Show Less
Open access

Dimensions of Linguistic Space: Variation – Multilingualism – Conceptualisations Dimensionen des sprachlichen Raums: Variation – Mehrsprachigkeit – Konzeptualisierung

Series:

Edited By Lars Bülow, Ann Kathrin Fischer and Kristina Herbert

This volume focuses on the use and structure of the German language in Austria. In addition, the aim of the book is to compare the linguistic conditions in Austria with those in other German speaking countries. The 20 articles present current findings from the research fields of variation, contact and perception.

Der Band widmet sich schwerpunktmäßig der Verwendung und Struktur der deutschen Sprache in Österreich. Ziel des Sammelbandes ist es außerdem, die sprachlichen Verhältnisse in Österreich mit denjenigen in anderen deutschsprachigen Ländern zu vergleichen. In 20 Beiträgen werden daher aktuelle Forschungsergebnisse aus den Forschungsbereichen Variation, Kontakt und Perzeption vorgestellt.

Show Summary Details
Open access

Zur Dialektwahrnehmung im Passauer Grenzraum (Ann Kathrin Fischer)

Ann Kathrin Fischer

Zur Dialektwahrnehmung im Passauer Grenzraum1

Ergebnisse einer perzeptionslinguistischen Pilotstudie

Abstract: Perceptual dialectology, its object of research and methodology, form the basis of the present empirical study which was carried out with a written questionnaire. The informants (n = 73) are non-linguist Bavarian dialect speakers from the area of Passau. The study includes analyses of the data and comparisons concerning the different age and gender groups. The results of the pilot study show that the participants use their dialect in most settings of their everyday life, regardless of age or gender. Though younger participants state that they use the standard variety a bit more often or in more situations than older participants, both age groups equally claim to be able to speak a very strong form of their dialect. Perceptions of the dialect spoken across the border in (upper) Austria are very similar as well.

1 Das Forschungsdesiderat

Ausgangspunkt des Forschungsvorhabens stellt die geringe Dichte an perzeptionslinguistischen Untersuchungen zu Laienkonzeptualisierungen im deutschsprachigen Raum dar. Zur attitudinal-perzeptiven Wahrnehmung von Sprechlagen an der deutsch-österreichischen Staatsgrenze haben bisher nur Fischer (2016) und Kleene (2017) geforscht. Beide Arbeiten nehmen dabei den Passauer Grenzraum näher in den Blick, sind aber bisher unpubliziert. Im Folgenden werden daher einschlägige Ergebnisse aus Fischer (2016) der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Perzeptionslinguistische Studien zum Deutschen finden ihren Anfang in den 1980er Jahren (vgl. u. a. Besch 1983; Diercks 1988) und seit den 1990er Jahren werden die Bemühungen um wahrnehmungsdialektologische Untersuchungen im deutschsprachigen Raum deutlich verstärkt. Hervorzuheben ist hier sicherlich der Band „Der deutsche Sprachraum aus der Sicht linguistischer Laien – wahrnehmungsdialektologische Grundlagenforschung und die Rekonstruktion←451 | 452→ von Laienkonzeptualisierungen zur deutschen Sprache“, der das Ergebnis eines gleichnamigen DFG-Projekts an der Universität Kiel darstellt. Trotz intensiverer Bemühungen um die subjektive Perspektive linguistischer Laien ist die Wahrnehmungsdialektologie bezogen auf den deutschen Sprachraum, und im Besonderen die Wahrnehmung des bairischen Dialekts an der deutsch-österreichischen Grenze, noch nahezu eine terra incognita. Das diesem Beitrag zu Grunde liegende Projekt „Dialektwahrnehmung von linguistischen Laien im Raum Passau“ (Fischer 2016) strebt an, zur Schließung dieser Forschungslücke beizutragen. Im Folgenden werden die zentralen Hypothesen, Methoden sowie die wichtigsten Ergebnisse dieses Projekts vorgestellt. Untersuchungsgegenstand sind also Spracheinstellungen und Sprachwahrnehmungen linguistischer Laien im Raum Passau. Für die empirische Untersuchung, d. h. zum Zwecke der Datenerhebung, wurde als Instrument der Fragebogen gewählt. Der Beitrag ist wie folgt aufgebaut: Zuerst werden der Forschungsgegenstand (Abschnitt 2) sowie die konkreten Forschungsfragen näher dargestellt, davon in einem zweiten Schritt die Hypothesen abgeleitet (Abschnitt 3) und schließlich wird die gewählte Methodik erläutert (Abschnitt 4). Anschließend werden die zentralen Ergebnisse präsentiert (Abschnitt 5), woran sich eine Diskussion anschließt (Abschnitt 6), bevor ein Fazit den Text beschließt (Abschnitt 7).

2 Forschungsgegenstand und Forschungsziele

Der linguistische Laie steht im Mittelpunkt der vorliegenden Perzeptionsstudie. Dabei ist von besonderem Interesse, über welche Konzepte, Bezeichnungssysteme, beziehungsweise über welches Sprachwissen und welche Spracheinstellungen der linguistische Laie gegenüber ExpertInnen verfügt. Der Nichtspezialist verwendet in der Alltagssprache in der Regel keine Metasprache oder Objektsprache. Vielmehr kann von einer Subjektsprache ausgegangen werden, was bedeutet, dass Bewertungen anhand einer Orientierung am Subjekt, weniger an der Varietät als solcher erfolgen.

Probanden vermengen in ihren stereotypen Beschreibungen häufig die Bewertungen von Sprache mit den Bewertungen der Sprecher und deren sozialräumliche Umgebung. Volkskundliche, geographische oder gar klimatische Fakten werden genannt, um etwa die sprachliche Substanz eines Dialektes zu beschreiben und zu bewerten. (Jakob 2010: 53)

Varietäten und Sprecher werden also nicht getrennt voneinander wahrgenommen und bewertet, sondern bilden in der Wahrnehmung der Laien eine Einheit. Diese Besonderheit ist in der Analyse von Einstellungs- und Wahrnehmungsdaten immer zu berücksichtigen. So können Einstellungen zu Personen die Beurteilung←452 | 453→ einer Sprachvarietät beeinflussen und es kommt in der Folge zur Konfundierung von Urteilen über Sprache und Sprecher. Diese Problematik begründet auch die Komplexität des Untersuchungsbereiches, insofern „[…] die Spracheinstellungsforschung versucht, Einstellungen und Meinungen der Sprachbenutzer zu sprachlichen Fragen zu ermitteln und deren kulturelle und soziale Bedingtheit aufzudecken“ (Plewnia/Rothe 2011: 179). Diese außersprachlichen Einflussfaktoren, ob beispielsweise kultureller, sozialer oder geographischer Art, sind jedoch komplex. Um trotzdem Zugriff darauf zu erhalten, müssen gezielt Fragen gestellt werden. In der empirischen Auseinandersetzung geschieht dies zum Beispiel mithilfe eines Fragebogens, in dem soziodemographische Angaben (wie Alter, Geschlecht, Bildungshintergrund, Herkunft etc.) indirekt auf die soziale oder kulturelle Verortung der befragten Person schließen lassen. Bei der Auswertung der Angaben muss aber bedacht werden, dass sich bei allen Befragungen „die soziale Erwünschtheit in schwer bestimmbarer Weise auf das Antwortverhalten der Befragten aus[wirkt]. Vor allem aber sind Einstellungen subjektiv, sie sind komplex, und sie sind unterschiedlich reflektiert“ (Plewnia/Rothe 2011: 182).

