unerhebliche Rolle als Vergleichstext für frühe sprachwissenschaftliche Erhebungen gespielt hatte. Das Vorbild dafür lag in Frankreich, erreichte dann mit den Forschungen Franz Joseph Stalders zu Beginn des 19. Jahrhunderts die deutschsprachige Schweiz und schließlich auch den niederdeutschen Sprachraum.3 Wenige Jahre vor Böhmer hatte schon der in Hinterpommern geborene Theologe Johann Christian Ludwig Haken eine ostpommersche und eine altmärkische Fassung dieses Textes gegenübergestellt, allerdings ohne sprachliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu kommentieren.4 Wilhelm Böhmer bat 1831 aber nicht nur um die Übersetzung des Gleichnisses in den jeweiligen Ortsdialekt, sondern auch um andere Auskünfte, zu denen Fragen nach Zahl, Begrenzung, Vermischung, Eigentümlichkeit und lautlichen Besonderheiten der pommerschen Mundarten gehörten.5 Bei den erfragten Informationen handelt es sich also um eine Kombination aus objektsprachlichen und metasprachlichen Daten, die zusammen den besonderen Wert dieser Befragung in einer Zeit ausmachen, in der solche Mitteilungen rar gesät sind. Gerade die subjektiven Einschätzungen der Gewährspersonen zur sprach←56 | 57→lichen Situation des Niederdeutschen in Vorpommern sind von erheblichem Interesse und stehen deshalb zunächst im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit. Aufgrund offizieller kirchlicher Unterstützung des Aufrufs handelt es sich bei den meisten der damaligen Informanten übrigens um protestantische Geistliche.

2 Niederdeutsch und Hochdeutsch

Betrachten wir zunächst das Verhältnis zwischen Niederdeutsch und Hochdeutsch. Über die sprachliche Situation im abgelegenen Lieper Winkel auf der Insel Usedom berichtet der Theologiestudent Meinhold: „Da in der ganzen Umgegend platt gesprochen wird, so reden die Lieper Winkler gar kein Hochdeutsch, nur den Pastor und Küster ausgenommen, und in der Schule sind dann die Kinder auch gezwungen, das Hochdeutsche zu radebrechen.“6 Dass die Sprachverhältnisse in den Städten Vorpommerns bereits zu dieser Zeit anders aussahen, legen zahlreiche Einschätzungen anderer Gewährspersonen nahe. So äußerte sich Pastor Klöpper aus dem Greifswalder Vorort Weitenhagen wie folgt:

„Die plattdeutsche Sprache im Munde des jüngeren Geschlechts, so wie die Aussprache in den Städten, namentlich Greifswald, nähert sich, in Bezug auf die dem Platten eigenthümlichen Laute, immer mehr dem Hochdeutschen. […] Es folgt daraus, daß das Plattdeutsche sich immer mehr dem Hochdeutschen namentlich in Städten und solchen Dörfern, die mehr bei den Städten liegen, anzubequemen sucht, wie es sich denn auch schon bedeutend abgeschliffen hat.“7

Die vor allem in den Städten zunehmende Verdrängung des Niederdeutschen thematisiert indirekt auch Johann Carl Balthasar, der damals als Pfarrer in Gützkow südlich von Greifswald tätig war. Balthasar, bei dem es sich um den Vater der namhaften niederdeutschen Lyrikerin Alwine Wuthenow (1820–1908) handelt, schrieb:

„dies ächte vorpommersche Plattdeutsch findet sich, natürlich in manchen kleinen Nuancen hier und da etwas abweichend fast nur noch in den von größeren Städten etwas entlegenen Bauer- und Fischerdörfern, besonders von alten Leuten gesprochen. Charakteristisch sind für diese Mundart das au für oo in Tau, gaud, […] äu für öö in Fäute; ei in hei, dei […].“8←57 | 58→

Wie sehr das Niederdeutsche aber noch im Mittelpunkt des sprachlichen Alltags in informellen Situationen stand, verdeutlicht eine Bemerkung des Superintendenten Ziemßen aus Hanshagen bei Greifswald:

„Gepredigt wird in hiesiger Gegend bekanntlich schon lange nicht mehr in dieser Mundart, auch bedient sich kein Geistlicher derselben mehr bei amtlichen Handlungen, und selbst in den Schulen ist sie nach und nach ganz außer Gebrauch gekommen. Es gehört zu den Seltenheiten, noch einen Lehrer in der Schule in dieser Mundart reden zu hören. Doch habe ich bei einem Schullehrer den Gebrauch gefunden, den Kindern etwas in plattdeutscher Mundart zu dictiren, was sie sogleich hochdeutsch niederschreiben müßen. Im außerbrieflichen Verkehr reden in dieser Gegend aber selbst die Prediger mit dem Volke und mit solchen Leuten, die im Hochdeutschen nicht geübt sind, gewöhnlich noch in der niederdeutschen Mundart, die auf dem Lande noch, selbst in manchen Priesterhäusern und in andern ähnlichen Familien die allgemeine Volkssprache, wenn gleich sich niemand derselben mehr zur schriftlichen Mitteilung bedient.“9

