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Sprachkontakt - Sprachmischung - Sprachwahl - Sprachwechsel

Eine sprachsoziologische Untersuchung der weißrussisch-russisch gemischten Rede „Trasjanka“ in Weißrussland

Gerd Hentschel, Bernhard Kittel, Diana Lindner, Mark Brüggemann and Jan Patrick Zeller

Die Studie untersucht den Zusammenhang von Sprachverwendung, sozialer Positionierung und kollektiver Identitätsbildung in Weißrussland hinsichtlich des Weißrussischen, Russischen und der weißrussisch-russisch gemischten Rede (Trasjanka). Die soziodemographische und ökonomische Struktur der drei »Kodes« wird mittels Umfrage und Interviews bei drei Generationen erfasst. Die Konstellation ist grundlegend diglossisch: Russisch herrscht im öffentlichen Raum, die Trasjanka viel stärker als bisher angenommen im privaten Bereich (besonders bei der älteren Generation). Weißrussisch ist völlig marginalisiert. Für die spezifisch weißrussisch-kollektive Identität, die durchaus festzustellen ist, spielt keiner der Kodes eine nennenswerte Rolle, bestenfalls das Weißrussische auf symbolisch-musealer Ebene.

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5 Die weißrussisch-russisch gemischte Rede

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Aufbauend auf die Darstellung der historischen Entwicklung Weißrusslands und der weißrussischen Sprachenpolitik beschreiben wir nun die Entwicklung der gemischten Rede, um deren Stellenwert in der Gesellschaft verständlich zu machen und erste Hinweise zu spezifischen Wertzuschreibungen und damit zu ihrer Funktion für die Sprecher in Weißrussland zusammenzutragen. Mit dieser Darstellung im ersten Abschnitt dieses Kapitels schließt die Bestandsaufnahme ab und wir wenden uns im zweiten Abschnitt der Entwicklung der Hypothesen zu, die der empirischen Untersuchung zu Grunde liegen, die Gegenstand der nachfolgenden Kapitel ist.

Phänomene der Sprachmischung bzw. der Interferenz einer der slavischen Sprachen auf eine oder mehrere andere sind in der Geschichte der slavischen Sprachen bestens bekannt. Auch in altruthenischen (altweißrussischen) Texten des 16. Jhs. sind solche Phänomene der Mischung zwischen dem Altruthenischen, dem Polnischen und Kirchenslavischen erkennbar (Cychun 1998). Forscher wie Mečkovskaja (Mečkovskaja 2014) datieren die Anfänge der „Trasjanka“ (also der weißrussisch-russisch gemischten Rede, WRGR) auf das Ende des 18. Jhs. (wenn nicht früher). Dies ist die Zeit, als Weißrussland gänzlich in das russische Zarenreich eingegliedert wurde. Sicher stellte sich für die Weißrussen unter der Zarenherrschaft vielfach die Notwendigkeit ein, mit den Vertretern der russischen Obrigkeit oder der Geschäftswelt direkt zu kommunizieren. Dass man sich dabei bemühte, den Russischsprachigen entgegenzukommen, und zu diesem Zweck eine Rede verwendete, die sich an das verwandte Russische annäherte, ist angesichts der sozial asymmetrischen Konstellation zwischen Untertan einerseits und Obrigkeit oder...

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