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Pius XII. und die Deportation der Juden Roms

Klaus Kühlwein

Kein anderes Ereignis im Zweiten Weltkrieg hat Pius XII. so herausgefordert wie die SS-Judenaktion unter seinem Fenster. Was damals geschah, verdichtet die ganze Problematik um das Schweigen des Papstes. Historisch ist umstritten, was Papst Pius unternommen hat, um die Juden Roms zu retten, welchen Zwängen er unterworfen war und was er über das Schicksal deportierter Juden wusste.

Anhand zahlreicher Dokumente und Zeugenaussagen rekonstruiert die Studie die Vorgänge rund um die Razzia auf verschiedenen Ebenen. Sie fragt nach dem Kenntnisstand Pius XII. über die NS-Judenvernichtung und analysiert den Konflikt zwischen güterabwägendem Schweigen und Protest aus Gewissensgründen.

Das Ergebnis wirft neues Licht auf die Rolle Pius XII. im Herbst 1943.

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7. RESÜMEE Anmerkungen zum Schweige-Protest-Konflikt Pius XII.

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7.  RESÜMEE Anmerkungen zum Schweige-Protest-Konflikt Pius XII.

Als im Morgengrauen des 16. Oktober 1943 SS-Kommandos und Ordnungspolizei ausschwärmten, um überall in Rom Juden zu ergreifen, geriet Pius XII. in eine neue Konfliktsituation. Die seit über drei Jahren virulente Grundsatzfrage, ob er angesichts des NS-Genozids am europäischen Judentum schweigen oder protestieren sollte, spitzte sich dramatisch zu. Der Holocaust war bei ihn in seiner Bischofsstadt angekommen. „Unter seinen Fenstern“, wie Botschafter Weizsäcker es formulierte,538 wurden die Juden Roms gefangen und zur kollektiven Ermordung weggeführt. Die Menschen zu retten – oder zu versuchen sie zu retten – verschmolz eng mit den Optionen „Protest“ oder „Schweigen“. Mehr denn je musste sich Pius fragen, ob er öffentlich protestieren sollte und wenn ja in welcher Form, wie dringlich, wie ultimativ? Diplomatisch stand viel auf dem Spiel.

7.1  Schlimmere Folgen vermeiden

Gut vier Monate vor der Razzia in Rom formulierte Pius bei seiner traditionellen Namenstagansprache vor dem Kardinalskollegium quasi halbamtlich seine Leitlinie: »Jedes Wort, […] und jede Unserer öffentlichen Kundgebungen musste von Uns ernstlich abgewogen und abgemessen werden im Interesse der Leidenden selber, um nicht ungewollt ihre Lage noch schwerer und unerträglicher zu gestalten«.539

Ein paar Wochen zuvor hatte Pius in dem weitbeachteten Brief an seinen bischöflichen Freund Graf Preysing in Berlin die Thematik ebenfalls angesprochen.540 Vorausgegangen war ein Brief Preysings vom 6. März, ← 313 | 314 → indem er Papst Pius auch dringend gebeten hatte, öffentlich für die...

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