Dass die Rolle des Plattdeutschen als Unterrichtssprache um 1830 wenigstens in Teilen Vorpommerns noch erheblich stärker gewesen sein muss, als es bei Ziemßen durchklingt, ist einer Passage zu entnehmen, die sich in der Antwort des Superintendenten von Schubert aus Altenkirchen auf Rügen findet: „Plattdeutsch gepredigt wird nirgends, wohl aber in mehreren Schulen gelehrt“.10 Dazu passt die Einschätzung des evangelischen Pfarrers aus Gingst auf Rügen zur Sprache der geistlichen Unterrichtung: „Gepredigt wird in der plattdeutschen Mundart überall nicht mehr, weder auf Rügen noch in Neuvorpommern; jedoch im Unterrichte der Confirmanden und Präparanden muß der Geistliche, um manchen der Landeskinder verständlich zu werden, sich öfter des Plattdeutschen bedienen.“11 Ein zeitgenössisches Urteil des Historikers und Pädagogen Ludwig Giesebrecht im Rahmen einer 1826 veröffentlichten Verteidigungsschrift für das Plattdeutsche entspricht dieser Meinung: „Selbst in Stettin, mehr noch in den kleinen Städten unsrer Provinz, wird sehr viel Plattdeutsch gesprochen und ich habe das immer lieber gehört, als schlechtes Hochdeutsch, davon einem die Ohren weh thun.“12 Drei Jahre zuvor hatte sich Giesebrecht bereits ähnlich über die Rolle des Niederdeutschen geäußert, wobei er von einer noch stärkeren Vitalität des←58 | 59→ Plattdeutschen seiner mecklenburgischen Heimat in Relation zur pommerschen Situation ausging:

„In meinem Geburtslande hört man mehr, als ich in Pommern gefunden habe, auch von den Gebildeteren Plattdeutsch sprechen und es ist dort nicht ungewöhnlich, besonders in Frauengesellschaften, daß Hochdeutsch angefangen wird und, wenn die Herzen sich gegenseitig öffnen, geht man ins Plattdeutsche, als die traulichere Sprache über.“13

Insgesamt kann deshalb der Einschätzung Wilhelm Böhmers zugestimmt werden, wenn er in seiner Auswertung der auf den Aufruf von 1831 eingegangenen Mitteilungen die sprachlichen Verhältnisse Vorpommerns wie folgt beurteilt: „In Neu= und zum Theil auch in Alt=Vorpommern lebt das Niederdeutsche […] auch im Munde der Gebildeten noch in Städten und auf dem Lande als die trauliche, bequeme, geschmeidige Umgangssprache.“14

Die sprachliche Realität unterschied sich damit in Vorpommern um 1830 nicht wesentlich von der des mecklenburgischen Raums, über dessen Sprache des „gemeinen Mannes“ man schon 1794 in einem Zeitschriftenbeitrag des Theologen Ackermann folgende Äußerung lesen konnte: „Nur in den Unterrichtsjahren in der Schule hörte er ein dürftiges hochdeutsch, lernt es ein wenig beim Lesen, beim Auswendiglernen, hört in der Woche einmal hochdeutsch predigen, […] alle andere Zeit spricht und hört er seine Leibsprache, sein liebes ächtes Meklenburgisch.“15

3 Das Varietätenspektrum des Niederdeutschen

Die zeitgenössischen Äußerungen machen deutlich, dass man um 1830 nicht nur Unterschiede zwischen den einheimischen niederdeutschen Dialekten zur Kenntnis genommen hat, sondern dass diese Differenzen zudem von den Sprechern auch in diastratischer Hinsicht interpretiert worden sind. Im Bewusstsein fast aller Informanten aus Vorpommern gab es im Spektrum gesprochener Varietäten eben nicht nur eine Dichotomie zwischen dem Hochdeutschen (d. h. einer standardnahen hochdeutschen Umgangssprache) und dem Niederdeutschen. Auch innerhalb des Plattdeutschen wurde eine Trennlinie zwischen einer prestigeträchtigeren Varietät der Städte mitsamt ihrem engeren Umfeld und der Basismundart der ländlichen Regionen gesehen. Außerdem wird ersichtlich, dass sich die←59 | 60→ jüngere Generation in den stadtnahen ländlichen Regionen mehrheitlich an dieser prestigereicheren niederdeutschen Varietät orientierte. Wesentliches Merkmal der frühen laiendialektologischen Unterscheidungen sind phonologische, nicht aber morphologische, lexikalische oder gar syntaktische Kriterien. Dabei galt besonders die auffällige Differenz in der Entwicklung der aus dem Mittelniederdeutschen ererbten langen ê- und ô-Laute in Vorpommern als Indikator, an dem man diastratische Unterschiede im dialektalen Varietätengefüge festmachen konnte. Immer wieder wird nämlich der offenbar als salient empfundene Unterschied zwischen monophthongischer und diphthongischer Realisierung einiger dieser historischen Laute angesprochen. Betroffen sind dabei in Vorpommern mnd. ê2b (z. B. Been versus Bein), ê4 (z. B. Deef versus Deif), ô1 (z. B. Koken versus Kauken) und der Umlaut von ô1 (z. B. Föt versus Fäut).

