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Wiener Slawistischer Almanach Band 82/2019

Nostalgie. Ein kulturelles und literarisches Sehnsuchtsmodell. Tagung in München April 2017

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Edited By Brigitte Obermayr, Anja Burghardt and Aage A. Hansen-Löve

Der Band enthält 21 Beiträge, die aus der Münchener Tagung zum Thema «Nostalgie. Ein kulturelles Sehnsuchtsmodell» (April 2017) hervorgegangen sind. Allesamt sind sie dem literarischen bzw. kulturellen Phänomen der Nostalgie in den osteuropäischen Literaturen (zumal der russischen, der polnischen und den südslawischen) gewidmet. Es geht um kulturelle Sehnsuchtsorte (vom Dnepr bis nach Odessa, vom alten Ägypten zum mythischen Kitež) bei den Klassikern bis hin zu Vertretern der Moderne und der Gegenwartsliteratur. Ausgangspunkt aller Darstellungen ist die theoretische Vertiefung des Nostalgie-Konzepts in unterschiedlichen kulturellen und literarischen Kontexten. Unter anderen werden folgende Autoren behandelt: Gogol’, Gončarov, Čechov, Bal’mont, Platonov, Ėjchenbaum und Benjamin, Tynjanov, Miłosz, Nabokov und Brodskij, Konopnicka, Ugrešic, Šepitka, Prilepin u.v.a.

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Svetlana Kazakova (München), Indexe der Nostalgie. „Mir iskusstva“ und Konstantin Bal’mont

INDEXE DER NOSTALGIE. „MIR ISKUSSTVA“ UND KONSTANTIN BAL’MONT

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Svetlana Kazakova

„Genesen“ ist dasselbe Wort wie das griechische νέομαι, νόστος. Dies bedeutet Heimkehren; Nostalgie ist der Heimschmerz, das Heimweh. (Heidegger 1954, 102)

Die Opposition von klassisch und modern (antiqui-moderni) war die Grundlage jenes Affronts gegen die Anciennisten in Frankreich (Žmegač 1994, 279-280) bzw. die Akademiker/ die Väter in anderen europäischen Ländern, die mit der Entstehung der europäischen Moderne einherging. Für L. Ruprecht ist die moderne Zeit der Dekadenz eine „tragic posture“, aus deren Perspektive die griechische Antike als Diskurs idealer Anfänge bzw. als „Golden Age“ fungiert. Jeder nostalgische Versuch, dabei das verlorene Paradies zu rekonstruieren, stellt paradoxerweise eine Gestik dar, die eine Welt voraussieht, die noch nie existent war. „Every generation has retold the old stories, and reinterpreted them in the light of contemporary problems“ (Ruprecht 1996, 7). Der Begriff des “silbernen Zeitalters” in der russischen Moderne ist ein ähnliches Beispiel für kulturelle Resonanz auf eine Zeit von Entstehung und Beginn, die jedoch die alte Fülle prospektiv in ihrer Endphase zu revidieren versucht. Ruprecht zufolge, der sich an Nietzsches Philologismus anlehnt, könnte man folgendes Zusammenspiel von Dichtung und Kulturtheorie für ein wegweisendes Narrativ festhalten: „Philology has created a mythical heaven for itself, an Ithaca to which it longs for return“ (Ruprecht 1996, 31).

Wenn eine der Formen moderner Kunst eine stete Wiederkehr zu früheren Kulturepochen aufweist, dann ist das der ornamentale Impressionismus, bekannt in Westeuropa noch als Jugendstil (Sezession), dessen Genesis in der Ästhetik...

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