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Ordnungsvorstellungen im deutschen Offizierskorps 1915–1923

Friedrich von Boetticher, Oskar von Niedermayer, Hans von Seeckt

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Grischa Sutterer

Ab 1915 entwickelte sich innerhalb eines Segments des Offizierskorps ein politischer Ordnungsanspruch, der in der Weimarer Republik seine Wirkung entfaltete. Dieser Vorgang wird in der Studie mithilfe des biografischen Ansatzes anhand der drei zentralen Offiziere analysiert. Die dabei verfolgten innenpolitischen Ordnungsentwürfe lassen sich als Fortschreibung ideeller Traditionen der inklusiv-korporativen Auslegung des Konzeptes der Volksgemeinschaft verstehen. Außenpolitisch war die Manifestation dieser Gestaltungsabsicht die militärische Kooperation zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion, die über eine militärisch-technokratische Dimension hinauswies und einen politischen Charakter durch Beeinflussung der außenpolitischen Orientierung der Weimarer Republik hatte.

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IX. Das Jahr 1923: Grenzen der politischen Einflussnahme

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Am 8. November 1923 übertrug Reichspräsident Ebert von Seeckt die voll- ziehende Gewalt der Weimarer Republik, um die drohende Abspaltung Bay- erns vom Deutschen Reich und den Erfolg des Hitlerputsches zu verhindern. Nachdem die bayerische Landespolizei und die Reichswehrverbände der 7. Division dem Hitlerputsch am 9. November 1923 ein Ende gemacht hatten, verbot von Seeckt sowohl die KPD als auch die NSDAP am 23. November desselben Jahres, infolge der Ereignisse vom Oktober in Thüringen und Sachsen sowie vom November in München.317 Von Seeckt befand sich vom 8. November 1923 bis zum 28. Februar 1924 als Inhaber der Exekutivge- walt auf dem Zenit seiner politischen Macht. Die DNVP und weite Teile des rechten politischen Spektrums in der Bevölkerung einschließlich In- tellektueller wie Spengler hofften nun auf die Einrichtung einer nationalen Diktatur durch die Reichswehr. Dies war eine Option, die durch von Seeckt nicht erwogen wurde. Eine Veränderung des politischen Systems war für ihn nur „organisch“ im Rahmen einer gesamtgesellschaftlich legitimierten Veränderung der Verfassung auf legalem Weg möglich. In dieser Überlegung war ein Putsch keine Möglichkeit zur Änderung des politischen Systems, der zusätzlich der preußischen militärischen Tradition widersprochen hätte.318 Von Seeckt hatte schon Anfang November 1923 realisiert, dass andere, im Gegensatz zum Jahr 1920 nun konsolidierte, Machtzentren in der in- dustrialisierten Massengesellschaft Ziele verfolgten, die konträr zu seinen angedachten gesellschaftlichen Umstrukturierungsmaßnahmen standen. Die Sozialdemokratie war in der preußischen Politik fest etabliert, Stresemann verfolgte im...

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