Der Unterschied zwischen monophthongischen und diphthongischen Ortsdialekten ist nahezu jedem Einsender aus Vorpommern bekannt, wobei auch die Frage generationsspezifischer Variation am selben Ort angesprochen wird. Der aus Dortmund stammende Pastor Klöpper aus Weitenhagen bei Greifswald hat sein Antwortschreiben mit zahlreichen Anmerkungen versehen, die auf Besonderheiten des Plattdeutschen in der Region hinweisen. Auf den Vokalismus bezogen schreibt er:

„(1) däi; so klingt der Artikel noch im Munde älterer Leute hier im Dorfe, vornehmlich dem nahe gelegenen Behrenhoff. Das jüngere Geschlecht sagt einfach ; (2) Deihl, so bei den älteren Bewohnern; die Jungen sagen Dehl; (3) taukümmt. Die jüngeren Einwohner, so wie die Greifswalder, sagen einfach: tokümmt, oder auch tokömmt; (4) Gaud, Gut, die Jüngeren schon Good; […] (9) Schoh, so die Jüngeren, die alten Leute sagen noch hin und wieder Schau; so wie auch Fäute für das am meisten gebräuchliche Föte.“16

Und etwas später fügt er hinzu:

„Wer nun im Sprechen den Vocalen und vornehmlich den Diphthongen das Breite nimmt und selbst das â oder ô, mehr als im Hochdeutschen wie a ausspricht, davon sagen die Alten: das soll schon etwas mehr sein, das ist höhere Sprache. […] Es folgt daraus, daß das Plattdeutsche sich immer mehr dem Hochdeutschen namentlich in Städten und solchen Dörfern, die mehr bei den Städten liegen, anzubequemen sucht, wie es sich denn auch schon bedeutend abgeschliffen hat.“17

Eine weitere Beurteilung stammt von Pastor Picht aus Gingst auf Rügen, der sich allerdings sehr kritisch zu der Stadtmundart von Stralsund äußert: ←60 | 61→

„Wenn die eigenthümlichen Mundarten einzelner Dörfer, Inseln und Gegenden sich allmählig immer mehr mit andern mischen werden, wozu hauptsächlich die vom Militär zurück kommenden jungen Leute beitragen; so ist das Plattdeutsch in Städten, besonders in Stralsund unter den Bürgern, und der dienenden weiblichen Classe schon sehr verfeinert. Wir Landleute, mit dem an die breitere Sprache des Landvolks gewohntem Ohr, finden den Dialect der Stralsunder, den wir den meßingenen zu nennen pflegen, sehr widerlich.“18

Bei dieser Einschätzung der Stralsunder Stadtmundart scheint es sich allerdings um ein in Vorpommern verbreitetes und langlebiges Stereotyp zu handeln, für das es bereits im 18. Jahrhundert überlieferte Zeugnisse gibt. Über das gesprochene Hochdeutsch der Stralsunder heißt es nämlich im Jahr 1786 unter Bezugnahme auf niederdeutsche Interferenzen: „Sie pronunciiren durchgängig triebe, flichtig, kennen, jelb statt trübe, flüchtig, können, gelb, und haben überhaupt eine so gezierte, kleinlich=süsse, wiederliche, von allen Pommern sie unterscheidende Aussprache, daß man sie nicht ohne Eckel hört.“19 Als hervorstechendes lautliches Merkmal wird neben der angesprochenen Bewahrung alter Monophthonge nicht nur in der eben zitierten Beurteilung von 1786 die Tendenz zur Vokalentrundung in Stralsund genannt. Eine solche Zuschreibung findet sich sogar in bewusster Übertreibung in spöttischen Merksätzen, die offenbar in der Region sehr geläufig waren.20 Die Stigmatisierung des in Stralsund gesprochenen Niederdeutschen aus ländlicher Sicht und dessen Einschätzung als Missingsch ist jedoch vordergründig als gewöhnliche Form des Ortsspotts zu interpretieren und kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die städtischen Ausprägungen des Niederdeutschen im allgemeinen Bewusstsein der Bevölkerung und besonders bei der jüngeren Generation der damaligen Zeit höheres Prestige genossen haben.

Diese gesammelten Einschätzungen aus Laiensicht stimmen weitgehend mit den zeitgenössischen Stimmen der Sprachgelehrten überein. In Böhmers Auswertung der eingegangenen Sprachproben aus Pommern ist etwa die Rede von einer Mundart ohne alle Doppellaute (‚runde Mundart‘), die er von einer breiten Mundart mit zahlreichen Diphthongen unterscheidet.21 Für das angrenzende←61 | 62→ Mecklenburg hatte sich wenige Jahre zuvor Johann Jacob Mussäus in einer plattdeutschen Sprachlehre in ähnlicher Weise geäußert:

„Man nennt das Platte mit vielen Doppellauten das breite Platte, und dieses wird hier besonders berücksichtigt werden, weil es im Munde der Volksklasse sich findet, deren Aussprache am wenigsten durch Beimischungen verändert ward. Diese Beimischungen, vorzüglich aus dem Hochdeutschen, zeigen sich leider! mehr und weniger in den meisten plattdeutschen Schriften. […] Die Landbewohner Mecklenburgs, an welche sich die östlichen Holsteiner und die Vorpommern anschließen, verwenden unzählige Doppellaute z. B. klein, ein, bleiw, Heu fast wie Heuj, häuden, mäuten […].“22

