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Wirklichkeit und Fremdheit in Erzähltexten des deutschen Realismus

Edited By Aihong Jiang and Uwe Japp

Die Beiträge dieses Buches untersuchen die Darstellung von «Wirklichkeit und Fremdheit» in Erzähltexten des deutschen Realismus. Im Hinblick auf diese Relation analysieren die Beiträger unter anderem Werke von Friedrich Hebbel, Gottfried Keller und Theodor Storm. Methodisch bilden die Beiträge ein weites Spektrum von hermeneutischen, sozialgeschichtlichen und narratologischen Ansätzen ab. Der Tagungsband berücksichtigt auch Ergebnisse der Alteritäts- und Genderforschung. Dieses Buch dokumentiert die Resultate einer in Beijing durchgeführten Tagung, an der chinesische und deutsche GermanistInnen beteiligt waren.

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Verwilderter Realismus nach der Reichsgründung. Fremdheit als das ‚interne Andere‘ beim mittleren Raabe: Zum wilden Mann (Stefan Scherer)

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Stefan Scherer

Verwilderter Realismus nach der Reichsgründung. Fremdheit als das ‚interne Andere‘ beim mittleren Raabe: Zum wilden Mann

„Die letzten Seiten der Erzählung vermitteln […] den Leseeindruck des vielleicht finstersten, aussichtlosesten Endes, das sich im Poetischen Realismus finden lässt“. Das formuliert Moritz Baßler zu Raabes Novelle Zum wilden Mann (1874) in seiner Monographie Deutsche Erzählprosa 1850–1950. Eine Geschichte literarischer Verfahren, die in einer übergeordneten Perspektive auch die Novellistik des poetischen Realismus konsequent über den historischen Wandel literarischer Verfahren rekonstruiert.1 Er markiert damit den besonderen Status, der bereits Raabes mittleren Prosatexten zukommt.2 Sind die literarischen Qualitäten des Spätwerks von Raabe seit Romanen wie Das Odfeld (1888) oder Stopfkuchen (1891) an den Grenzflächen zur literarischen Moderne von der germanistischen Literaturwissenschaft längst erkannt, scheint die spezifische Avanciertheit der literarischen Darstellung in der mittleren Phase noch eher unterschätzt zu sein, wie auch immer Zum wilden Mann zu den am meisten interpretierten Texten der Raabe-Forschung seit den 1990er Jahren gehört.3 ← 77 | 78 →

Die Frage nach der ‚Fremdheit‘ berührt indes nur Michael Dobstadt auch in dem Sinn, dass er das Fremde in dieser Novelle auf ihre literarische Komplexität zurückführt.4 Bereits in Zum wilden Mann schreibt Raabe eine texturierte Prosa, in der durch leitmotivisch wiederholte Formeln und Attribuierungen etablierte Oppositionen zwischen ‚wild‘ und ‚geordnet‘/‚zivilisiert‘ sich wechselseitig aus den Angeln heben.5 Das Fremde erscheint in dieser Novelle daher stets in doppelter Perspektive:...

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