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Himmlers Rennfahrer

Bernd Rosemeyer, der SS-Hauptsturmführer aus Lingen

Christoph Frilling

Bernd Rosemeyer, der weltberühmte Autorennfahrer der 30er Jahre, galt nach seinem Unfalltod 1938 als Vorbild für Generationen von rennsportbegeisterten Anhängern weltweit. Dass seine Rennkarriere eng verbunden war mit seiner Mitgliedschaft in der SS, ist zwar seit langem bekannt, wurde aber selten problematisiert. Rosemeyer wird bis heute weithin als unpolitischer Mensch dargestellt, der gezwungen gewesen sei, sich mit den Nationalsozialisten einzulassen, um überhaupt die Möglichkeit zu haben, als Rennfahrer auftreten zu können.

Das Buch untersucht die genaueren Umstände der Verstrickung Rosemeyers in den Nationalsozialismus und wendet sich gegen eine Fortsetzung eines unkritischen Rosemeyer-Kults. Anlass für diese Studie ist die geplante Eröffnung eines privaten Rosemeyer-Museums in Lingen.

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3. Die SS – eine Elite?

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3. Die SS – eine Elite?

„In der SS wimmelte es vor eifernden Scharfmachern.“

(Franz-Josef Strauss)

Es ist dokumentiert, dass Rosemeyer selbst 1932 als Jahr seines Eintritts in die SS angab, spätestens war er aber seit 1933 SS-Mann. Freilich scheint es so zu sein, dass sich die „Motor-SS“, also die „Motorstürme der SS“ offensichtlich „mit ihrem elitären Nimbus besonderer Beliebtheit erfreuten“ (Becker/Schäfer 2014: 17). Allerdings waren „Denkweisen wie „Reinrassigkeit“, „Führerprinzip“ und ein Geschichtsbild auf der Basis von „Blut und Boden“ […] auch im konservativen Bürgertum der Weimarer Zeit verbreitet. Aus dieser Schicht stammen „bürgerliche Funktionäre“, […] die keine Nationalsozialisten im engeren Sinn waren, aber doch Funktionen im NS-Regime wahrnahmen“ (ebenda:. 18). Dabei war die Mitgliedschaft in der elitären SS „oft der erste Schritt zur aktiven Teilnahme an NS-Verbrechen bis hin zum Holocaust“ (ebenda). Dies blieb Bernd Rosemeyer wegen seines frühen Todes erspart; vergleichbare Biografien zeigen jedoch, dass seitens der meisten SS-Kameraden Rosemeyers eine Distanzierung vom Nationalsozialismus unterblieb. So auch in der „Kiehn-Connection“, wo Elly Beinhorn und ihr Sohn Bernd Rosemeyer jr. Unterschlupf fanden.

Aber auch die Motor-Stürme der frühen 30er Jahre waren keineswegs nur „eine motorisierte Sporttruppe, deren Mitglieder an Motoren schraubten, vergnügliche Ausfahrten unternahmen, Motorsport betrieben, bei Aufzügen der Partei halfen und sich um die Verkehrssicherheit im Lande kümmerten“ (Hochstetter 2005: 4). Sie waren also nicht „eine Art←43 | 44→ ADAC“ (ebenda), wie manche es der Nachkriegsöffentlichkeit weismachen...

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