Von diesem ländlichen Sprachgebrauch unterschied Mussäus deutlich den Dialekt der städtischen Bevölkerung: „Die Anwohner des Elbufers und die in den Städten von ganz Mecklenburg sprechen ohne viele starke Doppellaute und Dehnungen.“23

Insgesamt gesehen lassen die metasprachlichen Äußerungen die Hypothese zu, dass die damals gesprochenen Varietäten des Niederdeutschen im mecklenburgisch-vorpommerschen Sprachraum nicht nur in räumlicher Hinsicht, sondern auch sozial differenziert waren. Die Prestigevarietät des Niederdeutschen war die der Städte, während der Dialekt der ländlichen Regionen zwar als autochthon und ursprünglich galt, aber dennoch geringeres Ansehen genoss. Die jüngere Generation der stadtnahen ländlichen Bevölkerung orientierte sich offensichtlich an dieser städtischen Prestigevarietät, die nicht zuletzt durch vokalische Besonderheiten gekennzeichnet war, nämlich durch die Bewahrung monophthongischer Realisierungen gegenüber der sprachgeschichtlich jüngeren Entwicklung zur Diphthongierung der mnd. langen e- und o-Laute. Dass diese lautlichen Eigenschaften aber keineswegs alleiniges Kriterium der Höherbewertung gewesen sein können, wird durch eine Bemerkung Wilhelm Böhmers ersichtlich, die sich besonders auf die Spracheinstellung der Sprecher des Mittelpommerschen westlich der Oder bezieht. Obwohl die langen e- und o-Laute in dieser Region ebenfalls monophthongisch realisiert worden sind, unterschied sich offensichtlich die Wertschätzung der niederdeutschen Nachbarvarietäten, wobei das Mittelpommersche aus Sicht der eigenen Sprecher geringeren Stellenwert besaß: „Ja die Landleute westlich an der Oder […] geben, wie uns Kundige mittheilen, der feineren Sprache des westlichen Vorpommerns vor der ihrigen ausdrücklich den Vorzug […].24←62 | 63→

4 Zu sprachlichen Charakteristika des Niederdeutschen in Vorpommern um 1830

Auf einige ausgewählte lautliche und morphologische Erscheinungen des Plattdeutschen in Vorpommern, die sich aus den Einsendungen der damaligen Gewährspersonen ableiten lassen, soll in den nächsten Abschnitten hingewiesen werden.

4.1 Lautliche Realisierung der Endsilbe –er

Wer heute als Fremder nach Vorpommern kommt, wird in der Regel rasch mit einer Eigenart der regionalen Umgangssprache konfrontiert, die die lautliche Realisierung der Endsilbe –er betrifft. Die meisten Sprecher vokalisieren auslautendes –er nämlich zu [ɛ], was zu Beispielen wie [bɛkɛ] ‚Bäcker‘ oder [imɛ] ‚immer‘ führt. Ähnlich dominant ist die Realisierung dieser Lautverbindung in der Vorsilbe (z. B. [ɛlasən] ‚erlassen‘), die gleichfalls heute in Vorpommern zu hören ist.25 Dabei handelt es sich keinesfalls um einen sehr jungen sprachgeschichtlichen Vorgang, sondern um eine Eigenschaft, die sich in den mecklenburgisch-vorpommerschen Dialekten spätestens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts deutlich zeigt und später den Weg in die hochdeutsche Umgangssprache der Region gefunden hat. Sowohl die eingesandten Sprachproben der Erhebung von 1831 als auch die metasprachlichen Kommentare der Gewährspersonen bezeugen diese Charakteristik für die damaligen Dialekte Vorpommerns. So berichtet Pastor Klöpper aus Weitenhagen bei Greifswald über die Richtlinien seiner Transkription: „Die Endsilbe er in den Hauptwörtern, die so enden, ist mit ä bezeichnet, wie z. B. Akkä (der Acker), weil sich der Laut am meisten dem hochdeutschen ä nähert“.26 Für den Lieper Winkel auf Usedom bezeugt der Theologiestudent Meinhold die Aussprache Vårä ‚Vater‘, ujnä ‚unter‘ sowie mit Nasalschwund vor s die Varianten Fihstä und Feastä ‚Fenster‘.27 Weitere Beispiele sind ävä ‚aber‘ in Gingst auf Rügen, werrä ‚wieder‘ und Brorä ‚Bruder‘ in der Antwort für den Ortspunkt Altenkirchen auf Rügen, Börgä ‚Bürger‘ und Vattä ‚Vater‘ in Dersekow westlich von←63 | 64→ Greifswald sowie heä ‚her‘ für den Greifswalder Vorort Hinrichshagen. Ein gutes halbes Jahrhundert später wird der Deutsche Sprachatlas diesen Befund übrigens prinzipiell bestätigen, während der Greifswalder Sprachwissenschaftler Albert Hoefer 1851 in einem Aufsatz über die Lautverhältnisse im neuvorpommerschen Platt diese Eigenschaft überhaupt nicht anspricht.28 Auf den Wenkerbögen mehrerer vorpommerscher Orte sind entsprechende Beispiele aber vorhanden, auch wenn eine Vokalisierung von –er zwar grundsätzlich anzunehmen ist, die Aufhellung zu [ɛ] aber keinesfalls auf allen Bögen deutlich wird. Auf dem Fragebogen für Greifswald ist dies jedoch der Fall, denn der erste Wenkersatz („Im Winter fliegen die trocknen Blätter durch die Luft herum.“) wird dort wie folgt transkribiert: In’n Wintä flēgen dē drȫgn Blärä dörch dē Luft härüm. Dass diese dialektale Lautentwicklung schon wesentlich früher, in Mecklenburg bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts eingesetzt haben muss, legen Seltenheitsbelege nahe, die Hermann Teuchert in mecklenburgischen Hochzeitsgedichten entdeckt hat und in denen sich Verschriftlichungen wie ‚her‘ finden.29 Aber erst in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts finden sich frühe grammatische Äußerungen, die immerhin ähnliche Vokalisierungen für auslautendes –r (aber nicht für die Endsilbe –er) in Mecklenburg betreffen. Dazu gehören die 1824 belegten Formen Üä ‚Ohr‘ und Duä ‚Tor‘,30 aber auch Füäh ‚Feuer‘ in der Grammatik von Mussäus von 1829.31 Unabhängig davon ist die dialektale Herkunft dieser lautlichen Besonderheit standardnaher Umgangssprache in Vorpommern nicht zu bezweifeln, auch wenn sie selbst in jüngeren einschlägigen Veröffentlichungen nicht immer angesprochen wird.32

