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Muße – Faulheit – Nichtstun

Fehlende und fehlschlagende Handlungen in der russischen und europäischen Literatur seit der Aufklärung

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Edited By Sonja Koroliov and Andrea Zink

Ob Muße oder Faulheit, ob Kontemplation oder provokatives Nichtstun – diese und weitere Formen fehlenden und fehlschlagenden Handelns sind Themen der europäischen und besonders der russischen Literatur seit der Aufklärung. Die Beitragenden behandeln verschiedene Aspekte des Nicht-Tuns und Nichtstuns: von den glücklichen Müßiggängern des 18. Jahrhunderts über Gončarovs Helden Oblomov, der es kaum aus dem Bett und in die Pantoffeln schafft, bis hin zu den Müdigkeitsdiskursen einer desillusionierten Moderne. Dieser Band zeichnet eine Geschichte der Skepsis gegenüber dem Tun, die jenseits der alten wie neuen Arbeitsideologien einen Raum authentischer Humanität und menschlicher Freiheit eröffnet.

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Der rohe Kommunismus oder die Ethik des Müßiggangs (Oleg Aronson)

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Wiener Slawistischer Almanach, Sonderband 91 (2017), 135-150

Oleg Aronson

DER ROHE KOMMUNISMUS ODER DIE ETHIK DES MÜSSIGGANGS

Wenn man sich mit „Müßiggang“, „Faulheit“ oder „Nichtstun“ beschäftigt, muss man den negativen Beigeschmack, der diese Begriffe im Alltag begleitet, ignorieren und zahlreichen anderen Fallstricken aus dem Weg gehen. So sind wir praktisch nicht in der Lage, Faulheit und Müßiggang außerhalb ihrer Beziehung zur Arbeit zu denken. Der Müßiggang ist von der Arbeit nicht nur abhängig, sondern die Arbeit stellt auch die Bedingung für die Wahrnehmung des Müßiggangs dar. Dabei scheinen die Zeiten, in denen der Wert der Arbeit unangefochten war und die Arbeit als Hauptquelle der Errungenschaften des Menschen und seines Reichtums angesehen wurde, längst vorbei zu sein. Bereits Marx zweifelte den Wert der Arbeit in der bürgerlichen Welt an, und heute sehen wir uns mit immer neuen Interpretationen dieses sozialen Phänomens konfrontiert. Trotz alledem bleibt unsere Neigung, den Müßiggang als Unterbrechung der Arbeit und die Faulheit als Unfähigkeit zu arbeiten zu verstehen, unverändert. Gleichzeitig jedoch stehen in der heutigen Welt Müßiggang und Reichtum, Faulheit und Erfolg mitunter in einem ganz anderen Verhältnis zueinander, als es die ökonomischen Traktate der Vergangenheit beschreiben.

Das Verhältnis hat sich verändert, die Rhetorik aber ist geblieben. Die Anzahl der Menschen in der Welt, die keiner Arbeit nachgehen, dabei aber nicht arm sind, steigt fortwährend an (was übrigens Hand...

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