Gleichzeitig spielt neben dem Subjekt auch das Untersuchungsobjekt eine wesentliche Rolle für die Einstellung, die diesem entgegengebracht wird. Im Fokus stehen Einstellungen gegenüber Sprache beziehungsweise SprecherIn und Sprachsystem. Neuland (vgl. 1993: 730) zufolge fungiert Sprache als biologisches, soziales oder persönlichkeitsspezifisches Signal, das auf bestimmte außersprachliche Eigenschaften eines Sprechers oder einer Sprecherin verweist als sogenanntes Identifikationsmerkmal. Zwischen Sprache und SprecherIn werden einerseits psychische Korrelationen (z. B. Selbstsicherheit oder Sympathie beziehungsweise Antipathie gegenüber SprecherInnen) und andererseits soziale Korrelationen (wie Bildungsgrad oder Berufsstand des Sprechers) hergestellt, was mehr oder weniger unbewusst vonstattengeht (vgl. Neuland 1993: 730). Baker (vgl. 1992: 41–45) hält außerdem als Determinanten von Sprachattitüden (language attitudes) folgende Faktoren fest: Alter, Geschlecht, Schulbildung, Talent (ability), sprachliches Umfeld und kulturelles Umfeld. Des Weiteren sind Spracheinstellungen und Einstellungen gegenüber einzelnen Varietäten an Kontextvariablen geknüpft, wie Wissen und Stereotype gegenüber persönlichen und professionellen Eigenschaften von Menschen, von denen die jeweilige Varietät verwendet wird, und geographische, kulturelle und ökonomische Aspekte der Region, in der die Varietät gesprochen wird (vgl. van Bezooijen 2002: 14 f.). Verhält sich die Einstellung zu den Kontextvariablen positiv, so ist die Einstellung gegenüber der Sprache oder Varietät ebenfalls positiv und vice versa.←453 | 454→

Aus dem bisher Ausgeführten wird bereits ersichtlich, dass es sich bei Spracheinstellungen um ein komplexes Feld handelt, das multifaktoriell bedingt ist. Sowohl interpersonelle als auch externe Faktoren spielen dabei eine Rolle. Diese Umstände stellen gleichzeitig die größte Herausforderung einer empirischen Untersuchung dar und sollen im folgenden Teil des Beitrags näher thematisiert werden.

3 Forschungsfragen und Hypothesen

Eichinger (2009: 4) weist darauf hin, dass nicht nur die Sprech- oder Schreibweise und der Äußerungsinhalt für den Gebrauch und die Entwicklung von Sprache wichtig sind, „sondern auch, was die Sprecherinnen und Sprecher von ihrer eigenen Sprache und ihrem Gebrauch halten, welchen Wert sie ihr zumessen, welche Gefühle sie ihr gegenüber haben“. Ausgangspunkt für die empirische Untersuchung sind daher folgende Fragestellungen: Wie nehmen linguistische Laien im Raum Passau ihr Sprachverhalten wahr? Wann, also in welchen Situationen, geben sie an, Dialekt oder Standarddeutsch zu sprechen? Welche Einstellungen haben sie gegenüber ihrem eigenen/dem angrenzenden österreichischen Dialekt? Gibt es Unterschiede in der Wahrnehmung hinsichtlich Alter und/oder Geschlecht der Gewährspersonen?

Ziel der Erhebung ist dabei, die Einstellungen, Wahrnehmungen und Stereotype der Passauer DialektsprecherInnen zum eigenen Dialekt sowie zur Kompetenz, Häufigkeit und Ausgeprägtheit des eigenen Dialektsprechens zu ermitteln. Ein weiterer Fokus liegt neben der Wahrnehmung des mittelbairischen Dialekts, wie er in Passau gesprochen wird, darauf, Unterschiede im Bewusstsein der ProbandInnen bezüglich des Dialekts im angrenzenden Österreich ausfindig zu machen. Auch potentielle Unterschiede in der genderspezifischen Wahrnehmung sind von Interesse. Mattheier (vgl. 1980: 26–35) gibt zu bedenken, dass das Geschlecht keine unwesentliche Rolle für die Thematik spielt und geht auf den des Öfteren in der modernen Dialektsoziologie thematisierten Geschlechterunterschied im Sprachgebrauch von Frauen und Männern näher ein. Es stehen sich dabei zwei unterschiedliche Auffassungen gegenüber:

Einerseits ist die Frauensprache konservativ und am Altüberlieferten orientiert, die Männersprache dagegen mehr dem Neuen geöffnet, andererseits ist die Frau stark standardorientiert und sehr viel leichter als der Mann bereit, die modischere, prestigereichere und hochsprachlichere Ausdrucksweise anstatt der angestammten dialektalen zu verwenden. (Mattheier 1980: 26)←454 | 455→

Mattheier (vgl. 1980: 35) beschreibt weiter, dass Frauen durchschnittlich weniger Dialekt kennen würden und sprechen. Gerade in der Schulzeit sollen Mädchen sehr häufig mehr zu standardnahem Sprechen tendieren als Jungen. Die Regionen unterscheiden sich Mattheier zufolge außerdem ganz erheblich in dem Grad der Verbreitung von Dialektkenntnissen unter Frauen und Männern (vgl. Mattheier 1980: 27–28). Für den Raum Bayern gilt in puncto Dialektkenntnis und Dialektgebrauch: Frauen 70.4 % und Männer 71.8 % (eine Differenz von 1.4 %) (vgl. Mattheier 1980: 27).

Auch Ammon (vgl. 1973: 22) beschreibt Unterschiede zwischen Geschlechtern bei der Verwendung von Dialekt beziehungsweise Standardsprache. Er sieht sie in den geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen, also in der klassischen Rollenverteilung, begründet. Fest steht, dass unterschiedliche Sprechweisen im privaten oder im beruflichen Umfeld anzutreffen sind. Ausgehend davon, dass Männer häufiger in ihrem Beruf und Frauen dafür häufiger als Hausfrauen tätig sind, stellt Ammon (vgl. 1973: 23) die Hypothese auf, dass Männer mehr Standardsprache sprächen als Frauen. Es ist dabei jedoch zu bedenken, dass es klarerweise berufsspezifische Unterschiede gibt (z. B. zwischen manuell arbeitenden und nicht-manuell arbeitenden Berufsklassen).

Ebenso ist das Lebensalter als distinktiver Faktor im Sprach- beziehungsweise Dialektgebrauch nicht außer Acht zu lassen (vgl. Mattheier 1980: 31). Die Schulzeit ist beispielsweise ein Lebensabschnitt, in welchem in der Regel die Anpassung an die Standardsprache fokussiert wird. Der Austritt aus der Berufstätigkeit stellt dagegen einen Abschnitt dar, in dem eine (abermalige) Orientierung am Dialekt erfolgt und damit auch schrittweise die Fertigkeit in der Standardsprache abgebaut wird (vgl. Ammon 1973: 27).

Aus diesen Vorannahmen ergeben sich folgende forschungsleitende Hypothesen:

1. Eigenen Angaben zufolge orientieren sich junge Menschen mehr an der Standardsprache oder bemühen sich mehr um einen Gebrauchsstandard2.