4.2 Mouillierung

Zu den in der Fachliteratur relativ wenig beachteten Eigenschaften der mecklenburgisch-vorpommerschen Dialekte gehören im Bereich des Konsonantismus Entwicklungen, die man früher verschiedentlich als Mouillierung←64 | 65→ bezeichnet hat.33 Mittlerweile nur noch von historischer Bedeutung ist in dieser Hinsicht die Palatalisierung der Lautverbindung nd, nt > nj, jn, die Agathe Lasch für den niederdeutschen Sprachraum schon für das Jahr 1630 an verschiedenen Beispielen im Bereich der Niederelbe feststellen konnte.34 In Rostock ist dieser Lautwandel durch Belege wie Hujn ‚Hunde‘ und Kijnnä ‚Kinder‘ allerdings erst wesentlich später, nämlich im Jahr 1824 bezeugt, weitere Nachweise aus Mecklenburg sind zwar nicht überaus zahlreich, doch wenigstens in einem Umfang vorhanden, der etwaige Zweifel an der Relevanz dieser lautlichen Entwicklung auszuschließen vermag.35 Die Antworten der pommerschen Erhebung von 1831 enthalten aber bis auf eine Ausnahme keine Hinweise auf diese lautliche Charakteristik. Nur im abgelegenen Lieper Winkel auf Usedom ist diese spezielle Form der Mouillierung durch die damalige Datensammlung nachzuweisen. Beispiele dafür stellen folgende Laientranskriptionen dar:36

dat ganze Lajnd ‚Land‘

’n Ring an sien Häjnd ‚Händen‘

väsüjnigt ‚versündigt‘

fujn’n ‚gefunden‘

dat hei em sujnd ‚gesund‘ werrä heer

heäw ick jug deijnt ‚gedient‘

köjnt ‚gekonnt‘

ujnä ‚unter‘

Auf Besonderheiten der Sprache des Lieper Winkels hatte kurz vorher schon der auf Usedom geborene Theologe und Literat Wilhelm Meinhold hingewiesen.37 Meinhold verglich dabei den Dialekt des Lieper Winkels mit demjenigen der Halbinsel Mönchgut im Südosten Rügens und stellte eine enge Verwandtschaft fest, die er auch im Wortschatz vorzufinden glaubte: „hier wie dort ist die monotone gedehnte Aussprache des Plattdeutschen vorherrschend, und hier wie dort begegnet man zum Theil durchaus unverständlichen Idiotismen; z. B. et hönnickt: es schneit; da jünnern: dort hinten; däsen: tanzen; dampich: schwindsüchtig u. s. w.“38 Eine solche Stigmatisierung ländlicher Basismundarten Vorpommerns←65 | 66→ war im 19. Jahrhundert durchaus kein Einzelfall, sie findet sich auch schon in einem Reisebericht über die Insel Rügen aus dem Jahr 1805. Darin kommentiert der von der Insel stammende Heimatforscher Johann Jacob Grümbke die Sprache der Bewohner Mönchguts abfällig mit den Worten:

„Die hiesige Mundart ist mir fast eben so widerlich vorgekommen, als die der Hiddenseer. Wie diese pronunciiren die Eingeborenen ihr Plattdeutsch auch sehr langsam und bedächtlich, zuweilen halb singend, mischen Vocale ein und dehnen die Worte theils durch Anhängsel an den Endsylben, theils durch die Aussprache.“39

