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Das preußische Fideikommiss

Studien zu seiner nationalökonomischen Funktion im Übergang zum imperialistischen Kapitalismus

Fusao Kato

Die wirtschaftshistorische Untersuchung thematisiert mit dem preußischen Fideikommiss ein altes, traditionelles Rechtsinstitut, dessen Ursprung weit ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Dadurch wird es oftmals als ein unzeitgemäßes Phänomen behandelt, das lediglich eine reaktionäre oder rückschrittliche Rolle gespielt habe. Dieses Desinteresse gilt auch Max Weber und seiner Abhandlung zur Fideikommissfrage. Dieses Buch überprüft, ob Webers Arbeit weiterhin in der Forschung vernachlässigt werden darf. Es wirft die Frage auf, ob Weber ein rundweg negatives Urteil abgegeben hat, und weist darauf hin, dass die Besitzer der preußischen Fideikommisse nicht nur aus dem Inland kamen, sondern aus breit gestreuten Gebieten Europas. Die Analyse gilt den inter- wie transnationalen Aspekten der vielfältigen Problematik und beleuchtet die Wirklichkeit der Fideikommisse im Übergang zum imperialistischen Kapitalismus.

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Einleitung

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Die vorliegende Studie knüpft thematisch und inhaltlich an die Ergebnisse von Max Weber an, der die verschiedenen statistischen Untersuchungen wie die preußischen Grundbesitzaufnahmen von 1878 und 1892 u. a. aufgearbeitet hat. Seine große Abhandlung „Agrarstatistische und sozialpolitische Betrachtungen zur Fideikommissfrage in Preußen“ (1904)1 ist zu diesem Problemkreis sehr aufschlussreich, wurde aber in der jüngeren deutschen Forschung lange vernachlässigt, wie überhaupt die wirtschafts- und rechtsgeschichtliche Frage des Fideikommissinstituts in Preußen, die Max Weber aus großem sozialpolitischen Interesse heraus angegangen war, in der Geschichtswissenschaft trotz ihrer Relevanz lange Zeit nicht gebührend beachtet wurde. Erst in jüngster Zeit sind einige wichtige Beiträge dazu erschienen. Die von unterschiedlichen Untersuchungsansätzen und Erklärungskonzepten ausgehenden bisherigen Untersuchungen zum preußischen Fideikommiss lassen sich den beiden gegenwärtigen Richtungen zuordnen. Für die im Rahmen der allgemeinen Rechtsgeschichte betriebene Forschungsrichtung stehen vor allem die Beiträge von Jörn Eckert, Bernhard Bayer, Mareike Mayer und Hartmut Fischer sowie Monika Wienfort.2 ← 11 | 12 → Dagegen ist die andere Richtung, zu der z. B. die Beiträge von Klaus Heß, Eckart Conze und René Schiller sowie Roland Gehrke zählen, ausgeprägt wirtschafts- und sozialgeschichtlich ausgerichtet.3

Als noch offenes Feld in der Fideikommissforschung benennt Heinrich Kaak aus agrargeschichtlicher Perspektive die Frage, „in welchem Maße die Einrichtung der Fideikommissgüter als stabilisierendes Moment der Gutsherrschaft gewirkt hat“.4 Christian v. Bar und Peter H. Striewe weisen auf die Notwendigkeit hin, „[d]ie verschlungenen...

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