Show Less
Restricted access

Die deutschen Friedensnobelpreiskandidaten im Kaiserreich 1901–1918

Series:

Thomas Sirges

Der Friedensnobelpreis ist weltweit der renommierteste Friedenspreis. Bislang hat sich die Forschung auf die Preisträger konzentriert und den Konkurrenten nur bei strittigen Entscheidungen größere Beachtung geschenkt. Neben den Konkurrenten verzeichnen die Bewerberlisten eine beachtliche Zahl von Außenseitern, deren Wirken kaum vermuten lässt, dass sie einmal für den Friedensnobelpreis nominiert waren. Beide Gruppen – Konkurrenten und Außenseiter – müssen als ein bislang unerforschter Teil der Geschichte des Friedensnobelpreises gelten. Das Buch stellt die deutschen Kandidaten von 1901 bis 1918 vor, beleuchtet die Hintergründe und Begleitumstände ihrer Kandidatur und sucht nach einer Antwort auf die Frage, warum kein Deutscher im Kaiserreich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist.

Show Summary Details
Restricted access

3. Nobelkomitee

Extract



3.1. Vorauswahl

Schon in den Anfangsjahren des Friedensnobelpreises hat sich ein festes Auswahlverfahren etabliert, das bis heute praktiziert wird. Zunächst stellte das Nobelkomitee aus der Zahl der bis zum Stichtag 1. Februar eingegangenen gültigen Vorschläge eine Liste mit aussichtsreichen Kandidaten zusammen, die begutachtet werden sollten. In der Regel wurde dabei aber auf eine erneute Begutachtung “alter” Kandidaten verzichtet, sofern sich keine neuen Gesichtspunkte ergeben hatten. Die Begrenzung der Zahl der Gutachten war auch deshalb erforderlich, weil das Nobelinstitut nur über einen kleinen wissenschaftlichen Mitarbeiterstab verfügte.1 In den ersten Jahren lastete die Begutachtung ganz auf Christian Lous Lange, dem ersten Sekretär des Friedensnobelpreiskomitees. Entsprechend knapp fielen die Gutachten aus. Mit der Erstellung der Shortlist war bereits eine erste Vorentscheidung gefallen, denn alle Friedensnobelpreisträger bis 1918 sind begutachtet worden. Die Chancen der nicht berücksichtigten Kandidaten tendierten daher gegen Null. Im Falle von Deutschland betraf das elf der 18 Kandidaten. Wie für den abschließenden Entscheidungsprozess liegen auch für die Vorauswahl keine Quellen vor, die genaue Aufschlüsse darüber zulassen, welche Kriterien das Nobelkomitee angelegt hat.

Mit den Vorschlägen für den Schriftsteller Conrad Beyer, den Arzt Arthur Mülberger, den Kaufmann Jakob Münter, den Linguisten Johann Martin Schleyer und den Erfinder Emil Strauss hat sich das Nobelkomitee vermutlich nicht lange aufgehalten. Beyer hatte in seinem Roman Auf dem Niederwalde (1900) eine längere Eloge auf den Weltfrieden eingefügt; Mülberger in seinem Buch...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.