Besser erkennbar als der Lautwandel von nd, nt > nj, jn wird durch die Einsendungen auf den Aufruf der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde von 1831 hingegen die dialektale Entwicklung von ld, lt > lj, jl. Dabei ist der mouillierende Einfluss des d nach l im mecklenburgisch-vorpommerschen Sprachraum, der zu einer Velarisierung des l zu [ł] führt, schon für das 18. Jahrhundert bezeugt,40 doch hat sich diese Lautentwicklung offenbar nur in ländlichen Bereichen langfristig durchsetzen können. Vor allem nach hellen Vokalen (z. B. Gäljd ‚Geld‘), aber vereinzelt auch nach dunklen (z. B. Fulj ‚Falte‘, ollj ‚alt‘) Vokalen ist diese mundartliche Entwicklung mehrfach belegt, die im Mecklenburgischen Wörterbuch als veraltet charakterisiert wird.41 Pastor Balthasar aus Gützkow beschreibt die Mouillierung in seiner Antwort auf den Aufruf von 1831 mit den Worten: „Das i vor l gleicht in der Aussprache dem französischen l-mouillé, so in Uill (Oll).“ Und für den Lieper Winkel zählt der Informant Meinhold folgende Beispiele auf, um die dortige dialektale Entwicklung von ld, lt > jl zu verdeutlichen:

dei Ojl deijlt dat Gaud ‚der Alte teilte das Gut‘

hojllen ‚halten‘

dei öjllst Söhn was upp’n Fejll ‚der älteste Sohn war auf dem Feld‘

Gäjld ‚Geld‘

lüjt Lüür ‚kleine Leute‘

Anzumerken bleibt, dass sich die Velarisierung von l, bei der es sich um eine ursprünglich dialektale Entwicklung handelt, noch Ende der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts auch in der regionalen Umgangssprache Mecklenburg-Vorpommerns gezeigt hat, wobei sie sich keineswegs auf die Lautverbindung ld beschränkt hat, sondern sich nahezu auf jede postvokalische Position beziehen←66 | 67→ konnte.42 Anschließend ist jedoch ein deutlicher und rasch ablaufender Abbau dieses Merkmals in den regiolektalen Sprachlagen Mecklenburg-Vorpommerns zu verzeichnen, wie neuere Erhebungen dokumentieren konnten, die gleichzeitig darauf verweisen, dass Velarisierungen von l wenigstens heute stärker im Südwesten des niederdeutschen Sprachraums nachzuweisen sind.43 Auch deswegen ist es kaum berechtigt, von einem „Ostsee-l“ zu sprechen, das besonders für Rügen und die mecklenburgische Küste relevant ist.44

4.3 Das Diminutivsuffix –ing

Als besonderes Charakteristikum für die mecklenburgisch-vorpommerschen Dialekte kann das sprachgeschichtlich noch junge Diminutivsuffix –ing gelten, über dessen Herkunft es jedoch unterschiedliche Auffassungen gibt.45 Der oben schon erwähnte Theologiestudent Meinhold berichtet von einer lautlichen Variante dieses vor allem kosende Funktion tragenden Suffixes, die meines Wissens bislang völlig unbeachtet geblieben ist. Meinhold gibt Auskunft über die Dörfer des Lieper Winkels auf Usedom, in denen nach seinen Angaben das Suffix in der Variante –ang unabhängig von der lautlichen Umgebung üblich gewesen ist. Er führt dafür zwei Beispiele, nämlich Kijnang (statt Kinning ‚Kindchen, Kindlein‘) und mien lüjttang (statt mien lütting ‚mein Kleines‘) an.46 Im Greifswalder Archiv des Pommerschen Wörterbuchs findet sich hierfür jedoch keinerlei Beleg, auch sonst ist mir kein Hinweis auf diese Variante bekannt.47 Offenbar hat sich diese Eigentümlichkeit der von den großen Verkehrswegen weit entfernten Region nicht bewahren können und ist vermutlich noch im 19. Jahrhundert aus der gesprochenen Sprache verschwunden. Die Wenkerbögen des Deutschen Sprachatlas aus den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts verzeichnen diese Variante für die beiden einzigen Schulorte des Lieper Winkels (Liepe und Warthe) jedenfalls nicht.←67 | 68→

5 Fazit

Die Bedeutung der sprachlichen Zeugnisse, die als Antwort auf den Aufruf der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde von 1831 schließlich ihren Weg in das Stettiner Staatsarchiv fanden, beruht vor allem auf zwei Gesichtspunkten. Einerseits werden durch die erhobenen Daten einige selten diskutierte lautliche und morphologische Charakteristika der niederdeutschen Dialekte Vorpommerns dieser Zeit bezeugt, auf der anderen Seite liefern die metasprachlichen Urteile der Zeitgenossen wichtige Hinweise für die Rolle und die Entwicklung niederdeutscher Varietäten im Spektrum gesprochener Sprache dieser Region.

