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Zur Funktion und Bedeutung des Chors im zeitgenössischen Drama und Theater

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Edited By Paul Martin Langner and Joanna Gospodarczyk

Die Rückkehr des Chores in die Theaterstücke und Inszenierungen der Gegenwart macht erkennbar, eine wie hohe Aktualität dieses seit der Antike bekannte Strukturelement des Dramas hat. Dabei werden die antiken Formen für die Bedingungen der Gegenwart überarbeitet und wirkungsvoll weiterentwickelt. Die Beiträge des Bandes leuchten vielfältige Formen der Aneignung und Neubildung aus. Die Position des Chores zur Bühnenhandlung, seine Dimensionen, Artikulationsweisen, Bewegungsmomente werden ebenso in den Aufsätzen diskutiert, wie seine Stellung zur Geschichte und sein Beitrag zum Verhältnis von Individualität und Gemeinschaft. In den Ergebnissen des Bandes wird deutlich, von welcher Wichtigkeit der Chor für das gegenwärtige Drama und die aktuelle Theaterarbeit ist.

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Magdalena Idzi: Chor im Peter Weiss’ Marat/Sade Drama

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Magdalena Idzi (Kraków)

Chor im Peter Weiss’ Marat/Sade Drama

Abstract: Die Rolle des geisteskranken Chors im Peter Weiss Marat/Sade Drama veranschaulicht die gruseligen Folgen einer Revolution und der aggressiven Präsenz von Gewalt. Der gesellschaftliche Wandel in Europa, der zu Ende des 18. Jahrhunderts in Frankreich in Gang gesetzt wird, war offenbar nicht zu verhindern. Ob er jedoch die Demokratie in einer erwünschten Form mit sich brachte, ist fraglich. Dabei ist aufzuzeigen, dass im Laufe der Zeit die potenziell revolutionäre Stimmung an ihrer anziehenden Kraft und Bedeutung kaum verliert, auch wenn sie auf Wahnsinn und Massenpsychose zurückzuführen sei.

Keywords: Drama, Chor, französische Revolution, Wahnsinn, Gewalt, Macht

„In dem Irrenhause zu Charendon versammelten sich die Kranken in ruhigen Stunden, um sich unter der Aufsicht der Verwalter des Hauses, durch mancherlei gesellschaftliche Unterhaltungen zu vergnügen: sie führten Sprüchworte auf, deklamirten Gedichte, machten Musik u.s.w. Die glückliche Wirkung, welche diese Zerstreuung hervorbrachte, hat veranlaßt, daß man in dem Hause ein Gesellschaftstheater errichtet hat, auf welchem die Wahnsinnigen selbst angemessene Rollen spielen, oft auch mit ihnen ihre Freunde und Verwandte auftreten. Die Freude herrscht an den Abenden der Vorstellungen unter den Unglücklichen, neue Ideen werden in ihrer Seele geweckt, wie ein Arzt, der bei dem genannten Hause angestellt ist, öffentlich im Publiciste anzeigt.“1

Es handelt sich um Amateurvorstellungen, deren Regie zur Zeit seines Aufenthaltes in der Irrenanstalt Marquis de Sade f...

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