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Die Weiblichkeitsbilder in der deutschsprachigen Erzählliteratur von Autorinnen iranischer Herkunft

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Somaiyeh Mohammadi

Diese Arbeit thematisiert zeitgenössische Romane von Autorinnen iranischer Herkunft, darunter Shirin Kumm, Fahimeh Farsaie und Sudabeh Mohafez. Mit Blick auf die Geschichte der iranischen Frauenbewegung und der darin erzählerisch vermittelten Weiblichkeitsbilder fragt sie, inwieweit in diesen Romanen die Darstellung des Iran und der muslimischen Frau westliche Stereotype bedient und inwieweit dies Produkt bewusster Entscheidung und ästhetischer Gestaltung ist. Schritt für Schritt vollzieht die Arbeit kritisch nach, dass und mit welchen literarischen Mitteln die heterogenen Werke dieser Autorinnen politische Maßstäbe des Gastlands antizipieren und so letztlich als literarische Fiktion der öffentlichen Beglaubigung politischer Vor-Urteile dient.

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1 Einleitung

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Aktuell wird in Deutschland intensiv über den Islam gestritten – die Verschleierung muslimischer Frauen spielt dabei eine äußerst prominente Rolle. Der Stoff der Bekleidung – sei es Kopftuch, Burka, Chimar, Tschador, Nikab oder Burkini – ist Stoff politischer Sorgen und Kontroversen. Er wird zum einen als „Leichentuch für Frauen“ und als schlagender Beweis ihrer Unterdrückung und Bevormundung gesehen und zum anderen als „Wesensmerkmal des Islams“ und als eindeutiges Zeichen für das entsprechende „politische[] System“ verstanden.1 An ihm zeige sich die grundlegende Differenz zu den Werten der Aufklärung und der Demokratie und daraus wird abgeleitet, dass der Islam und Europa unvereinbar seien. In den westlichen Medien ist die von einem schwarzen Tschador verhüllte Frau zu einem der wichtigsten Bildtopoi geworden, mit denen politische Kontroversen mit dem Nahen Osten illustriert werden. Diese Auffassung schlägt sich auch in der Bevölkerung statistisch eindeutig nieder. Laut einer von der Bild-Zeitung 2016 im Auftrag gegebenen Umfrage meinen ca. 60 Prozent der Deutschen, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre.2 Eine Studie der Bertelsmannstiftung erbrachte schon 2015 nahezu gleiche Ergebnisse. 57 Prozent der nicht-muslimischen deutschen Bürger meinten, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre.3 Mit diesen Zahlen korreliert die Auffassung über die Verschleierung von Musliminnen: Inzwischen fordert die Hälfte aller Deutschen ein Verbot der Vollverschleierung und jeder Dritte wenigstens Beschränkungen.4 Laut einer weiteren Studie hat nur einer von zehn Interviewten in der Freizeit Kontakt zu Muslimen.5

Wie homogen ist eine Glaubensgemeinschaft von 1,6 Milliarden...

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