2. Eigenen Angaben zufolge sprechen ältere Gewährspersonen mehr beziehungsweise öfter und tieferen Dialekt (also Basisdialekt) als jüngere.

3. Frauen geben häufiger an, Dialekt zu sprechen als Männer.←455 | 456→

4. Junge Menschen sehen weniger Unterschiede zwischen ihrem eigenen Dialekt und dem, wie er auf der oberösterreichischen Seite gesprochen wird, als ältere Menschen.

4 Forschungsdesign

Untersuchungsraum ist das deutsch-österreichische Grenzgebiet, im Speziellen die Stadt und der Landkreis Passau. Die Universitätsstadt Passau ist die zweitgrößte Stadt des Regierungsbezirks Niederbayern und gehört dialektologisch gesehen zum mittelbairischen Dialektraum. Da Dialektraumzuteilungen unabhängig von Landes- beziehungsweise Staatsgrenzen erfolgen, gehören nicht nur das niederbayrische Passau und andere Orte in Ober- und Niederbayern zum Dialektraum des Mittelbairischen, sondern auch Orte in der Region Oberösterreich.

Voraussetzung für die Aufnahme in die Untersuchungsgruppe ist entweder die Primärsozialisation der Gewährsperson, also die Geburt und das Aufwachsen in der Stadt beziehungsweise im Landkreis Passau, oder die deutsche Staatsbürgerschaft in Verbindung mit der Mindestanwesenheit von siebzehn Jahren in Passau. Dieser Zeitraum der Anwesenheit misst sich am Lebensalter der jüngsten Gewährspersonen und dient deshalb als Richtzahl. Die Auswahl ist insofern gerechtfertigt, als es in der Untersuchung nicht um die Ermittlung und Beschreibung des ältesten erfassbaren Passauer Bairisch geht, sondern um Einstellungen zum gesprochenen bairischen Dialekt im Grenzraum Passau und dessen Übergangsformen zum Standarddeutschen.

Insgesamt wurden 73 Personen befragt. Diese lassen sich in folgende Kategorien einteilen:

Tabelle 1: Probandensample nach Alter und Geschlecht

image

Wie oben erwähnt, zielt die Untersuchung mittels eines Fragebogens auf die Ermittlung von Spracheinstellungen und Sprachwahrnehmungen von linguistischen Laien sowie auf soziodemographische Angaben, wie Alter, Geschlecht, Bildungshintergrund und Beruf. Der Fragebogen beinhaltet eine Mischung aus offenen und geschlossenen Fragestellungen zur deutschen Sprache im Allgemeinen,←456 | 457→ deren Varietäten und die dazugehörige Sprachwahrnehmung sowie zum Dialektgebrauch und zur Dialektkompetenz.3

5 Ergebnisse

Zur Vorgehensweise bei der Datenauswertung ist festzuhalten, dass die Übersetzungsfragen, die zum Abprüfen der Dialektkompetenz dienen, händisch ausgewertet wurden, zur Auswertung der restlichen Fragen diente das Statistikprogramm SPSS (Version 22.0). Bei der statistischen Auswertung wurden mittels deskriptiver Verfahren Häufigkeiten sowie Korrelationen zwischen Variablen unter Verwendung von Kreuztabellen berechnet. Die Auswertungen der Fragen zur Dialektperzeption werden im Folgenden zusammengefasst dargestellt.4

5.1 Dialektkompetenz

Zur Ermittlung der Dialektkompetenz der Gewährspersonen im mittelbairischen Dialektbereich wurden Beispielsätze konstruiert, die einige von Zehetner (1989) beschriebenen Kennzeichen und Kennformen des Bairischen beinhalten. Aus den Auswertungen der Übersetzungen wird ersichtlich, dass die Gewährspersonen in der Lage sind, schriftlich dialektale Äußerungen zu erzeugen, vorgegebene dialektale Äußerungen zu verstehen und korrekt in die Standardsprache umzuformulieren. Bei den Übersetzungen der bairischen Sätze in die deutsche Standardvarietät gibt es lediglich auf der lexikalischen Ebene Auffälligkeiten, nämlich bei den Kennwörtern DULTs (= Jahrmarkt) und SCHERs (= Maulwurf). Das Lexem Dult wird von circa 71 % der Probanden unverändert in die Standardversion übertragen,5 22 % übersetzen es mit Volksfest und 5,5 % mit Kirmes. Eine Person lässt in der Übersetzung für Dult eine Leerstelle. Das Lexem Scher übersetzt die überwiegende Mehrheit der Gewährspersonen6 (nämlich knapp 88 %) mit Maulwurf, nur wenige (6 GP) lassen das Wort in der Übersetzung einfach weg, zwei ältere GP übersetzen es mit Wühlmaus und eine junge GP übersetzt es (fälschlicherweise) mit Rechen.←457 | 458→

Auch in den Dialektversionen der Übersetzungen sind die typischen Kennzeichen des Mittelbairischen anzutreffen. Abweichungen finden sich abermals nur auf der lexikalischen Ebene, nämlich beim Lexem Fastnacht/Karneval. Das gewünschte beziehungsweise erwartete Lexem Fasching wird von 85 % der Gewährspersonen realisiert. Acht GP übernehmen Fastnacht unübersetzt, zwei GP geben keine Entsprechung an und eine Person wählt das Lexem Roas (als Abkürzung für die Bezeichnung Weiberroas – Roas = Rennen, für den Weiberabend in der Faschingszeit).

Insgesamt ist zu beobachten, dass die intendierten Phänomene des Mittelbairischen durchgehend in den Übersetzungen schriftlich repräsentiert werden und es sind weder eindeutig wahrnehmbare Kompetenzunterschiede zwischen den Altersgruppen zu erkennen, noch fallen im Vergleich der männlichen mit den weiblichen Gewährspersonen nennenswerte Unterschiede ins Auge. Die Ergebnisse der Übersetzungsfragen lassen also darauf schließen, dass unter allen Probanden und Probandinnen eine hohe Dialektkompetenz vorherrscht.

5.2 Autostereotype

Items zur sprachlichen Selbsteinschätzung in Bezug auf Dialektkompetenz und im Besonderen auf Sprechgewohnheiten, Attitüden und allgemeines Sprachbewusstsein sollen Autostereotype abfragen, um die Hypothesen 1) bis 3) zu überprüfen. Dazu dient als erstes die Frage nach der Häufigkeit des Dialektsprechens.

Frage: Wie häufig sprechen Sie im Allgemeinen Dialekt bzw. Bairisch?

Antwortmöglichkeiten: Immer; oft; manchmal; selten; nie.

Die Auswertung dieser Frage unter Berücksichtigung der altersspezifischen Häufigkeitsversteilung lässt sich in folgender Aufstellung zusammenfassen:

Tabelle 2: Dialektsprechen im Altersvergleich

image

Wie aus der Tabelle ersichtlich wird, gibt es geringe Unterschiede im Altersgruppenvergleich. Sieht man sich außerdem ausschließlich die Gruppe der jungen ProbandInnen an, sind es insgesamt 34 % die immer und 54 % die oft Dialekt sprechen. Von den älteren ProbandInnen geben 47 % an immer und 45 % oft Dia←458 | 459→lekt zu verwenden. Insgesamt sind es 88 % aller jüngeren und 92 % aller älteren GP, die entweder immer oder oft Dialekt sprechen. Das Geschlecht der Befragten hat auf die Angaben zur Häufigkeit des Dialektsprechens keinen signifikanten Einfluss.

