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Wirklichkeit und Fremdheit in Erzähltexten des deutschen Realismus

Aihong Jiang and Uwe Japp

Die Beiträge dieses Buches untersuchen die Darstellung von «Wirklichkeit und Fremdheit» in Erzähltexten des deutschen Realismus. Im Hinblick auf diese Relation analysieren die Beiträger unter anderem Werke von Friedrich Hebbel, Gottfried Keller und Theodor Storm. Methodisch bilden die Beiträge ein weites Spektrum von hermeneutischen, sozialgeschichtlichen und narratologischen Ansätzen ab. Der Tagungsband berücksichtigt auch Ergebnisse der Alteritäts- und Genderforschung. Dieses Buch dokumentiert die Resultate einer in Beijing durchgeführten Tagung, an der chinesische und deutsche GermanistInnen beteiligt waren.

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Wie sich Fremdes in eine bürgerliche Ehe integrieren lässt und dabei realistische Darstellungsstrategien auf die Probe gestellt werden: Zu Friedrich Spielhagens Das Skelet im Hause. Novelle (1878) (Madleen Podewski)

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Madleen Podewski

Wie sich Fremdes in eine bürgerliche Ehe integrieren lässt und dabei realistische Darstellungsstrategien auf die Probe gestellt werden: Zu Friedrich Spielhagens Das Skelet im Hause. Novelle (1878)

Spielhagens Novelle, zwischen Januar und Februar 1878 in drei Folgen in Westermanns Illustrirten Deutschen Monatsheften und im gleichen Jahr im Leipziger Staackmann-Verlag als Buch gedruckt, verhandelt den Problemkomplex ‚Fremdheit‘ thematisch und formal auffällig spielerisch. Im Zentrum steht ein vergleichsweise harmloses, nur metaphorisch als „Hausskelett“ bezeichnetes Familiengeheimnis – ein Stoff, der heiter, fast komödienartig präsentiert wird. Erzählt werden die Geschehnisse eines Tages im Leben eines jungen Ehepaars: Ännchen, die einzige Tochter einer wohlhabenden rheinischen Kaufmannsfamilie samt adelsstolzer Mutter, hat Lebrecht Nudel geheiratet, gleichfalls Spross eines alteingesessenen norddeutschen Kaufmannsgeschlechts. Die Haupthandlung beginnt, als die beiden nach ihrer Hochzeitsreise auf dem Anwesen des Ehemanns in einem Ort namens Woldom eintreffen, wo sich im Verlauf des Tages zwei Gerüchte verdichten: Ein Hausgenosse, Hans Fliederbusch, ist vor gut sechs Wochen nach einem heftigen Streit mit Lebrecht Nudel verschwunden und – so wird angeblichen Indizien nach vermutet – von ihm ermordet worden. Eine Hausdurchsuchung soll am Abend zur endgültigen Klärung und zur Verhaftung des Hausherrn führen. Zugleich kreisen Handlungen und Gespräche beständig um ein so genanntes corpus delicti, um ein altes Ladenschild, das den Unterhalt eines nicht standesgemäßen offenen Kramladens durch die Familie des Ehemanns anzeigt. Dieses Schild ist das titelgebende „Skelet im Hause“, über das Lebrecht gegenüber seiner...

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