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Der Massenmensch zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Ein diskursgeschichtlicher Vergleich zur deutschen und spanischen Literatur

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Charlotte Jestaedt

Die Studie befasst sich mit der Frage, welche Wissensstrukturen in Bezug auf das Phänomen der Masse in Deutschland und Spanien vor den faschistischen Regimes präsent waren. Mit ihrer diskursanalytisch und komparatistisch angelegten Untersuchung zeigt die Autorin, dass die Spannungen zwischen Individuum und Masse sowohl für den wissenschaftlichen als auch für den literarischen Diskurs konstitutiv waren. Sie arbeitet die Querbezüge zwischen der Masse-Semantik in theoretischen Texten und in Kriegs- und Großstadtromanen heraus. Dabei rücken kulturraumübergreifende und kulturraumspezifische Ausprägungen sowie die Frage nach einem möglichen transnationalen spanisch-deutschen Diskurs in den Blick

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V. Der literarische Diskurs im Kontext der Großstadt

V. Der literarische Diskurs im Kontext der Großstadt

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Nicht nur im Diskursfeld des Krieges spielt das Phänomen der Masse im beginnenden 20. Jahrhundert eine bedeutende Rolle, sondern es lässt sich unabhängig von dem Ersten Weltkrieg und dem Spanischen Bürgerkrieg auch räumlich verorten: So tritt die Masse aufgrund der Industrialisierung und dem Städtebooms, wie bezüglich der historischen Diskursmotoren bereits gezeigt wurde, vor allem in den europäischen Großstädten in Erscheinung. Dem wissenschaftlichen Diskurs nach entwickelten sich die europäischen Großstädte deshalb zum typischen Zivilisationsraum der Masse. Die Beziehungsstruktur zwischen Masse und Individuum kann somit auch im Kontext der Kategorien von Stadt und Industrialisierung konstruiert werden. Dies manifestiert sich auch im literarischen Diskurs der 1920er und 1930er Jahre, in dem der moderne Großstadtroman eine wachsende Rolle spielte. Das Genre kennzeichnet sich dadurch, dass die Stadt nicht mehr nur eine Handlungskulisse abbildet, sondern ins Zentrum der Narration rückt und dabei teilweise sogar zur Protagonistin avanciert.753 Sie entwickelt sich somit zum Sujet der Texte und wird als industrieller Standort mit arbeitsteiligen Prozessen und einer kapitalistischen Massenproduktion inszeniert. Aber auch die neue Architektur und die fortschreitende Technisierung dienen der Darstellung eines modernen und dynamischen Lebensraums. Jedoch nicht nur die Stadt allein ist in den Romanen von Interesse, sondern auch die Konstitution der darin befindlichen Massengesellschaft und innerhalb dieser die Lebenssituation des Individuums.

In der germanistischen Forschung wurde das Sujet der Großstadt in der Literatur bereits ausgiebig untersucht. So liefert der schon erwähnte Volker Klotz dazu eine...

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