Die nächste Frage bezieht sich auf den situativen Dialektgebrauch, in welchen Situationen und mit welchen Gesprächspartnern die ProbandInnen Dialekt verwenden.

Frage: In welchen Situationen verwenden Sie Dialekt? (Mehrere Nennungen möglich)

Antwortmöglichkeiten: Mit Freunden und Familie; In der Schule bzw. Arbeit; Mit Behörden, Arzt, Amt etc; Am Telefon mit unbekannten Gesprächspartnern, die anders sprechen als Sie (anderen Dialekt, Hochdeutsch etc.); Mit Menschen aus einem anderen Dialektkreis; Am Telefon mit bekannten Gesprächspartnern; Mit Menschen aus einem anderen Sprachkreis; Sonstiges (bitte eintragen).

Diese Frage zielt darauf ab herauszufinden, in welchen Situationen die ProbandInnen hauptsächlich auf Dialekt zurückgreifen. Zur Auswahl stehen private wie öffentliche Domänen. Knapp 96 % aller GP geben an, Dialekt mit Freunden und Familie zu sprechen. Im beruflichen Umfeld (Schule oder Arbeit) verwenden knapp 70 % Dialekt. Bei Behörden, beim Arzt, auf dem Amt etc. sprechen nach eigenen Angaben 51 % der ProbandInnen Dialekt. Am Telefon mit unbekannten Gesprächspartnern, die eine andere Varietät als die Probanden selbst sprechen, geben nur 11 % der GP an, Dialekt zu sprechen, ähnlich wie mit Menschen aus einem anderen Dialektkreis (hier sind es 14 %). Circa 45 % verwenden eigenen Aussagen zufolge Dialekt am Telefon mit bekannten Gesprächspartnern, knapp 7 % auch mit Menschen, die aus einem anderen Sprachkreis stammen. Bei den sonstigen Nennungen findet sich außerdem des Öfteren die Angabe, dass mit allen Menschen Dialekt gesprochen wird, die den von den ProbandInnen verwendeten Dialekt verstehen.

Beim Vergleich der Antworten der männlichen Probanden mit denen der weiblichen fallen keine statistisch relevanten Unterschiede ins Auge. Es kann lediglich eine leichte Tendenz zu weniger Dialektgebrauch der männlichen GP ausgemacht werden, außer im Kontakt mit Behörden, mit dem Arzt, dem Amt etc. Bei dieser Antwortmöglichkeit sind es 55 % der Männer gegenüber 48 % der Frauen, die nach eigenen Angaben in dieser Situation Dialekt verwenden.

Bei einem Vergleich der beiden Altersgruppen sind ebenso vermehrt Übereinstimmungen auszumachen und lediglich geringe Abweichungen, die sich darin zeigen, dass die jüngere Probandengruppe eher dazu tendiert, weniger Dialekt zu sprechen.←459 | 460→

Zu erwähnen ist das Antwortverhältnis in der Situation Dialektgebrauch mit Behörden, Arzt, Amt etc. Ein Diagramm soll an dieser Stelle verdeutlichen, dass hier mehr junge Probanden angeben, den Dialekt eher zu vermeiden als zu verwenden. Bei der älteren Gruppe ist es genau spiegelverkehrt.

Abbildung 1: Altersgruppenvergleich beim Thema Dialektgebrauch bei Behörden, Arzt, Amt etc.

image

Eine weitere Frage nimmt die mögliche Ausgeprägtheit des Dialektgebrauchs in den Blick. Es soll ermittelt werden, wie ausgeprägt die GP eigenen Einschätzungen zufolge Dialekt sprechen können.

Frage: Wie stark können Sie Dialekt sprechen?

Antwortmöglichkeiten: Skala von 1 (nur leichter Dialekt) – 7 („tiefer/derber“ Dialekt).

Keine der GP ordnet sich auf der Likert-Skala bei 1 (nur leichter Dialekt) ein. Auch für Skalenpunkt 2 finden sich lediglich 4 % und für 3 sind es 5,5 %. Etwas mehr GP, nämlich knapp 10 %, entscheiden sich für den Skalenpunkt 4, 27 % für den Punkt 5, fast 33 % für 6 und 20,5 % für 7. Ein Kreisdiagramm stellt die prozentuale Verteilung bildlich dar.←460 | 461→

Abbildung 2: Angaben zur Ausgeprägtheit des Dialektsprechens

image

Die Ergebnisse der Berechnungen bezüglich der Geschlechterdifferenz sind folgendem Balkendiagramm zu entnehmen, welches die Antworten der weiblichen und männlichen Probanden gegenüberstellt.

Abbildung 3: Angaben zur Ausgeprägtheit des Dialektsprechens im Gendervergleich

image

←461 | 462→

Die Abbildung macht deutlich, dass unter den Probandinnen die Mehrheit dazu neigt, sich auf der Likert-Skala bei den Punkten 5 (32 %) und 6 (36 %) einzuordnen. Auch am äußersten rechten Ende der Skala, beim Skalenpunkt 7, ordnen sich 18 % der weibliche GP ein. Nur wenige – insgesamt 14 % – entscheiden sich für das andere Ende der Skala (Punkte 2, 3 und 4).

Im Vergleich dazu verteilten sich bei den männlichen Probanden die Antworten relativ gleichmäßig auf der gesamten Spannbreite der Likert-Skala. 17 % der männlichen GP ordnen sich beim Punkt 4 ein, 21 % beim Punkt 5, 28 % beim Punkt 6 und 24 % beim Punkt 7. Die Werte liegen ziemlich nahe beieinander, sodass keine eindeutige Aussage getroffen werden kann. Nur gegen das linke Ende der Skala, bei den Punkten 2 und 3, sind es zusammen lediglich 10 % der männlichen GP, die sich an dieser Stelle einordnen. Dies ist ähnlich wie bei den weiblichen GP.

Geringe Unterschiede zeichnen sich in den Altersgruppen ab, was anhand eines Balkendiagrammes in Gegenüberstellung der jungen und der älteren Altersgruppe dargestellt wird:

Abbildung 4: Angaben zur Ausgeprägtheit des Dialektsprechens im Altersgruppenvergleich

image

In Zahlen beschrieben gilt demnach für die jungen GP, dass die Skalenpunkte 1 und 3 von keiner der jüngeren GP gewählt werden, dafür Punkt 2 von 9 %, Punkt 4 von 6 %, Punkt 5 von 29 %, Punkt 6 von 40 % und Punkt 7 von 17 %.←462 | 463→

Bei den älteren ProbandInnen bleiben die Skalenpunkte 1 und 2 gänzlich ausgespart. Dafür ordnen sich 11 % beim Punkt 3 ein, 13 % bei 4, jeweils 26 % bei 5 und 6 und 24 % beim Punkt 7.

5.3 Heterostereotype

Fragen zu Einstellungen gegenüber der verwendeten Varietät in grenznahen oberösterreichischen Orten (wie Schärding) sollen Hypothese 4 überprüfen.

Dazu dient als erstes die Frage, wie gut den ProbandInnen die Sprechweise der österreichischen Nachbarn gefällt.

