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Die deutschen Friedensnobelpreiskandidaten im Kaiserreich 1901–1918

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Thomas Sirges

Der Friedensnobelpreis ist weltweit der renommierteste Friedenspreis. Bislang hat sich die Forschung auf die Preisträger konzentriert und den Konkurrenten nur bei strittigen Entscheidungen größere Beachtung geschenkt. Neben den Konkurrenten verzeichnen die Bewerberlisten eine beachtliche Zahl von Außenseitern, deren Wirken kaum vermuten lässt, dass sie einmal für den Friedensnobelpreis nominiert waren. Beide Gruppen – Konkurrenten und Außenseiter – müssen als ein bislang unerforschter Teil der Geschichte des Friedensnobelpreises gelten. Das Buch stellt die deutschen Kandidaten von 1901 bis 1918 vor, beleuchtet die Hintergründe und Begleitumstände ihrer Kandidatur und sucht nach einer Antwort auf die Frage, warum kein Deutscher im Kaiserreich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist.

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5. Eduard Loewenthal

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Der Gedanke, daß die Kriege ein notwendiges Übel seien, erweckt angesichts der fortschreitenden Kultur und des rückschreitenden Wohlstandes immer lebhafteren Zweifel bei nachdenkenden Menschen. Der Glaube an die Notwendigkeit oder nur Erforderlichkeit eines Übels überhaupt will sich nun einmal mit der gesunden Vernunft nicht so recht in Einklang bringen lassen. Es ist bei gewissenhafter Erwägung nicht gut zu erklären, warum nicht auch Streitigkeiten zwischen einzelnen Nationen durch internationale Friedens- oder Austrägalgerichte [d.s. Schiedsgerichte] entschieden werden könnten. (Eduard Loewenthal 1868)1

Eduard Loewenthal (1836–1917), geboren in Ernsbach (Königreich Württemberg), entstammte einer streng religiösen jüdischen Lehrerfamilie.2 Er studierte Philosophie und Rechtswissenschaft in Tübingen. Da ihm nach seiner Promotion in Philosophie eine akademische Laufbahn verwehrt blieb, wandte er sich dem Journalismus zu. Der preußisch-österreichische Krieg von 1866 weckte endgültig sein Interesse am Pazifismus:

Obwohl ich als Feind der deutschen Kleinstaaterei (vom Herzogtum abwärts) die Maßnahmen Preußens zu deren Beseitigung im allgemeinen guthieß, so schien es mir doch, als ob dazu die Waffengewalt nicht unbedingt nötig gewesen wäre. Das Problem, wie der Krieg durch gerichtliche Schlichtung von Staaten-Konflikten aus der Welt geschafft werde könnte, begann mich immer eingehender zu beschäftigen.3

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