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Das «auto sacramental» Calderóns zwischen Tridentinum und Theatralität

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Dorothea Kraus

Die Autorin geht der Frage nach, warum die allegorischen Fronleichnamsspiele des Siglo de Oro dezidiert auf ihre theatrale Umsetzung angewiesen sind. Durch die Adaption moderner Kategorien von Theatralität auf die «autos sacramentales» lässt sich der didaktische Hintergrund der Gegenreformation mit den performativen Elementen eines Theaterspiels in Verbindung bringen. Dabei eröffnet die Thematisierung der körperlichen Präsenz einen wirkungsästhetischen Zugang zu diesen inhaltlich wie formal komplexen Stücken.

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C Textanalysen

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1 Visualität411

1.1 Einführung

„Visual culture has come into a certain prominence now because many artists, critics and scholars have felt the new urgency of the visual cannot fully considered in the established visual disciplines.“412 Aktuelle Forschungsansätze zu visueller Kultur sind konjunkturbedingt in den verschiedensten Gebieten zu finden, allen gemeinsam aber ist ihr Vorhaben, Beziehungsverhältnisse zwischen Machtgefügen und visueller Repräsentation herauszuarbeiten.413 Dieses Verhältnis ergibt sich aus der Verfügbarkeit von Wissen, über welches Macht anhand von bildlicher Repräsentation am Einzelnen wie auch an der Menge ausgeübt wird. Visualität setzt dabei verschiedene Techniken voraus, die Martin Jay mit dem Begriff des „aggrandizement of the eye“414 für die Zeit der Gegenreformation ←131 | 132→beschreibt, was gleichermaßen Vergrößerung und Näherbringen eines bestimmten Bildausschnitts als pars-pro-toto bedeutet. Sehen kann aber, obwohl gerade „die visuelle Wahrnehmung im 17. Jahrhundert einen enormen epistemologischen Stellenwert“415 hat, in dieser Zeit nicht mit Erkennen gleichgesetzt werden, würde dies doch ein genaues Nachvollziehen-Können der visuellen Programmatik erforderlich machen. Der „richtige“ Umgang mit Bildern, physischer, metaphysischer sowie rhetorischer Art, steht dabei an oberster Stelle.416 Und dieser Umgang will gelernt sein. Als Giordano Bruno die Gedächtnistheorie aristotelischer Provenienz mit der Erkenntnistheorie neuplatonischer Ausprägung verbindet, um den Bildern den obersten Rang bei der Unterstützung von Verstehensvorgängen zuzuteilen, tut er dies unter dem Aspekt der Analogie: Der Blick auf die Phantasmata hilft beim Verständnis...

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