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Konflikt und Kooperation

Die Ostsee als Handlungs- und Kulturraum

Edited By Martin Göllnitz, Nils Abraham, Thomas Wegener Friis and Helmut Müller-Enbergs

Seit dem Ende des Kalten Krieges und der Erweiterung der Europäischen Union gerät der Ostseeraum als historische Einheit immer stärker in das Blickfeld von Wissenschaft und Öffentlichkeit. Eine intensive Beschäftigung mit dieser Region macht jedoch recht rasch deutlich, dass nicht nur die „eine Ostsee" existiert, sondern viele Ostseeräume, die in erster Linie durch Kooperationen und Konflikte, Handel und kulturelle Beziehungen sowie den daran beteiligten Protagonisten initialisiert und konstruiert werden.

In dem vorliegenden Band analysieren 23 ExpertInnen aus fünf Ostseeländern und Israel die durchaus unterschiedlichen Raumkonstruktionen und Verflechtungen innerhalb der Ostseeregion, die als ein spannungs- und konfliktreicher Handlungs- und Kulturraum verstanden wird.

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Zur Rolle Deutschlands bei der Erringung der Selbstständigkeit Finnlands (Manfred Menger)

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Manfred Menger

Zur Rolle Deutschlands bei der Erringung der Selbstständigkeit Finnlands

1919 äußerte General Erich Ludendorff in einem Schreiben an Edvard Hjelt, dem ersten finnischen Gesandten in Berlin: „Möglicherweise ist die Freiheit Finnlands das einzige, was von meinem Werk zurückbleibt.“1 Finnland hat Ludendorff dennoch kein Denkmal gesetzt. Dazu bestand auch keine Veranlassung. Es ist aber richtig, dass Finnlands Selbstständigkeit in einer internationalen Umbruchsituation und zugleich Periode russischer Schwäche erreicht werden konnte, zu der die deutsche Kriegsführung und Politik im erheblichen Maße beigetragen hatten. Insofern könnte man, wie das auch vielfach postuliert wurde, Finnlands Freiheit als Ergebnis kaum kalkulierbarer externer Ereignisse betrachten. Sie war aber dennoch in mehrfacher Hinsicht vor allem eine finnische Eigenleistung.

Finnlands Selbstständigkeit war zum einen das Resultat eines historischen Prozesses, der mit dem Anschluss an Russland im Jahr 1809 seinen Anfang genommen hatte und in dessen Verlauf sich der ehemaligen schwedischen Provinz, die unter dem Zepter Schwedens über keine eigene politische und kulturelle Identität verfügte, Möglichkeiten geboten hatten, die eigenen Verhältnisse weitgehend selbst zu gestalten. So entwickelte sich das Großfürstentum Finnland im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem geschlossenen Wirtschafts- und abgegrenzten Lebensraum mit einem politischen Eigenleben, einer eigenen Hauptstadt, mit einem eigenen Bürgerrecht und separaten Verfassungsbewusstsein, einer Zollgrenze zu Russland, eigener Währung sowie einem stabilen Rechts-, Verwaltungs- und Wirtschaftssystem, das auf die Herausforderungen einer eigenstaatlichen Existenz vorbereitet...

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