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Der Umgang mit Geschichte im historischen Roman der Gegenwart

Am Beispiel von Uwe Timms «Halbschatten», Daniel Kehlmanns «Vermessung der Welt» und Christian Krachts «Imperium»

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Max Doll

Ausgehend vom anhaltenden Vorwurf, der historische Roman betreibe Geschichtsklitterei, kann dieses Buch zeigen, dass das Genre in der Gegenwart sogar in seinen postmodernen Ausprägungen produktiv mit Geschichte verfährt. Zu diesem Zweck interpretiert der Autor nicht nur drei ausgewählte Werke, sondern erschließt sie im genauen Abgleich mit ihren Quellen und erörtert, dass historische Romane Geschichte nicht nur zu Unterhaltungszwecken nutzen. Vielmehr erfolgt eine sinnstiftende Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Material; in Veränderungen und Verfremdungen lässt sich eine klare, nicht minder korrekte Aussageabsicht erkennen, die lediglich auf eine unmittelbare Reproduktion von Quellen verzichtet.

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5.3 Die postmoderne Autorinszenierung

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5.3 Die postmoderne Autorinszenierung

Wissen und Wahrnehmung im Sinne der Möglichkeit, eine absolut verstandene Realität erkennen zu können, werden im Roman unter anderem über die Kontrastierung von Ideologie und Wahrnehmung sowie Realität relativiert und in ihren Limitierungen sichtbar. Plurale Deutungsmöglichkeiten sowie die permanent ausgestellte Unsicherheit, die jegliche Aussage von Roman oder Erzähler relativieren, werden zu prägenden Strukturmerkmalen des postmodern konzipierten Romans. Beide Aspekte sind typische Charakteristika für das Werk Krachts und resultieren in einer heterogenen Rezeption. Diese heterogene Rezeption ist jedoch nicht auf das Textkorpus selbst beschränkt, das sich sowohl als Teil von Hoch- als auch Trivialkultur lesen lässt und eine breite Spanne von Lesarten erlaubt (vgl. u. a. Mayer 2012, Soboczynski 2013: 23, Tischel 2012: 162), sondern betrifft in gleichem Maße die Figur des Autors. Eine solche Beobachtung korreliert mit dem von Kracht gepflegten Habitus bewusster Unbestimmbarkeit und einer inhärenten Neigung zur Irritation der Rezipienten. Die Rezeption bleibt damit nicht nur auf Literatur beschränkt, sondern kann auf einen erweiterten Werkbegriff bezogen werden, der das gesamte Œuvre inklusive des Autors selbst umfasst. Die Figur des Autors wird damit struktureller Teil der Texte.

„Es gibt wenige Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, die Leser und Kritiker so zu faszinieren und zugleich so konsequent zu irritieren und herauszufordern verstehen, wie der Schweizer Christian Kracht. Einer präzisen Bestimmung und Deutung entzieht sich sein Werk, seine Rezeption ist folglich von Unsicherheiten und Umwegen geprägt.“ (Birgfeld & Kreknin...

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