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Muße – Faulheit – Nichtstun

Fehlende und fehlschlagende Handlungen in der russischen und europäischen Literatur seit der Aufklärung

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Edited By Sonja Koroliov and Andrea Zink

Ob Muße oder Faulheit, ob Kontemplation oder provokatives Nichtstun – diese und weitere Formen fehlenden und fehlschlagenden Handelns sind Themen der europäischen und besonders der russischen Literatur seit der Aufklärung. Die Beitragenden behandeln verschiedene Aspekte des Nicht-Tuns und Nichtstuns: von den glücklichen Müßiggängern des 18. Jahrhunderts über Gončarovs Helden Oblomov, der es kaum aus dem Bett und in die Pantoffeln schafft, bis hin zu den Müdigkeitsdiskursen einer desillusionierten Moderne. Dieser Band zeichnet eine Geschichte der Skepsis gegenüber dem Tun, die jenseits der alten wie neuen Arbeitsideologien einen Raum authentischer Humanität und menschlicher Freiheit eröffnet.

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Drobne zdarzenia. Das Nichtstun und die belanglosen Ereignisse in Andrzej Stasiuks Przez rzekę (Agatha Frischmuth)

Literatur

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Wiener Slawistischer Almanach, Sonderband 91 (2017), 189-206

Agatha Frischmuth

DROBNE ZDARZENIA. DAS NICHTSTUN UND DIE BELANGLOSEN EREIGNISSE IN ANDRZEJ STASIUKS PRZEZ RZEKĘ

Andrzej Stasiuks Przez rzekę (Über den Fluß) enthält die Gattungsangabe „zbiór opowiadań“ (Geschichtensammlung). Das impliziert zunächst, diese Geschichten würden kein großes Ganzes bilden, müssten nicht als Gruppe irgendwie zusammengehören. Der Zusammenhang, dem sie scheinbar enthoben sind, besteht dennoch. Dieselben Charaktere finden sich in unterschiedlichen Erzählungen wieder, mutmaßlich verschiedene Erzähler sprechen ähnliche Gedanken aus, berichten gar von gleichartigen Geschehnissen. Außerdem ist die Chronologie der Sammlung quasi biographisch: An ihrem Beginn steht die Kindheit, das Ende bildet der Tod. Die zwölf Geschichten der Sammlung muten schon durch ihre Zahl zyklisch an, und drücken dabei vielleicht aus, dass hier zwar nichts Einzigartiges, aber zumindest etwas Kohärentes, in sich Ganzes, erzählt wird.

Der Zusammenhang offenbart sich jedoch vor allem durch homogene Handlungsmuster, die sich durch das Werk ziehen. Man kann diese mit einem Wort zusammenfassen: Nichtstun. „Spędziliśmy ten dzień, nie ruszając się z miejsc“ (Stasiuk 2009, 111)1 – das ist der handlungsbestimmende Leitsatz dieser Geschichten, das Résumé der darin portraitierten Lebensstile. Jeder erzählte Moment spielt eine neue Variante der Inaktivität durch, gemeinsam ist ihnen nur, wie unengagiert und gleichgültig die Charaktere ihrer Untätigkeit gegenüber stehen.

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