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Wirklichkeit und Fremdheit in Erzähltexten des deutschen Realismus

Edited By Aihong Jiang and Uwe Japp

Die Beiträge dieses Buches untersuchen die Darstellung von «Wirklichkeit und Fremdheit» in Erzähltexten des deutschen Realismus. Im Hinblick auf diese Relation analysieren die Beiträger unter anderem Werke von Friedrich Hebbel, Gottfried Keller und Theodor Storm. Methodisch bilden die Beiträge ein weites Spektrum von hermeneutischen, sozialgeschichtlichen und narratologischen Ansätzen ab. Der Tagungsband berücksichtigt auch Ergebnisse der Alteritäts- und Genderforschung. Dieses Buch dokumentiert die Resultate einer in Beijing durchgeführten Tagung, an der chinesische und deutsche GermanistInnen beteiligt waren.

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Fremdheit in der Zeit. Historisches Erzählen als Inszenierung vertikaler Alterität (Felix Dahn, Theodor Storm) (Christoph Deupmann)

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Christoph Deupmann

Fremdheit in der Zeit. Historisches Erzählen als Inszenierung vertikaler Alterität (Felix Dahn, Theodor Storm)

1. Einführung: Felix Dahns historische Romane

In Arno Schmidts grotesker Erzählung TINA oder die Unsterblichkeit (1955) besucht der Erzähler über einen geheimen, unter einer Litfaßsäule gelegenen Zugang das „Elysium“, also jenen Bezirk der Unterwelt, in den dem griechischen Mythos zufolge die Helden entrückt werden.1 Weit jedoch davon entfernt, eine Insel der Seligen zu sein, ist das hier vorfindliche Elysium eine Unterwelt-Stadt, deren Einwohner zu ewigem Leben verdammt sind. Während ihres Spaziergangs werden Tina und der Erzähler Zeugen einer Hetzjagd, welche die Gotenkönige der Völkerwanderungszeit nach Felix Dahn (1834–1912) veranstalten, dem einst berühmten Autor von Ein Kampf um Rom (1876) und zahlreicher anderer historischer Romane und Erzählungen. Was die historische Lebenszeit der Gotenkönige betrifft, zählen zu Dahns Schriften nicht weniger als dreizehn Kleine Romane aus der Völkerwanderung (1881–1901). Der Grund dieser feindlichen Nachstellung aber besteht darin, dass die Bewohner des Elysiums so lange in dieser sub-urbanen Unterwelt weiterzuleben verurteilt sind, wie noch Erzählungen existieren, die sie in der Vorstellung von Lesern am Leben erhalten. Erst wenn ihr literarisches Gedächtnis endgültig ausgelöscht ist, können auch die Gotenkönige eingehen ins ‚Nirwana‘.

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