Frage: Wie gut gefällt Ihnen im Allgemeinen das Österreichische?

Antwortmöglichkeiten: sehr gut; gut; teils/teils; nicht so gut; überhaupt nicht.

Bei der Frage danach, wie gut den ProbandInnen das „Österreichische“ gefällt, geben 38 % sehr gut an, 32 % entscheiden sich für gut, 23 % geben teils/teils an und knapp 7 % gefällt es nicht so gut.

Im Gendervergleich fallen keine großen Unterschiede auf. Zu erwähnen ist nur, dass unter den Probandinnen etwas weniger (insgesamt 34 %) angeben, dass ihnen das „Österreichische“ sehr gut gefällt, als männliche GP (insgesamt knapp 45 %). Dafür sind es dann 34 % der weiblichen GP, die für gut stimmen, und knapp 28 % der männlichen GP. Die restlichen Einschätzungen liegen wieder sehr nahe beieinander: Von den weiblichen GP stimmen 25 % für teils/teils und 7 % für nicht so gut, gegenüber 21 % und 7 % der männlichen GP.

Im Altersgruppenvergleich fallen die Ergebnisse auch relativ einheitlich aus. Unter den jüngeren Probanden stimmen 31 % für sehr gut, 40 % für gut, 23 % für teils/teils und 6 % für nicht so gut. Bei den älteren GP ist die Gewichtung zwischen sehr gut und gut etwas anders: 45 % geben sehr gut an und 24 % gut. Für teils/teils finden sich 24 % und für nicht so gut noch 8 % der GP.

Als nächstes wird ermittelt, ob die GP einen hörbaren Unterschied zwischen sich selbst und einem Dialektsprecher aus dem angrenzenden österreichischen Gebiet wahrnehmen.

Frage: Wenn Sie einem Dialektsprecher / einer Dialektsprecherin begegnen, der / die aus Oberösterreich kommt, hören Sie einen Unterschied im Vergleich zu Ihrem eigenen Dialekt?

Antwortmöglichkeiten: ja; nein.

Bei der Frage danach, ob die Probanden aus Passau einen Unterschied zu ihrem eigenen Dialekt hören, wenn sie einem Dialektsprecher aus Oberösterreich begegnen, zeigt sich ein sehr deutliches Ergebnis. Die Auswertung zeigt, dass 97 %←463 | 464→ aller ProbandInnen angeben, einen Unterschied zu hören. Wie bei diesem klaren Ergebnis von 97 % zu erwarten ist, zeigen sich keinerlei nennenswerte Gender- sowie Altersunterschiede.

Die ProbandInnen wurden darüber hinaus gefragt, ob sie deutliche Unterschiede zwischen dem Dialekt, wie er in Passau gesprochen wird, gegenüber dem in Oberösterreich wahrnehmen.

Frage: Meinen Sie, dass es deutliche sprachliche Unterschiede zwischen dem Passauer Dialekt und beispielsweise dem Schärdinger (OÖ) Dialekt gibt?

Antwortmöglichkeiten: ja, sehr viele; ja, einige; nein, keine bemerkenswerten.

Lediglich 3 % geben an, dass es keine bemerkenswerten Unterschiede gibt. 67 % dagegen meinen, dass es einige Unterschiede gibt und 30 % sind sogar für sehr viele. In dieser Einschätzung unterscheiden sich weder Männer und Frauen, noch jüngere und ältere Probanden.

Wird danach gefragt, ob den Probanden diese Unterschiede größer erscheinen als die sprachlichen Unterschiede zwischen Norddeutschen und Süddeutschen, ergibt sich ebenso ein sehr deutliches Bild.

Frage: Erscheinen Ihnen diese Unterschiede (zwischen Schärding und Passau) größer als die sprachlichen Unterschiede zwischen Norddeutschen und Süddeutschen?

Antwortmöglichkeiten: ja, größer; nein, nicht größer.

Die GP geben zu knapp 96 % an, dass ihnen die Unterschiede (Passau – Schärding/OÖ) nicht größer vorkommen, als die zwischen Norddeutschen und Süddeutschen. Es gibt dabei keine nennenswerten Unterschiede im Gender- oder Altersgruppenvergleich.

Frage: Gibt es bestimmte Merkmale, an denen Sie jemanden als Dialektsprecher aus Schärding (OÖ) klar erkennen? (Mehrere Nennungen möglich)

Antwortmöglichkeiten: Wörter; Aussprache; (Rede)Wendungen; Grammatik (Satzbau, Wortbildung etc.); Sprechgeschwindigkeit; Satzmelodie; Sonstiges (bitte eintragen).

Fragt man die ProbandInnen danach, ob es bestimmte Merkmale gibt, an denen sie jemanden als Dialektsprecher aus Schärding (OÖ) klar erkennen, geben 60 % an, sie an Wörtern zu erkennen.

Die Aussprache ist für 82 % ein klares Erkennungsmerkmal eines solchen Sprechers, 30 % entscheiden sich für Redewendungen, 5,5 % für die Grammatik, 11 % für die Sprechgeschwindigkeit und 41 % für die Satzmelodie. In den Antworten gibt es keine nennenswerten Alters- oder Geschlechterunterschiede, da die Angaben sehr nahe beieinanderliegen.

Unter Sonstiges geben sechs GP an, überhaupt keine Unterschiede zu erkennen.←464 | 465→

Frage: Fallen Ihnen typische Wörter oder Wendungen in der Sprache von oberösterreichischen Dialektsprechern (aus Schärding / Schardenberg und Umgebung) besonders auf?

Antwortmöglichkeiten: Ja, und zwar zum Beispiel; Nein, es gibt keine Besonderheiten.

56 % der GP geben an, dass ihnen typische Wörter oder Wendungen in der Sprache von oberösterreichischen Dialektsprechern (aus Schärding/Schardenberg und Umgebung) besonders auffallen.

Als Beispiele werden folgende Lexeme, Interjektionen, Phraseologismen oder Phoneme angegeben7:

Lexeme

Paradeiser = Tomate (6x), Tschäneiler = Arbeiter, Batschästerer = Aschoferer / Chef, gach, schnöi, heast (3x), leiwand, wödglass, vügas, Jo, z’haus, Jausn, Kassa (2x), Klaana, leiband, klass, göi (im Sinne von gell), Mäscha (=Mädchen), olso, Haberer, Möhspeis, Obers, Brauner, Baladschinken, Riwisel = Johannisbeeren, uhrleiwand, Waahnsinn, wüüst (wollen), mi (mich), waast

Interjektionen

Beginnen oft mit: Joo, naa…, `oh leck…, ma (am Satzanfang)

Phraseologismen

bist du deppad, bist deppat?, owa herst, owa heast, herst bist deppad, heit gema pfuschn (Schwarzarbeit), do, dama se schwar…, ba uns rennt des a so…, Herst, wuist me pflanzn?, Jo eh, Fesch Gnä Frau.

