Show Less
Restricted access

Die deutschen Friedensnobelpreiskandidaten im Kaiserreich 1901–1918

Series:

Thomas Sirges

Der Friedensnobelpreis ist weltweit der renommierteste Friedenspreis. Bislang hat sich die Forschung auf die Preisträger konzentriert und den Konkurrenten nur bei strittigen Entscheidungen größere Beachtung geschenkt. Neben den Konkurrenten verzeichnen die Bewerberlisten eine beachtliche Zahl von Außenseitern, deren Wirken kaum vermuten lässt, dass sie einmal für den Friedensnobelpreis nominiert waren. Beide Gruppen – Konkurrenten und Außenseiter – müssen als ein bislang unerforschter Teil der Geschichte des Friedensnobelpreises gelten. Das Buch stellt die deutschen Kandidaten von 1901 bis 1918 vor, beleuchtet die Hintergründe und Begleitumstände ihrer Kandidatur und sucht nach einer Antwort auf die Frage, warum kein Deutscher im Kaiserreich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist.

Show Summary Details
Restricted access

3. Verein für Sozialpolitik

Extract



Dieser [Weltkrieg] wie alle Kriege, bei seinem gigantischen Umfang sogar noch in besonderem Maße, macht überall die Reichen reicher, die Armen ärmer. Die Spannung zwischen den Klassen innerhalb der Völker wächst, wenn auch bei den kriegführenden Mächten ob der gemeinsamen nationalen Ziele noch verborgen, der innere soziale Ausgleich bei allen Kulturvölkern wird nach eingetretenem Frieden wichtiger werden als je und zugleich schwieriger. Es kommen sicher für den Verein für Sozialpolitik ganz große neue Aufgaben. (Gustav v. Schmoller Januar 1917)1

Dem 1873 gegründeten Verein für Sozialpolitik schlossen sich viele bekannte Ökonomen, Soziologen, Politiker und Publizisten an. Von 1890 bis 1917 stand der 1908 in den Adelsstand erhobene Berliner Professor Gustav v. Schmoller (1838–1917) dem Verein vor. Dieser war einer der führenden Ökonomen und Sozialwissenschaftler seiner Zeit und gilt als wichtigster Vertreter der jüngeren historischen Schule der Sozialökonomie. Sein Interesse für die soziale Frage machte sich erstmals in einem in den Preußischen Jahrbüchern (1864/65) erschienenen Beitrag zur Arbeiterfrage bemerkbar, in dem er sowohl dem Manchester-Liberalismus als auch dem Sozialismus eines Ferdinand Lassalles oder eines Karl Marx’ die Eignung absprach, das Los der Arbeiter wirklich zu verbessern.2 In seinen breit angelegten historisch-empirischen Forschungen untersuchte Schmoller “die tiefgreifenden Änderungen der Struktur und des Institutionengefüges des gesellschaftlichen Wirtschaftens”.3 Politisch setzte er sich für eine Vielzahl von Reformen ein, um die Klassengegensätze auszugleichen. Er trat für “einen Ausbau...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.