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Streitlösungsmodell für die Bauprojektabwicklung

Konfliktmanagement mithilfe bedarfsoptimierter Adjudikation

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Jenny Patzig

Defizite bei der Beilegung von Baustreitigkeiten fordern Auftragnehmer und Auftraggeber auf, über alternative Verfahren der Konfliktbewältigung nachzudenken. Mit Adjudikationsverfahren lösen die Parteien Streitigkeiten außergerichtlich und zeitnah. Durch sachbezogenes Verhandeln und ein partnerschaftliches Miteinander wird zudem eine nachhaltige und kooperative Streitkultur etabliert. Die Autorin stellt die genannten Methoden vor und zeigt deren Anwendung auf. Sie gibt praxisnahe Handlungsempfehlungen für die Erstellung einer bedarfsoptimierten Adjudikationsordnung und die Entwicklung eines Konfliktmanagementsystems. Die an der Vergabe und Abwicklung von Bauprojekten Beteiligten erhalten ein Modell für eine einvernehmliche Lösung von Streitigkeiten mithilfe verschiedener Methoden.

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C. Anwendung außergerichtlicher Streitbeilegung

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Im Folgenden wird aufgezeigt, welche internationalen Lösungsansätze der außergerichtlichen Streitbeilegung bestehen und wie sich deren Entwicklung im Ausland auf Deutschland ausgewirkt hat.

I. Internationale Etablierung der Adjudikation

1. Adjudikation in Standardverträgen

Die vom Joint Contract Tribunal (JCT) und Institute of Civil Engineers (ICE: New Engineering Contracts, NEC) herausgegebenen Vertragsmuster für das Bauwesen enthalten bereits seit etwa 30 Jahren unterschiedliche Varianten einer Adjudikation zur Streitbeilegung.78 Beide Institutionen aus dem Vereinigten Königreich sehen vor, dass bei jedem Vertrag ein unabhängiger Dritter, der sogenannte „Engineer“ oder „Project Manager“ eingesetzt wird, der als Streitschlichter zwischen den Parteien agiert. Deshalb war es unter diesen Verträgen schon immer notwendig, Konflikte bereits während der Ausführung zu strukturieren und für eine Konfliktlösung vorzubereiten. Der neutrale Dritte hat auf dieser Grundlage seine Entscheidungen getroffen. Die englische Baukultur ist also an den damit verbundenen Schriftverkehr, die strengen Fristenkontrollen und die umfangreichen Anzeige- und Dokumentationspflichten gewöhnt.79 „Schon alleine dieses System kann die Wirkung haben, dass nur wenige (Schieds-) Gerichtsverfahren aus Bauprojekten entstehen.“80 ← 35 | 36 →

2. Dispute Boards in den Vereinigten Staaten von Amerika

In den USA wurden schon in den 1960er und 1970er Jahren, wegen der langen Dauern der Gerichtsverfahren und der damit verbundenen hohen Kosten, alternative Streitbeilegungsverfahren eingeführt.81 Die sogenannten DRB (dispute review/resolution boards) zeichnen sich dadurch aus, dass diese projektbegleitend tätig sind und sich ständig über das Geschehen informieren. Deshalb...

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