Phoneme

Das typische `a´, „a“ (2x), „a“ verändert, Aussprache des „a“, dunkleres „a“, Laut „a“ länger gesprochen, Bassau statt Passau, wann statt wenn, schlofn (typisches „n“ am ende wo im bayerischen ein „a“ steht), Öf statt elf Als häufige Verwendung des ‚ö‘ statt ‚e‘

Bei den Lexemen zeigt sich, dass oftmals Begriffe genannt werden, die in den Bereich der Gastronomie – vorwiegend Essen und Trinken betreffend – fallen. Es ist davon auszugehen, dass diese Lexeme durch Besuche im Nachbarland (Urlaub, Ausflug o. Ä.) bekannt sind (vgl. dazu auch Bülow/Kleene in diesem Band).←465 | 466→

Bei den Phonemen ist auffällig, dass der Laut [a] insgesamt sieben Mal angeführt wird, entweder nur als „a“ (zwei Mal) oder genauer beschrieben, inwieweit er verändert klingt. Die Lenisierung des Plosivs [p] zu [b] wie im Beispiel „Bassau statt Passau“ fällt ProbandInnen auf, ebenso wie die Verwendung von [ö] statt [e] wie bei „öf statt elf“. Auch Unterschiede im Auslaut, beispielsweise bei „schlofn“ statt „schloffa“ (also [n] statt [a]), werden als lautlich besonders auffällig angegeben.

In den Ergebnissen wird deutlich, dass die GP sich offensichtlich nicht nur auf Oberösterreich als Quelle für dialektale Beispiele (wie in der Frage vorgegeben) beschränken. So werden Beispiele wie die Lexeme UHRLEIWANDAdj oder LEIWANDAdj/LEIBANDAdj angeführt, die typischerweise eher in und um den Großraum Wien, als in Oberösterreich anzutreffen sind.

6 Diskussion

Die erste und zweite Hypothese besagen, dass sich eigenen Aussagen zufolge junge Menschen mehr an der Standardsprache orientieren oder sich zumindest mehr um einen Gebrauchsstandard im Vergleich zu den älteren GP bemühen, und ältere GP mehr beziehungsweise öfter und tieferen Dialekt sprechen als jüngere. Zur Überprüfung dieser Hypothesen diente zunächst die Frage, wie häufig im Allgemeinen Dialekt beziehungsweise Bairisch gesprochen wird. Dabei geben von den jungen GP 88 % immer oder oft an. Von den älteren ProbandInnen geben 92 % an immer oder oft Dialekt zu verwenden. Die Gewichtung zeigt somit eine Tendenz der jüngeren ProbandInnen zu etwas seltenerem Dialektgebrauch. Diese Tendenz spiegelt sich auch in den Ergebnissen aus der Frage wider, wie gut oder wie wenig dialektal die ProbandInnen Standarddeutsch sprechen können. Die Antworten zeigen, dass sich die jüngeren GP eher im Bereich Hochdeutsch und die älteren im Bereich Dialekt einordnen. Diese Beobachtungen unterstützen Mattheiers (1980) Annahmen, dass das Lebensalter einen distinktiven Faktor in puncto Sprachgebrauch darstellt und junge Menschen eher zur Standardsprache und ältere zu vermehrtem Dialektgebrauch neigen. Während sich also nur gut ein Viertel der jüngeren GP im dialektalen Bereich einordnet, findet sich hier über die Hälfte der älteren ProbandInnen. Knapp drei Viertel der jüngeren GP sprechen sich demnach größere Kompetenz in Richtung Standardsprache zu. Bei der Frage, wie stark Dialekt gesprochen werden kann, ordnen sich die jungen GP im Skalenbereich nur leichter Dialekt von 1–4 zu lediglich circa 14 % ein. Für den Skalenbereich tiefer/derber Dialekt von 5–7 entscheidet sich also die klare Mehrheit der jungen ProbandInnen. Das gleiche Bild zeigt sich auch für die älteren GP. Es sind also in beiden Altersgruppen über 85 % der Teilnehmer, die sich für die←466 | 467→ zweite Skalenhälfte entscheiden. Bei den älteren GP sind es nur etwas mehr, die den absoluten Extrempunkt für tiefen/derben Dialekt wählen.

Zusammenfassend können nach Analyse der vorliegenden Daten die erste und zweite Hypothese als teilweise bestätigt betrachtet werden. Jüngere Menschen tendieren tatsächlich dazu, sich mehr Kompetenz für Standarddeutsch zuzusprechen als ältere. Trotzdem fühlen sich ähnlich viele junge wie ältere ProbandInnen dazu in der Lage, eine sehr starke dialektale Ausprägung ihrer regionalen Varietät sprechen zu können.

Die dritte Hypothese gibt die Annahme vor, dass Frauen meinen, mehr Dialekt als Männer zu sprechen. Unter den Frauen geben 41 % an immer, 50 % oft und je 4,5 % manchmal oder selten Dialekt zu sprechen. Bei den Männern sind es 42 %, die immer Dialekt sprechen, 48 %, die oft und 10 %, die manchmal Dialekt sprechen. Keine der männlichen GP spricht sich für seltenes Dialektsprechen aus. Obwohl die Werte relativ nahe beieinanderliegen, kann trotzdem eine leichte Tendenz dahingehend ausgemacht werden, dass Männer angeben, mehr Dialekt zu sprechen als Frauen. Diese Beobachtung würde die Hypothese im Grunde widerlegen.

An dieser Stelle kann man noch einen Blick auf die geschlechterspezifischen Angaben zu Situationen, in denen Dialekt verwendet wird, werfen. Beim Vergleich der Antworten der männlichen Probanden mit denen der weiblichen fallen aber nur geringe Unterschiede ins Auge. Es kann lediglich eine leichte Tendenz zu weniger Dialektgebrauch der männlichen GP ausgemacht werden, außer im Kontakt mit Behörden, mit dem Arzt, auf dem Amt etc. Bei dieser Antwortmöglichkeit sind es 55 % der Männer gegenüber 48 % der Frauen, die nach eigenen Angaben in dieser Situation Dialekt verwenden. Ansonsten geben Probandinnen meist eine höhere Bereitschaft an, Dialekt zu sprechen: mit Freunden und mit der Familie sind es 98 %, die Dialekt sprechen (93 % der Männer), in der Schule bzw. Arbeit 75 % (62 % der Männer), am Telefon mit Unbekannten 11 % (10 % der Männer), mit Menschen aus einem anderen Dialektkreis 16 % (10 % der Männer), am Telefon mit Bekannten 50 % (38 % der Männer) und mit Menschen aus einem anderen Sprachkreis sind es 7 % (auch 7 % der Männer), die in dieser Situation Dialekt verwenden.

