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Homosexualitäten in der Langzeitpflege

Eine Theorie der Anerkennung

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Heiko Gerlach and Markus Schupp

Derzeit werden die Bedürfnisse und Bedarfe sexueller Minderheiten in der Langzeitpflege wenig berücksichtigt. Mit der vorliegenden qualitativen Studie auf der Basis von Interviews mit von professioneller Pflege abhängigen Lesben und Schwulen sowie mit Pflegefachkräften werden erstmals Informationen zur Situation und zu den Wünschen von pflegebedürftigen Lesben und Schwulen gewonnen. Der Studie zufolge verbessern emotionale Aufmerksamkeit, soziale Wertschätzung und rechtliche Gleichstellung das Wohlbefinden und die soziale Integration homosexueller Pflegebedürftiger. Ausbleibende Anerkennung kann dagegen die Identität Homosexueller beschädigen und zu sozialer Isolation führen. Von den Ergebnissen lassen sich neue Standards der Versorgung homosexueller Pflegebedürftiger im Alter ableiten.

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Einleitung

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“We don’t have any those people here.”

(Comfort et al. 2010)

“We don’t have any those people here”, frei übersetzt, wir haben hier keine homosexuellen Menschen. Die Erfahrung dieser Antwort machten Wissenschaftler_innen im Jahr 2010 im Rahmen ihrer Studie zu Problemen der Wohn- und Pflegesituation von nicht-heterosexuellen Menschen im Westen Australiens. Zu einer ähnlichen Erfahrung führte eine Befragung von Pflegeeinrichtungen in Berlin im Jahr 2010. Auch hier äußerten immerhin 74 % der befragten stationären Pflegeeinrichtungen und 50 % der ambulanten Dienste, keine homosexuellen Bewohner_innen zu versorgen oder es nicht zu wissen. Hier wird jedoch der Wortlaut „wir haben dieses Problem nicht“ zitiert (Schröder et al. 2012, S. 18; Schröder und Scheffler 2016). Ähnliche Erfahrungen machten die Forschenden der vorliegenden Arbeit im Kontext ihrer haupt- und ehrenamtlichen Arbeit in der Qualifizierung von Einrichtungen der Altenhilfe, was für sie einer der Motivationsgründe für die Durchführung dieser Forschungsarbeit ist. Mit dem Beginn ihrer Akquise von pflegebedürftigen lesbischen Frauen und schwulen Männern in der ambulanten und stationären Altenpflege wurden ihre diesbezüglichen Erfahrungen erneut bestätigt. In zahlreichen Telefonaten mit Leitungskräften von ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen bekamen sie oftmals freundschaftliche Unterstützungsangebote, geholfen werden konnte ihnen hingegen nicht, da es nach Aussage der Leitungskräfte keine homosexuellen Pflegebedürftigen oder Bewohner_innen gab. Vereinzelt wurde gar davon ausgegangen, dass die Menschen in ihren Einrichtungen alt und krank seien und Homosexualität keine...

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