In seiner Analyse der eingesandten Sprachproben hat Wilhelm Böhmer, der Initiator des Aufrufs von 1831, sich zwar in der Festlegung auf eine dialektgeographische Zweiteilung Pommerns geirrt, denn spätestens durch die Forschungen Robert Holstens zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte diese Annahme gründlich korrigiert werden.48 Böhmers Aussagen zur Variabilität des vorpommerschen Varietätenspektrums und besonders zur Etablierung einer gehobenen niederdeutschen Umgangssprache in den Städten kann aber fast uneingeschränkt zugestimmt werden, wobei er zudem einen Gegensatz zwischen den vorpommerschen und den mittel- und ostpommerschen Verhältnissen der damaligen Zeit herausstellt: „Näher der Oder und östlich derselben giebt es diese feinere Niederdeutsche Umgangssprache, – welche in Einerlei Form über den Volksmundarten schwebend, das Zerstückelte wohlthätig verbindet, – nicht mehr.“49 Die Funktion dieser prestigeträchtigen niederdeutschen Varietät hat dann seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunächst im städtischen Kontext und später auch im ländlichen Raum eine großräumigere hochdeutsche Umgangssprache auf niederdeutschem Substrat übernommen, die noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur von einer kleinen gesellschaftlichen Elite gesprochen wurde.50 Um 1830 war die Vitalität des Niederdeutschen als gesprochene Sprache in Vorpommern jedoch nahezu ungebrochen. Besonders im Selbstverständnis der jungen Generation niederdeutscher Muttersprachler galt nicht die hochdeutsche Umgangssprache der sozialen Oberschicht als erstrebenswerte Alltagssprache, sondern das einheimische Niederdeutsch in einer städtisch-bürgerlichen Ausprägung. ←68 | 69→

Literaturverzeichnis

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Kehrein, Roland: Regionalsprachliche Spektren im Raum. Zur linguistischen Struktur der Vertikale (ZDL Beihefte; 152). Stuttgart 2012.

Knoop, Ulrich: Das Interesse an den Mundarten und die Grundlegung der Dialektologie. In: Besch, Werner [u. a.] (Hrsg.): Dialektologie. Ein Handbuch zur deutschen und allgemeinen Dialektologieforschung (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft; 1.1). 1. Halbbd. Berlin/NewYork 1982, S. 1–22.

Lasch, Agathe: Die Mundart in den nordniedersächsischen Zwischenspielen des 17. Jahrhunderts. In: Aufsätze zur Sprach- und Literatur-Geschichte. Wilhelm Braune zum 20. Februar 1920 dargebracht von Freunden und Schülern. Dortmund 1920, S. 299–351. ←69 | 70→

Lasch, Agathe: Zur Deminutivbildung in der mecklenburgisch-vorpommerschen Mundart. In: Niederdeutsches Jahrbuch 38 (1912), S. 81–104.

Lauf, Raphaela: „Regional markiert“: Großräumliche Umgangssprache(n) im niederdeutschen Raum. In: Niederdeutsches Jahrbuch 119 (1996), S. 193–218.

Mecklenburgisches Wörterbuch. Hrsg. von der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Aus den Sammlungen Richard Wossidlos und aus den Ergänzungen und nach der Anlage Hermann Teucherts. 7 Bde. Berlin 1942–1992. Unveränd., verkleinerter Nachdruck der Erstauflage von 1937–1992. Neumünster 1996. Rothe, Christian: Nachtrag und Index. Neumünster 1998.

Meinhold, Wilhelm: Miniaturgemälde von Rügen und Usedom. Greifswald 1830.

Mihm, Arend: Die Rolle der Umgangssprachen seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. In: Besch, Werner [u. a.] (Hrsg.): Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft; 2.2). 2. Teilb. 2., vollständig neu bearb. und erw. Aufl. Berlin/New York 2000, Sp. 2106–2137.

Mussäus, Johann Jacob: Versuch einer plattdeutschen Sprachlehre mit besonderer Berücksichtigung der mecklenburgischen Mundart. Neustrelitz/Neubrandenburg 1829.

Peters, Robert: Zur Sprachgeschichte des niederdeutschen Raumes. In: Zeitschrift für deutsche Philologie 117 (1998), S. 108–127.

Reichenbach, Johann David: Patriotische Beyträge zur Kenntnis und Aufnahme des Schwedischen Pommerns. Fünftes Stück. Stralsund 1786.

Schmuck, Mirjam: Personennamen als Quelle der Grammatikalisierung. Der -ing-Diminutiv in Mecklenburg Vorpommern. In: Beiträge zur Namenforschung 44 (2009), S. 35–65.

Teuchert, Hermann: Beiträge zur Geschichte der mecklenburgischen Mundart. In: Niederdeutsches Jahrbuch 82 (1959), S. 207–236.

Teuchert, Hermann: Mudding „Mütterchen“: die Herkunft des mecklenburgisch-vorpommerschen –ing. In: Zeitschrift für Mundartforschung 21 (1953), S. 81–103.

Quellenverzeichnis

Staatsarchiv Stettin (Archiwum Panstwowe w Szczecinie). Rękopisy i spuścizny. Nr. 402. Teil 1 und 2: Neuvorpommern; Altvorpommern. ←70 | 71→