So ist auch die dritte Hypothese nicht eindeutig verifizierbar und Ammons (1973) Annahmen, Männer würden mehr Standardsprache sprechen als Frauen, finden sich in den subjektiven Daten für die hier untersuchte Region nicht bestätigt. Jedoch unterstützen die Daten Mattheiers (1980) Angaben für einen fast gleichermaßen hohen Grad an Dialektkenntnis und Dialektgebrauch unter Männern und Frauen im Raum Bayern.←467 | 468→

Die vierte Hypothese, dass jüngere Menschen weniger Unterschiede zwischen ihrem eigenen und dem Dialekt sehen, wie er auf der oberösterreichischen Seite gesprochen wird, als ältere, findet sich in den Daten so nicht bestätigt. Vielmehr zeigt sich, dass jüngere und ältere ProbandInnen diese Unterschiede sehr ähnlich einschätzen. 2,9 % der jüngeren GP gegenüber 2,6 % der älteren meinen, dass es keine bemerkenswerten sprachlichen Unterschiede zwischen dem Passauer Dialekt und dem Oberösterreichischen Dialekt gibt. Einige Unterschiede konstatieren 68,6 % der jüngeren GP und 65,8 % der älteren und sehr viele Unterschiede empfinden 28,6 % der jüngeren gegenüber 31,6 % der älteren GP.8 Auch die Frage, ob es einen hörbaren Unterschied zwischen der eigenen und der Sprechweise eines Oberösterreichers gibt, beantworten 97 % der GP mit Ja. Wie bei einem so deutlichen Ergebnis anzunehmen ist, gibt es hier keinen ersichtlichen Altersgruppenunterschied. In der Beantwortung der Frage, ob es für die ProbandInnen erkennbare Merkmale eines Dialektsprechers aus Oberösterreich gibt, sind sich jüngere wie ältere GP abermals sehr einig. Daraus ist auch abzuleiten, dass die GP die Staatsgrenze damit mehrheitlich als Sprachgrenze wahrnehmen (vgl. dazu Bülow/Kleene sowie Pickl et al. in diesem Band).

Es ist also festzuhalten, dass die vierte Hypothese anhand des vorliegenden Datenmaterials nicht verifiziert werden kann. Jüngere und ältere ProbandInnen sehen die Unterschiede zwischen ihrer eigenen dialektalen Sprechweise und der, wie sie in Oberösterreich gebraucht wird, sehr ähnlich.

7 Fazit

Zusammenfassend lässt sich eine klare Evidenz für einen weitgreifenden Dialektgebrauch unter den ProbandInnen feststellen. Dabei zeigen sich keine alters- oder geschlechtsspezifischen Unterschiede. Hinsichtlich der Standardkompetenz schätzen sich die jüngeren GP allerdings kompetenter ein. Trotzdem fühlen sich ähnlich viele junge wie ältere ProbandInnen dazu in der Lage, eine sehr starke dialektale Ausprägung ihrer regionalen Varietät sprechen zu können.

Das Österreichische9 gefällt der überwiegenden Mehrheit der befragten Personen sehr gut oder gut. 97 % der ProbandInnen geben dabei an, einen hörbaren Unterschied im Dialekt zwischen sich selbst und einem Dialektsprecher aus Österreich zu erkennen. Jedoch erscheint der überwiegenden Mehrheit der←468 | 469→ Befragten (ebenfalls 97 %) dieser Unterschied nicht größer als der zwischen einem Sprecher aus Norddeutschland und einem Sprecher aus Süddeutschland. Mehr als die Hälfte der GP meint, dass es durchaus einige dialektale Unterschiede zwischen dem Dialekt, wie er in Passau beziehungsweise in Oberösterreich verwendet wird, gibt. Die Unterschiede werden größtenteils an der Aussprache und den Lexemen festgemacht, aber auch an der Satzmelodie und zum Teil an Redewendungen. Wenige sehen Unterschiede im Sprechtempo oder auf der Ebene der Grammatik. Bei den Beispielen, welche oberösterreichischen Regionalismen den Passauer Probanden auffallen, werden daher auch hauptsächlich Lexeme und Phraseologismen genannt sowie einige lautliche Auffälligkeiten (insbesondere in Bezug auf das Phonem [a]). Im Vergleich der beiden Altersgruppen sowie Geschlechter sind dabei keine klaren Unterschiede auszumachen. Vielmehr liegen die Antworten sehr nahe beieinander, sodass von einem relativ homogenen Ergebnis gesprochen werden kann. Die Erkenntnisse deuten zudem darauf hin, dass die Staatsgrenze als Sprachgrenze wahrgenommen wird.

Weitere Untersuchungen im Bereich Dialektperzeption und Dialektgebrauch im deutsch-österreichischen Grenzraum wären aber hilfreich, um genauere Aussagen treffen zu können. Dazu wäre es vor allen Dingen unerlässlich, zusätzlich zu den Perzeptionsdaten auch Produktionsdaten zu erheben und den tatsächlichen Sprachgebrauch der Probanden mit den Einstellungen und Wahrnehmungen abzugleichen. Außerdem sollten die Gewährspersonen um TeilnehmerInnen aus angrenzenden (ober-)österreichischen Orten ergänzt werden.

Literaturverzeichnis

Ammon, Ulrich/Bickel, Hans/Ebner, Jakob (Hg.) (2004): Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Lichtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. Berlin u. a.: de Gruyter.

Ammon, Ulrich (1973): Dialekt und Einheitssprache in ihrer sozialen Verflechtung. Eine empirische Untersuchung zu einem vernachlässigten Aspekt von Sprache und sozialer Ungleichheit. Weinheim: Beltz.

Ammon, Ulrich (1973): Probleme der Soziolinguistik. Tübingen: May Niemeyer Verlag.

Anders, Christina Ada (2010): Wahrnehmungsdialektologie. Das obersächsische im Alltagsverständnis von Laien. Berlin: de Gruyter.

Anders, Christina Ada/Hundt, Markus/Lasch, Alexander (Hg.) (2010): »Perceptual Dialectology«. Neue Wege der Dialektologie. Berlin: de Gruyter.

Baker, Colin (1992): Attitudes and language. Clevedon: Multilingual Matters.←469 | 470→

Besch, Werner (Hg.) (1983): Sprachverhalten in ländlichen Gemeinden. Forschungsbericht

Erp-Projekt. Bd. 2: Dialekt und Standardsprache im Sprecherurteil. Berlin: Erich Schmidt Verlag.

Diercks, Willy (1988): Mental Maps. Linguistisch-geografische Konzepte. In: Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik, 55, 3, 280–305.

Eichinger, Ludwig M. /Plewnia, Albrecht/Schoel, Christiane/Stahlberg, Dagmar (Hg.) (2012): Sprache und Einstellungen. Spracheinstellungen aus sprachwissenschaftlicher und sozialpsychologischer Perspektive. Mit einer Sprachstandserhebung zum Deutschen von Gerhard Stickel. Tübingen: Narr Francke Attempo.

Eichinger, Ludwig M. (2010): Kann man der Selbsteinschätzung von Sprechern trauen? In:

Anders, Christina Ada/Hundt, Markus/Lasch, Alexander (Hg.): »Perceptual Dialectology«. Neue Wege der Dialektologie. Berlin u. a.: de Gruyter, 433–449.

Eichinger, Ludwig M./Gärtig, Anne-Kathrin/Plewnia, Albrecht/Roessel, Janin/Rothe, Astrid/Rudert, Selma/Schoel, Christiane/Stahlberg, Dagmar/Stickel, Gerhard (Hg.) (2009): Aktuelle Spracheinstellungen in Deutschland. Erste Ergebnisse einer bundesweiten Repräsentativumfrage. Mannheim: IDS.

Fischer, Ann Kathrin (2016): Dialektwahrnehmung von linguistischen Laien im Raum Passau. Masterarbeit Universität Graz.

Huesmann, Annette (1998): Zwischen Dialekt und Standard. Empirische Untersuchung zur Soziolinguistik des Varietätenspektrums im Deutschen. Tübingen: Niemeyer.

Hundt, Markus (1992): Einstellungen gegenüber dialektal gefärbter Standardsprache. Eine

empirische Untersuchung zum Bairischen, Hamburgischen, Pfälzischen und Schwäbischen. Stuttgart: Steiner.

