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Der Massenmensch zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Ein diskursgeschichtlicher Vergleich zur deutschen und spanischen Literatur

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Charlotte Jestaedt

Die Studie befasst sich mit der Frage, welche Wissensstrukturen in Bezug auf das Phänomen der Masse in Deutschland und Spanien vor den faschistischen Regimes präsent waren. Mit ihrer diskursanalytisch und komparatistisch angelegten Untersuchung zeigt die Autorin, dass die Spannungen zwischen Individuum und Masse sowohl für den wissenschaftlichen als auch für den literarischen Diskurs konstitutiv waren. Sie arbeitet die Querbezüge zwischen der Masse-Semantik in theoretischen Texten und in Kriegs- und Großstadtromanen heraus. Dabei rücken kulturraumübergreifende und kulturraumspezifische Ausprägungen sowie die Frage nach einem möglichen transnationalen spanisch-deutschen Diskurs in den Blick

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II. Historische Diskursmotoren: Die wirtschaftliche, kulturelle, soziale und politische Entwicklung in Deutschland und Spanien (1900–1933/1939)

II. Historische Diskursmotoren: Die wirtschaftliche, kulturelle, soziale und politische Entwicklung in Deutschland und Spanien (1900–1933/1939)

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Während sich das Deutsche Reich nach seiner Gründung 1871 durch Einheit kennzeichnete und nach dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg seine Vormachtstellung in Europa unter Beweis gestellt hatte, war Spanien Ende des 19. Jahrhunderts von innerer Zerrissenheit, Minderwertigkeits- und Rückständigkeitsgefühlen gezeichnet. Zum einen trug der auf den ausgeprägten spanischen Klerikalismus gestützte Vorwurf aus dem Ausland, Spanien habe sich nicht ausreichend gen Aufklärung entwickelt, dazu bei.110 Zum anderen wurde dieses Selbstbild durch die im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern langsame wirtschaftliche Entwicklung und Industrialisierung sowie den Verlust der letzten spanischen Kolonien 1898 verursacht. Die Spaltung des spanischen Volkes in liberale Befürworter der Modernisierung und Traditionalisten beziehungsweise in Anhänger der Demokratisierung und Verteidiger der Monarchie führte außerdem zu inneren Konflikten. Derer Herr zu werden, vermochten ←47 | 48→weder die kurzlebige Erste Republik von 1873 noch die Monarchen Alfons XII., seine Frau María Cristina oder sein Sohn Alfons XIII. Trotz der konstitutionell geprägten Regierungen und der Modernisierungsbemühungen in der Restaurations- und Regenerationszeit war der Einfluss des Adels und der Kirche weiter präsent: Besitz und Bildung blieben Privilegien der wohlhabenden Oberschicht, während die breite Bevölkerung der Bauern und Arbeiter unter prekären Arbeitsbedingungen und Armut litt. Die sozialen Gegensätze spitzten sich zu. Hinzu kamen die Carlistenkriege und die Autonomiebestrebungen Kataloniens sowie des Baskenlandes, die die inneren Spannungen verschärften.111 Außenpolitisch belasteten die Marokko-Kriege zusätzlich die Situation.112

Aufgrund der schmalen...

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