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Matthias Claudius als Literaturkritiker

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Geeske Göhler-Marks

Die Autorin befasst sich mit dem literaturkritischen Werk von Matthias Claudius im Rahmen des Rezensionswesens im 18. Jahrhundert. Claudius verfasste die meisten seiner Kritiken als Redakteur der Zeitung des «Wandsbecker Bothen» und nahm die Besprechungen größtenteils später in seine gesammelten Werke «Asmus omnia sua secum portans» auf. Die Untersuchung markiert die besondere Form der Poetisierung, die die Rezensionen im Werk von Claudius erfahren. Als kleine Kunstwerke stehen sie in den Asmus-Bänden gleichberechtigt neben den Gedichten und sonstigen Prosatexten. Auf der Grundlage der inhaltlichen und stilistischen Analyse der einzelnen Besprechungen fragt die Autorin, welche Position Claudius innerhalb der literarhistorischen, theologischen und philosophischen Diskurse seiner Zeit eingenommen hatte.

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V. Rezensionen von Zeitschriften

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Zu den ersten Rezensionen von Claudius zählt auch diejenige eines „Liebes-Magazins, in einem Auszuge (Aus dem Englischen)“ aus den „Hamburgischen Adreß-Comtoir-Nachrichten“ vom 24. August 1768. Der Hinweis auf den Titel des rezensierten Buches lässt zunächst an den unterhaltend-belehrenden Magazintypus denken, der bezeichnend für die Übergangszeit seit den 50er Jahren ist, in der sich die Gattung der Moralischen Wochenschriften aufzulösen beginnt. Der erste Eindruck scheint hier jedoch zu täuschen.831

Claudius beschreibt am Anfang seiner Besprechung die Kupferstiche, welche einerseits entzückende und andererseits widrige Szenen der Liebe zeigten, erwähnt kurz Vorrede und Dedikation, um dann einige Rubriken zu zitieren und eine Probe von der Schreibart des Verfassers zu geben. Der Rezensent zeigt sich besonders vom abschließenden Kupfer belustigt, darin ein schöner Mann in einer Rosenknospe versteckt stehe und von Liebesgöttern in den Geheimnissen der Liebe unterrichtet werde. Man könne es nicht lange ansehen, ohne über die Lehrbegierde des Gesichts und der Ohren am menschlichen Kopfe, und über die Dienstfertigkeit des Amor zu lachen.832 Die Darstellung vermeintlich unwillkürlicher Körperreaktionen bei Verliebten sei laut Kranefuss „offenbar die bürgerliche Version eines in der Literatur der höfischen Gesellschaft des 16. und 17. Jahrhunderts gängigen Literaturtyps“833, der in der Rezension auch parodiert werde. Gerade die Frauen, wird in der Besprechung kritisiert, läsen das Buch sehr fleißig, obwohl es in der Vorrede heiße, dass es nicht für sie geschrieben sei. Anstatt...

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