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Ich-Splitter

(Cross-)Mediale Selbstentwürfe in den Slawischen Kulturen

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Edited By Ingeborg Jandl and Gernot Howanitz

Der Sammelband „Ich-Splitter“ rückt (auto-)biografische Formen ins Blickfeld, die über die textuelle Erschließung des Selbst hinausgehen. Rekonstruktion, Fragmentierung und Brechung des Ich im (cross-)medialen Zusammenspiel unterschiedlicher Medien stehen im Zentrum dieses Bandes, der den (inter-) medialen Wegen der Selbstinszenierung und Selbstsuche in den slawischen Kulturen nachspürt. Schnittstellen zu anderen (Auto-)Biografien werden dabei oft bewusst als Rahmen aufgegriffen, der die Verortung des Ich unterstützt. Die Beiträge befassen sich mit süd-, ost- und westslawischen (Auto-)Biografie-Projekten und zeichnen so ein Panorama, das mediale Praktiken der Selbst-erschließung in ihrer konzeptuellen Systematik aufzeigt und darüber hinaus auf eine vielseitige Reise durch unterschiedliche slawische Lebenswelten und historische Kontexte einlädt.
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Anthologie-Spiele als multiple Ich-Entwürfe. Beispiele aus den slavischen Literaturen (P. Slavejkov, V. Brjusov, S. Lem) (Henrike Schmidt)

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Henrike Schmidt

ANTHOLOGIESPIELE ALS MULTIPLE ICH-ENTWÜRFE. BEISPIELE AUS DEN SLAVISCHEN LITERATUREN (P. SLAVEJKOV, V. BRJUSOV, S. LEM)

Die Anthologie steht nicht im Ruf, eine (auto-)biographische1 Gattung zu sein.2 Als Sammlung von repräsentativen Musterwerken – einer Epoche, einer literarischen Strömung oder einer Nationalliteratur – scheint sie stärker an das Werk als an deren Urheber/in gebunden. Dies gilt selbst im Fall einer Autoren-Anthologie, die zwar ein Resümee der Werkbiographie präsentiert, im engeren Sinne (auto-)biographische Darstellung und Reflexion jedoch in der Regel ausblendet. Als „Blütensammlung“, die eine Auswahl des Besten zusammenbindet, ist sie zudem maßgeblich mit Fragen der Kanonisierung und damit eher der Homogenisierung als der Differenzierung verbunden. Die Anthologie verkörpert als Metagattung der Literatur die Fiktion potenzieller Ganzheitlichkeit, so die bulgarische Literaturwissenschaftlerin Sirma Danova (2019). Gerade dieses Versprechen von künstlerischer und werkbiographischer Totalität macht die Anthologie andererseits attraktiv für dekonstruierende Spiele, in denen Werkfragmente und Ich-Splitter miteinander kontrastiert werden. Solchen Anthologiespielen, zu denen parodistische Textsammlungen oder mystifizierte multiple Autorschaften gehören, soll im folgenden Beitrag anhand von Beispielen aus den slavischen Literaturen nachgegangen werden. Im Mittelpunkt steht dabei bewusst ein Werk des bulgarischen Modernisten Penčo Slavejkov (1866-1912), die fiktive Anthologie Na Ostrova na Blažennite / Auf der Insel der Seligen (1910), das in der Bulgaristik einen exzeptionellen Status genießt, slavistisch und komparatistisch jedoch bis dato wenig Beachtung gefunden hat. Es wird kontextualisiert durch kurze vergleichende Betrachtungen mit ähnlichen Werken aus der polnischen (Stanis...

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