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Repräsentationsweisen des Anthropozän in Literatur und Medien

Representations of the Anthropocene in Literature and Media

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Edited By Gabriele Dürbeck and Jonas Nesselhauf

Das Anthropozän mit der Idee der systemischen Zusammenhänge von Mensch, Technologie und Umwelt ist durch Komplexität und disproportionale Skalierungseffekte von planetarischem und tiefenzeitlichem Ausmaß gekennzeichnet. Der Band geht der Frage nach, mit welchen Rhetoriken und Strategien Literatur und Kunst die Komplexität des Anthropozän auf menschliches Maß beziehen. Vor dem Hintergrund der Environmental Humanities untersuchen die 11 Beiträge das interdependente Beziehungsgeflecht von Mensch und agentieller ‹Natur› wie auch die Interaktion von unterschiedlichen zeitlichen, räumlichen und thematischen Skalen in Komposition, Figurendarstellung und Metaphorik (Raumschiff, Gaia, Weltgärtner) mit Bezug auf lokale Umweltprobleme und globale Zukunftsfragen. Mediale Austragsorte sind Erzählung, Epos, Climate und Science Fiction, Heimatroman, Ecodiegesis, Umweltlyrik, Hörspiel, Fotographie, Film und bildende Kunst.

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Weltsicht und „Earthrise“ – Hans Magnus Enzensbergers „gewimmer und firmament“ (1960) und Gary Snyders „Little Songs for Gaia“ (1983)

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Jonas Nesselhauf

Abstract: The article reconstructs how the so-called ‘earthrise’ photography established a new environmental awareness and—using Buckminster Fuller’s concept of ‘spaceship Earth’ as well as Lovelock and Margulis’ ‘Gaia hypothesis’—rereads Hans Magnus Enzensberger’s poem “gewimmer und firmament” (1960) and Gary Snyder’s lyrical cycle “Little Songs for Gaia” (1983).

In den Weltraum zu fliegen ist eine jahrtausendealte Faszination der Menschheit – die Erdanziehung zu verlassen, in den unendlichen Kosmos vorzudringen, die Faszination der Schwerelosigkeit zu erleben und in der dunklen Ungewissheit des Alls in Richtung Mond abzuheben. Seit den späten 1950er Jahren ist dies technisch möglich, seitdem sich die russische und die US-amerikanische Weltraumagentur gegenseitig antreiben, den ‚Wettlauf ins All‘ eröffnen und quasi den ‚Kalten Krieg‘ stellvertretend außerhalb der Erdkugel fortsetzen. Zwar kommt es in diesen Jahren auch durchaus zu ‚Abenteuern‘ im Weltraum, und nicht zuletzt betreten im Sommer 1969 erstmals Menschen den Erdtrabanten, doch eine der größten Entdeckungen dieses Jahrzehnts war wohl ausgerechnet der Blick auf die Erde.

Symbolisch dafür steht die Fotografie „Earthrise“, aufgenommen vom Apollo 8-Astronauten William Anders im Dezember 1968: Das Bild, das von der Perspektive des Mondes aus eine zu gut zwei Dritteln von der Sonne angestrahlte Erde zeigt, sollte den Beginn einer neuen Perspektive markieren.1 Deren Aufgang hinter dem Mond wird als ein besonderes und eindrückliches Erlebnis beschrieben, etwa vom Apollo 14-Astronauten Edgar Mitchell:

Suddenly from behind the rim of the moon, in long, slow-motion moments of immense...

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