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Jesus, Hauptdarsteller Gottes?

Inszenierung als Schlüssel für einen vernunftgemäßen Glauben

Eberhard Martin Pausch

Der Mensch Jesus kann verstanden werden als Gottes Hauptdarsteller in dem Theaterstück, das Weltgeschichte heißt. Das ist die These dieses Buches. Es gibt historische Indizien dafür, dass er sich selbst so sah, etwa die Nähe der Stadt Nazareth zum antiken Theater in Sepphoris. Die These lässt sich jedoch vor allem semiotisch begründen, wenn man die Person Jesu als ein mehrdimensionales Zeichen versteht. Jesus und seine Jüngerinnen und Jünger machten Glaube, Hoffnung und Liebe als Grunddimensionen menschlicher Existenz sichtbar. Wer ihm nachfolgt, lebt ebenfalls in diesen Dimensionen und erkennt Gott als den Regisseur der Geschichte an. Dessen Hauptdarsteller Jesus ist auch heute noch leibhaft erfahrbar, unter anderem im Leben der Glaubenden und im Geschehen von Gottesdienst und Abendmahl.

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1. Religion in den Grenzen der Vernunft: Immanuel Kants Religionsprogramm

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1. Religion in den Grenzen der Vernunft: Immanuel Kants Religionsprogramm

„4 Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: 5 Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? 6 Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.“ (Psalm 8,4–6)

Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt (1918–2015) ordnete der Religion in der Gegenwart vor allem eine moralische Aufgabe zu und berief sich dafür ausdrücklich auf das Religionsverständnis Immanuel Kants (1724–1804).12 Kants programmatische Schrift „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ war 1793 veröffentlicht←23 | 24→ worden.13 Entstanden war sie auf der Grundlage seiner drei philosophischen Hauptwerke (Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft, Kritik der Urteilskraft). Kants Religionsschrift erfuhr seitens der preußischen Obrigkeit Ablehnung und Repression. Wer die Religion angriff, konnte auch den Staat erschüttern, und der preußische Staat seiner Zeit (der nicht mehr von der aufgeklärten Toleranz des großen Friedrich geleitet wurde) wollte dies wohl mit Blick auf die Französische Revolution, die 1789 mit dem so genannten „Sturm auf die Bastille“ begonnen hatte, nicht dulden.

Kant war zwar seiner Herkunft nach Protestant, stand aber in innerem Gegensatz zu der engen, pietistischen Frömmigkeit, in welcher er erzogen worden war. Seine Schrift ist daher bis in die Diktion hinein Religionskritik bei...

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