1 Vgl. Peters 1998.

2 Vgl. Herrmann-Winter 1995, S. 184.

3 Vgl. Knoop 1982, S. 12.

4 Vgl. Haken 1823.

5 Vgl. Böhmer 1833, S. 139.

6 Staatsarchiv Stettin. Archiwum Panstwowe w Szczecinie. Rękopisy i spuścizny. Nr. 402 (Lieper Winkel).

7 Staatsarchiv Stettin. Archiwum Panstwowe w Szczecinie. Rękopisy i spuścizny. Nr. 402 (Weitenhagen).

8 Staatsarchiv Stettin. Archiwum Panstwowe w Szczecinie. Rękopisy i spuścizny. Nr. 402 (Gützkow).

9 Staatsarchiv Stettin. Archiwum Panstwowe w Szczecinie. Rękopisy i spuścizny. Nr. 402 (Hanshagen).

10 Staatsarchiv Stettin. Archiwum Panstwowe w Szczecinie. Rękopisy i spuścizny. Nr. 402 (Altenkirchen).

11 Staatsarchiv Stettin. Archiwum Panstwowe w Szczecinie. Rękopisy i spuścizny. Nr. 402 (Gingst).

12 Giesebrecht 1826, S. 188–189.

13 Giesebrecht 1823, S. 485.

14 Böhmer 1833, S. 157. Mit Neuvorpommern ist der Teil Vorpommerns nördlich der Peene gemeint, der noch bis 1815 unter schwedischer Verwaltung stand, während Altvorpommern südlich der Peene bereits 1720 an Preußen gefallen war.

15 Ackermann 1794, S. 27–28.

16 Staatsarchiv Stettin. Archiwum Panstwowe w Szczecinie. Rękopisy i spuścizny. Nr. 402 (Weitenhagen).

17 Staatsarchiv Stettin. Archiwum Panstwowe w Szczecinie. Rękopisy i spuścizny. Nr. 402 (Weitenhagen).

18 Staatsarchiv Stettin. Archiwum Panstwowe w Szczecinie. Rękopisy i spuścizny. Nr. 402 (Gingst).

19 Reichenbach 1786, S. 164.

20 Die Stralsunder Dialektsprecher verspottete man z. B. mit folgendem Merksatz, der die Entrundung von ü herausstellt: De Miese sind bi ’n Grittbidel west (‚die Mäuse sind bei dem Grützbeutel gewesen‘). Vgl. auch Böhmer 1833, S. 162.

21 Böhmer 1833, S. 151.

22 Mussäus 1829, S. V.

23 Mussäus 1829, S. IV.

24 Böhmer 1833, S. 159.

25 Die aktuelle Realisierung der Endsilbe wurde jüngst im Verbundprojekt „Sprachvariation in Norddeutschland“ (SiN) untersucht. Zu den Ergebnissen der rezenten Realisierung in regiolektalen Sprachlagen, die diesen Befund besonders für Mecklenburg und Vorpommern bestätigen, vgl. Elmentaler/Rosenberg 2015, S. 173–178.

26 Staatsarchiv Stettin. Archiwum Panstwowe w Szczecinie. Rękopisy i spuścizny. Nr. 402 (Weitenhagen).

27 Staatsarchiv Stettin. Archiwum Panstwowe w Szczecinie. Rękopisy i spuścizny. Nr. 402 (Lieper Winkel).

28 Vgl. Hoefer 1851.

29 Vgl. Teuchert 1959, S. 229.

30 Vgl. Teuchert 1959, S. 229.

31 Vgl. Mussäus 1829, S. 9.

32 Mihm 2000 erwähnt diese Eigenschaft nicht. Lauf bezieht sie explizit nur auf die Vorsilbe (vgl. Lauf 1996, S. 202). Ähnlich äußert sich Kehrein, der die für den mecklenburgisch-vorpommerschen Raum typische Variante am Beispiel von Stralsund erhoben hat (vgl. Kehrein 2012, S. 311). Deutlich früher wurde dieses Merkmal von Herrmann-Winter (1979, S. 147–148) für die hochdeutsche Umgangssprache in Mecklenburg und Vorpommern belegt.

33 Vgl. Teuchert 1959, S. 212–214.

34 Vgl. Lasch 1920, S. 324.

35 Vgl. Teuchert 1959, S. 213.

36 Staatsarchiv Stettin. Archiwum Panstwowe w Szczecinie. Rękopisy i spuścizny. Nr. 402 (Lieper Winkel).

37 Wilhelm Meinhold (1797–1851) wurde vor allem durch eine 1843 publizierte Erzählung mit dem Titel Maria Schweidler, die Bernsteinhexe bekannt.

38 Meinhold 1830, S. 44–45.

39 Grümbke 1805, S. 227.

40 Vgl. Teuchert 1959, S. 214.

41 Vgl. Mecklenburgisches Wörterbuch. 4. Bd. 1965, Sp. 789–790.

42 Vgl. Herrmann-Winter 1979, S. 146.

43 Vgl. Elmentaler/Rosenberg 2015, S. 323–328.

44 Vgl. Großes Wörterbuch der deutschen Aussprache, S. 133.

45 Vgl. Lasch 1912; Teuchert 1953; Schmuck 2009.

46 Staatsarchiv Stettin. Archiwum Panstwowe w Szczecinie. Rękopisy i spuścizny. Nr. 402 (Lieper Winkel).

47 Eine direkte Beziehung zum Diminutivsuffix –ang in den neiderländischen Dialekten Niederschlesiens ist wohl auszuschließen. Für den Hinweis auf diesen mitteldeutschen Befund danke ich Klaas-Hinrich Ehlers.

48 Vgl. Herrmann-Winter 1995, S. 179.

49 Böhmer 1833, S. 157.

50 Vgl. Mihm 2000; Lauf 1996.