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Zwischen Wunsch und Wirklichkeit einer egalitären Gesellschaft

Die kritische Rekonstruktion der anti-porn-Debatte im Horizont einer anerkennungstheoretisch profilierten Diskurstheorie

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Anne Weber

Wie gefährdet demokratische Prozesse sind, wurde im Blick auf die soziopolitischen Entwicklungen der letzten Jahre deutlich. Die Autorin nimmt diese Diagnose ernst und erinnert im Horizont Kritischer Theorie an die Ermöglichungsbedingungen egalitärer Vergesellschaftung. Die problemsensible Rekonstruktion dieser Bedingungen verbindet sich dabei mit der Analyse quantitativ und qualitativ auffälliger Phänomene in der Lebenswelt. Unter feministischen Vorzeichen legt die Autorin den Fokus auf Präsenz und Konsum von Mainstream-Pornographie und die Frage nach der Realität von Geschlechteregalität. In diesem Zusammenhang untersucht sie die potentielle Interdependenz von pornographischen Narrativen, der Habitualisierung anerkennungsvergessener Einstellungen und der Verödung kommunikativer Praxis.

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7.0 Die Grundlagen der Anerkennungstheorie bei Axel Honneth

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Mit dem letzten Kapitel ist deutlich geworden, dass die Herausforderung darin besteht zu zeigen, dass trotz der Akzentverschiebung die kommunikativen gegenüber instrumentellen bzw. strategischen Handlungskoordinationen vorrangig bleiben. Nur wenn sich auch jenseits kommunikationstheoretischer Vorzeichen Hinweise finden lassen, die es ermöglichen die Realisierungsbasis diskursiver Vergesellschaftung zu stabilisieren, kann sich diskursive Praxis langfristig gegen Dezisionismusvorwürfe behaupten. Die Suche den lebensweltlichen Kontexten bzw. Phänomenen, die sich negativ auf die Ermöglichungsbedingungen verständigungsorientierten Handelns auswirken, beginnt als schon prä-diskursiv und jenseits kommunikationstheoretischer Vorzeichen. Auf diagnostischer und therapeutischer Ebene geht es zugleich um nichts anderes, als den (mit der theoriearchitektonischen Veränderungen entstehenden) Verlust von Anhaltspunkten für eine potentiell pathologisch verzerrte Vergesellschaftung auszugleichen. Damit ist die Aufgabe verbunden das harm-Potential instrumenteller bzw. strategischer Einstellungen zu erklären und auf diese Weise auch in der lebensweltlichen Koexistenz von kommunikativen und nicht-kommunikativen Handlungskoordinativa verlässlich bestimmen zu können, ab wann der instrumentelle Bezug auf die Welt sich zu einer pathologischen Einstellung auswächst, die eine intersubjektive Verständigung und diskursive Vergesellschaftung langfristig zersetzt.

Im Rahmen einer anerkennungstheoretischen Rekonstruktion der moralischen Infrastruktur zwischenmenschlicher Beziehungen lässt sich der formale Anerkennungs- und Gerechtigkeitsbegriff der Diskurstheorie937 in Honneths Augen nicht nur durch einen materialen Gerechtigkeitsbegriff ergänzen. Zudem lässt sich in ihrem Horizont deutlich machen, welche Relevanz die Empathiefähigkeit für die Ausbildung selbstkritischer, dialogfähiger und selbstbewusster Individuen hat.938 Schließlich helfen die daran anschließenden Analysen Honneths ← 409 | 410 → zum Verdinglichungsbegriff m.E. die Gef...

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