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denken, schreiben, tun

Politische Handlungsfähigkeit in Theorie, Literatur und Medien

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Edited By Amália Kerekes, Marion Löffler, Georg Spitaler and Sabine Zelger

Die Leitfrage des Bandes bezieht sich auf das interpretatorische Potenzial des Begriffs agency, verstanden als individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit, wie sie in der politischen Theorie zentral ist. Möglichkeit und Effektivität demokratischer Praxis wurde im Zuge politischer Krisendiagnosen westlicher Gesellschaften infrage gestellt, so zum Beispiel in der Debatte um »Postdemokratie«. Vor dem Hintergrund dieser gegenwärtigen Problematik, nehmen die Beiträge des Bandes auch historische Tiefenbohrungen vor und erkunden, wie im Lauf des 20. Jahrhunderts und aktuell politische Denk- und Handlungsräume an den Schnittstellen von Theorie, Literatur und Medien bearbeitet und erschlossen wurden und werden.

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Spukende Zukunft: Zur Theoretisierung von Hauntology, politischer Handlungsfähigkeit und (post-)demokratischen Gefühlen in den Romanen Das lange Echo und Quecksilbertage

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Georg Spitaler

In seinem Essayband Gespenster meines Lebens. Depression, Hauntology und die Verlorene Zukunft diagnostizierte der britische Kulturtheoretiker Mark Fisher die Schwierigkeit, angesichts der traumatischen Gegenwart eines »kapitalistischen Realismus«1 eine emanzipative Vorstellung der Zukunft zu entwickeln. Es herrsche »das weitverbreitete Gefühl, dass der Kapitalismus nicht nur das einzig gültige politische und ökonomische System darstellt, sondern dass es mittlerweile fast unmöglich geworden ist, sich eine kohärente Alternative dazu überhaupt vorzustellen«.2 Fisher fragt nach den »kulturellen, strukturellen und politischen Bedingungen« gegenwärtiger Subjektivität3 und blickt gleichzeitig sympathisierend auf das von ihm identifizierte politische Gefühl der Melancholie als (populär-)kulturelle Stimmung fehlender politischer Handlungsfähigkeit. Wenn der kapitalistische Realismus eine Barriere bildet, »die unser Denken und Handeln einschränkt«,4 so erscheinen Fisher verbreitete Gefühle wie Depression als Beispiel für den Einbruch des Realen im Sinne Lacans, jenem »nicht repräsentierbare[n]‌ X« sowie einer »traumatische[n] Leere«, »die nur in den Brüchen und Inkonsistenzen der offenkundigen Realität entdeckt werden kann«.5 Fisher betrachtet unterschiedliche kulturelle Texte, Literatur, TV-Serien, Film oder Musik. Seine Diagnose geht davon aus, dass aktuelle Pop(ulär)kultur im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten keine kulturellen Brüche mehr hervorbringe und daher an subversivem Potenzial verloren habe. Kunst und Kultur seien nicht ←183 | 184→mehr imstande, »unsere Gegenwart zu fassen und zu artikulieren«.6 So fühle sich keine Zukunft an, »[w]ir sitzen in der Falle des 20. Jahrhunderts«.7 In dieser...

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