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Nonstandard im semantischen Raum

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Julia Elisabeth Klein

Sprachwissen, Spracheinstellungen und Sprachvariation sind zentrale Phänomene gesellschaftlicher Konstruktion und Wahrnehmung. Die Studie rekonstruiert diese und untersucht Verwendungen sprachlicher Formen bei Jugendlichen aus der Region Trier empirisch anhand einer dreigliedrigen Leitfrage: Wie wird der Sprachraum von Sprechern mit alltagssprachlichen Termini strukturiert, wie sind davon ausgehende Spracheinstellungen zur Nonstandardverwendung sozial verteilt und wie wird vor diesem Hintergrund Sprachvariation zur Strukturierung von Mikrosituationen verwendet? Die Thematik wird mittels eines Mixed-Methods-Designs und die zentrale Analysekategorie »semantischer Raum« erschlossen.

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4. Spracheinstellungen in mehrdimensionaler Perspektive

4. Spracheinstellungen in mehrdimensionaler Perspektive

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Die quantitative Analyse bietet den makroperspektivischen Zugang zu sprachlichen Einstellungen und Auswahlen sowie zu Wertorientierungen und alltagsästhetischen Präferenzen der jungen Sprecher und verortet sie im Zusammenhang des Gesellschaftssystems, in dem sie koordiniert sind. Den Anfang dieser Betrachtung aus der „Vogelperspektive“ macht die Analyse der Sprachsozialisation der Befragten und der Implikationen, die sich dadurch in Bezug auf die Begründungsmuster für oder gegen den Gebrauch von Standard und Nonstandard ergeben. All diese Haltungen werden im Anschluss daran mit den Lebensstilen der Sprecher in Form ihrer alltagsästhetischen Präferenzen, ihrem kulturellen Kapital und ihrer Orientierungen im semantischen Raum der Stile kontextualisiert, um die Frage zu beantworten, wie sich diese Einstellungen im Verhältnis zu Lebensstilen organisieren.

Statt der Termini Standard- und Nonstandard- bzw. Dialektsprecher werden im Folgenden die Begriffe Standard- und Nonstandardverwender bevorzugt. Dies aus zwei Gründen: Erstens verweist der Terminus Verwender explizit auf die Situationsbezogenheit der Verwendung von Standard- und Nonstandardmustern im Sprecheralltag. Zweitens macht der Begriff Verwender keine Aussage über weitere sprachliche Kompetenzen und ermöglicht damit auch, den Charakter der Selbstidentifikation als Non-/Standardverwender seitens der Sprecher hervorzuheben. So wie heute davon auszugehen ist, dass ein Sprecher, der sich als Nonstandardverwender identifiziert, auch stets eine Standardkompetenz besitzt, der aber im Alltag keine subjektive Relevanz zugeschrieben wird, tritt ebenso der Fall auf, dass Standardverwender nicht selten eine Dialektkompetenz erworben haben, die sie jedoch im Alltag nicht einsetzen.

Fast zwei Drittel (61,7 %) aller 227 Befragungsteilnehmer charakterisieren sich selbst als Dialekt- bzw....

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