Show Less
Restricted access

Die deutschen Friedensnobelpreiskandidaten im Kaiserreich 1901–1918

Series:

Thomas Sirges

Der Friedensnobelpreis ist weltweit der renommierteste Friedenspreis. Bislang hat sich die Forschung auf die Preisträger konzentriert und den Konkurrenten nur bei strittigen Entscheidungen größere Beachtung geschenkt. Neben den Konkurrenten verzeichnen die Bewerberlisten eine beachtliche Zahl von Außenseitern, deren Wirken kaum vermuten lässt, dass sie einmal für den Friedensnobelpreis nominiert waren. Beide Gruppen – Konkurrenten und Außenseiter – müssen als ein bislang unerforschter Teil der Geschichte des Friedensnobelpreises gelten. Das Buch stellt die deutschen Kandidaten von 1901 bis 1918 vor, beleuchtet die Hintergründe und Begleitumstände ihrer Kandidatur und sucht nach einer Antwort auf die Frage, warum kein Deutscher im Kaiserreich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist.

Show Summary Details
Restricted access

9. Adolf Richter

Extract



Die Zeit muß kommen, wo der Krieg nicht mehr ein erlaubtes Mittel zur Erwerbung von Rechten und zur Rechtsprechung in eigener Sache sein wird, sondern wo man ihn betrachten wird als das, was er wirklich ist, als ein Verbrechen an der Menschheit, als ein Unglück für Sieger und Besiegte. (Adolf Richter 1912)1

Adolf Richter (1839–1914), geboren in Wiesbaden (Herzogtum Nassau, seit 1866 Königreich Preußen), war von Beruf Chemiker und Gründer einer florierenden Gold- und Silberscheide-Anstalt in Pforzheim.2 Viele Jahre engagierte er sich in der Lokalpolitik, nahm regelmäßig an den Parteitagen und Versammlungen der Deutschen Volkspartei (DtVP) teil und kandidierte sogar einmal – wenngleich erfolglos – bei den Reichstagswahlen von 1890 im Wahlkreis Mannheim. Noch heute lassen Richters autobiographische Aufzeichnungen erkennen, wieviel Mut, Selbstbewusstsein und Zivilcourage es bedurfte, um sich in dieser Zeit offen zu den Idealen von Frieden und Völkerverständigung zu bekennen:

Mit Bedauern und Schmerz erkannten die Verständigen, welch tiefer Riß in der Völkerfamilie Europas entstanden war, und rechts und links der Vogesen sannen die Friedensfreunde auf Mittel, um Versöhnung herbeizuführen und den oftmals drohenden erneuten Ausbruch eines Krieges zu vermeiden, schüchtern freilich anfangs, einflußlos und zum Hohngelächter der noch an Sedans- und ähnlichen Feiern im Siegesrausche schwelgenden Veteranen.3

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.