Jakob, Karlheinz (2010): „Swâben ir wörter spaltent“. Ein Überblick über die Dialektbewertung in der deutschen Sprachgeschichte. In: Anders, Christina Ada/Hundt, Markus/Lasch, Alexander (Hg.): »Perceptual Dialectology«. Neue Wege der Dialektologie. Berlin: de Gruyter, 51–66.

Kaiser, Irmtraud (2006): Bundesdeutsch aus Österreichischer Sicht. Eine Untersuchung zu Spracheinstellungen, Wahrnehmungen und Stereotypen. Mannheim: IDS.

Kleene, Andrea (2017): Attitudinal-perzeptive Variationslinguistik im bairischen Sprachraum. Horizontale und vertikale Grenzen aus der Hörerperspektive. Dissertation Universität Wien.←470 | 471→

Mattheier, Klaus J. (1980): Pragmatik und Soziologie der Dialekte: Einführung in die kommunikative Dialektologie des Deutschen. Heidelberg: Quelle & Meyer.

Neuland, Eva (1993): Sprachgefühl, Spracheinstellungen, Sprachbewusstsein. Zur Relevanz „subjektiver Faktoren“ für Sprachvariation und Sprachwandel. In: Mattheier, Klaus J./Wegera, Klaus-Peter/Hoffmann, Walter/Macha, Jürgen (Hg.): Vielfalt des Deutschen. Festschrift für Werner Besch. Frankfurt a. M.: Peter Lang, 723–747.

Niedzielski, Nancy A./ Preston, Dennis R. (2000): Folk linguistics. Berlin: Mouton de Gruyter.

Plewnia, Albrecht/Rothe, Astrid (2011): Von gebildeten Deutschen, freundlichen Sachsen und temperamentvollen Bayern. Einstellungen zu Varietäten und ihren Sprechern. In: Christen, Helen/Patocka, Franz/Ziegler, Evelyn (Hg.): Struktur, Gebrauch und Wahrnehmung von Dialekt. Beiträge zum 3. Kongress der Internationalen Gesellschaft für Dialektologie des Deutschen (IGDD), Zürich, 7.–9September 2009. Wien: Praesens, 179–207.

Purschke, Christoph (2014): “I remember it like it was interesting.” Zur Theorie von Salienz und Pertinenz. In: Linguistik online 66, 4, 14, 31–50. URL: http://dx.doi.org/10.13092/lo.66.1571 [15.09.2015].

Purschke, Christoph (2011): Regionalsprache und Hörerurteil: Grundzüge einer perzeptiven Variationslinguistik. Stuttgart: Steiner.

Sibata, Takesi (1999): Consciousness of Dialect Boundaries. In: Preston, Dennis R. (Hg.): Handbook of Perceptual Dialectology. Amsterdam: John Benjamins, 39–69.

Siebenhaar, Beat (2000): Variation und Einstellung in einer dialektologischen Labilitätszone. In: Stellmacher, Dieter (Hg.): Dialektologie zwischen Tradition und Neuansätzen. Beiträge der Internationalen Dialektologentagung, Göttingen, 19.–21. Oktober 1998. Stuttgart: Franz Steiner Verlag, 99–125.

Stickel, Gerhard/Volz, Norbert (1999): Meinungen und Einstellungen zur deutschen Sprache. Ergebnisse einer bundesweiten Repräsentativerhebung. Mannheim: IDS.

Stoeckle, Philipp (2010): Subjektive Dialektgrenzen im alemannischen Dreiländereck. In: Anders, Christina Ada/Hundt, Markus/Lasch, Alexander (Hg.): »Perceptual Dialectology«. Neue Wege der Dialektologie. Berlin: de Gruyter, 291–315.

Van Bezooijen, Renée (2002): Aesthetic Evaluation of Dutch. Comparison across Dialects, Accents, and Languages. In: Preston, Dennis R. (Hg.): Handbook of Perceptual Dialectology. Amsterdam: John Benjamins, 13–30.

Weijnen, Antonius A. (1999): On the Value of Subjective Dialect Boundaries. In: Preston, Dennis R. (Hg.): Handbook of Perceptual Dialectology. Amsterdam: John Benjamins, 131–133.←471 | 472→

Werth, Alexander (2007): Perzeptionsphonologische Studien zu den mittelfränkischen Tonakzenten. In: Schmidt, Jürgen Erich (Hg.): Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik, 2, 3, 292–316.

Wiesinger, Peter (1983): Die Einteilung der deutschen Dialekte. Berlin: de Gruyter.

Zehetner, Ludwig (1989): Die bairische Mundart in Bayern. In: Gerhard Hacker/Lippert, Gerhard (Projektleitung u. Red.): Heimat und Schule: Fortbildungsmodell/Akad. Für Lehrerfortbildung Dillingen. Donauwörth: Auer, 104–111.

Ziegler, Evelyn (2011): Subsistente Normen und Sprachkompetenz: ihre Bedeutung für den Deutschunterricht. In: de Pietro, Jean-François/de Saint-Georges, Ingrid/Gnach, Aleksandra/Stotz, Daniel/Wyss, Eva L. (Hg.): Bulletin VALS-ASLA, 94, 69–85. URL: http://doc.rero.ch/record/28573 [12.03.2018].

Zwickl, Simone (2005): Language Attitudes and Social Identity across the Northern Ireland Border. In: Muhr, Rudolf (Hg.): Standardvariationen und Sprachideologien in verschiedenen Sprachkulturen der Welt./Standard variations and language ideologies in different language cultures around the world. Wien u. a.: Peter Lang Verlag, 165–176.←472 | 473→


1 Der vorliegende Beitrag basiert auf der Masterarbeit „Dialektwahrnehmung von linguistischen Laien im Raum Passau“ (Fischer 2016) und wurde in einigen Passagen erweitert und überarbeitet.

2 Der Terminus Gebrauchsstandard wird nach Ziegler (vgl. 2011: 70) für die tatsächlich realisierte Form des sprechsprachlichen Standards, gekennzeichnet durch regionalsprachliche und alltagssprachliche (= allegrosprachliche) Variation, verwendet.

3 Der Fragebogen kann aufgrund seines Umfanges in diesen Beitrag nicht abgebildet werden. Er findet sich aber in Fischer (2016).

4 Die vollständige Auswertung zu allen Themenblöcken des Fragebogens findet sich in Fischer (2016).

5 Das Lexem Dult ist in der Region wohl mittlerweile im Bereich des geschriebenen Gebrauchsstandards anzusiedeln.

6 Im Folgenden wird die Abkürzung GP für Gewährsperson/en verwendet.

7 Die angegebenen Beispiele wurden wörtlich aus den Fragebögen übernommen. Das heißt, es wurden keine Veränderungen der Groß- oder Kleinschreibung, Orthographie, Zeichensetzung o. Ä. vorgenommen. Die Objektsprache wurde lediglich kursiv gesetzt und Häufigkeiten der Nennungen ggf. in runden Klammern angefügt.

8 Es werden hier Prozentwerte mit einer Stelle hinter dem Komma angegeben, um genauere Abgrenzungen ziehen zu können, da die Werte sehr nahe beieinanderliegen.

9 Gleichwohl das Österreichische aus linguistischer Sicht selbstverständlich ein Konstrukt ist.