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Sicherheit Denken

Entspannungspolitik auf der Zweiten Ebene 1969-1990

Sabine Loewe-Hannatzsch

Gerade wegen der Abkühlung des sowjetisch-amerikanischen Verhältnisses entwickelten sich die Beziehungen zwischen ost- und westdeutschen Instituten für Außen- und Sicherheitspolitik in den 1970er und 1980er Jahren beträchtlich weiter. Beide deutsche Staaten blieben sowohl an einem bi- wie multilateralen Entspannungsprozess über die Blockgrenzen hinweg interessiert und führten diesen teils auch gegen die explizit formulierten Erwartungen der jeweiligen Hegemonialmacht fort. Die Analyse greift sowohl den Perzeptionswandel einer deutsch-deutschen epistemic community als auch die sicherheits- und militärpolitischen Aspekte der Beziehungen zwischen Bonn und Ostberlin auf. Die Autorin holt somit die Bedeutung multilateraler Sicherheitspolitik in die Geschichte der Wiedervereinigung zurück und präsentiert eine neue Dimension der gegenseitigen Beeinflussung nicht nur der Institute sondern auch der Politikelite allgemein.

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2 Institutskontakte in der ersten Hälfte der 1970er Jahre: Aufbau und das Ziel einer militärischen Entspannung

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Der Bau der Mauer in Berlin im Jahr 1961 und die hermetische Abriegelung der innerdeutschen Grenze zeigte, dass sich die Großmächte auf eine klare Trennung ihrer Interessensphären und der Blöcke in Europa eingestellt hatten. Es galt nach neuen Wegen und Mitteln zu suchen, um ein weiteres Auseinanderleben der beiden Teile des deutschen Volkes zu verhindern. Innerhalb der Bundesrepublik wurden Tendenzen zu mehr Beweglichkeit in der Bonner Ostpolitik sichtbar. Ansätze zu einer Annäherung und mehr Kooperation verdeutlichten bereits die Vorschläge von Außenminister Gerhard Schröder, der sich um einen „Brückenschlag“ zu den kommunistischen Staaten Ostmittel- und Südosteuropas bemühte. Einen weiteren Vorschlag lieferte der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Rainer Barzel, der sich für ein Wiedervereinigungskonzept unter Verbleib sowjetischer Truppen und im Rahmen eines europäischen Sicherheitssystems einsetzte.1

Berlinkrise und Kubakrise hatten die Supermächte an den Rand eines atomaren Krieges geführt und standen doch zugleich am Beginn einer internationalen Phase der Entspannung. Die konfrontativen Handlungsmuster der fünfziger Jahre wurden durch die Anerkennung der militärischen Parität der beiden Supermächte abgelöst und gingen im Verlauf des damit ausgelösten Prozesses in den 1970er Jahren in eine „antagonistische Kooperation“ über.2 Der Austragungsmodus des Konflikts basierte nun immer mehr auf Kommunikation, Verhandlungen und Austausch. Die sich zunehmend entfaltende Dynamik der Ost-West-Beziehungen führte dazu, dass die Trennungslinie zwischen den beiden Blöcken und den beiden deutschen Staaten schrittweise durchlässiger wurde.3 Am eigentlichen Systemkonflikt änderte dies jedoch...

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