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Ingenieure auf der Leinwand

Technische Visionen und Ordnungsvorstellungen im deutschen Zukunftsfilm der 1930er Jahre

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Anke Woschech

Zu Beginn der 1930er Jahre tauchten im bis dato expressionistisch geprägten deutschen Zukunftsfilm vermehrt Ingenieure auf, die als Helden technischer Großprojekte einem vordergründigen Fortschrittsoptimismus frönten. Dabei verwiesen diese Filmfiguren auf Ordnungsvorstellungen, die technokratische bis völkische Lösungen der zeitgenössisch virulenten Frage nach dem Konflikt von Kapital und Arbeit bemühten. In einem technikhistorischen Zugriff auf cineastische vergangene Zukünfte sowie unter Anwendung des Konzepts der hegemonialen Männlichkeit analysiert die Autorin die filmische Inszenierung von Ingenieuren und Technik. Sie zeigt auf, dass sich diese Filme als (Zerr-)Spiegel einer zentralen Konfliktlinie der industriellen Klassengesellschaft der Zwischenkriegszeit verstehen lassen.

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3. Von kolonialen, völkischen und freiheitlichen Großprojekten: Die Verfilmungen von Bernhard Kellermanns Roman Der Tunnel

3. Von kolonialen, völkischen und freiheitlichen Großprojekten: Die Verfilmungen von Bernhard Kellermanns Roman Der Tunnel

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Für eine Dokumentarserie des amerikanischen Fernsehsenders Discovery Channel mit dem bezeichnenden Reihentitel Extreme Engineering (2003–2011) wurde zu Beginn der ersten Staffel eine Folge produziert, die das gigantomanische Projekt eines Transatlantik-Tunnels vorstellte. Die moderierende Stimme aus dem Off eröffnet diese mit den Worten:

„Das Jahr 2099. Ein Zug rast durch einen Tunnel. Mit einer Geschwindigkeit von 8000 Kilometern pro Stunde. Mitten im Atlantik. Die Fahrgäste haben gerade in New York zu Abend gegessen, und in weniger als einer Stunde könnten sie ihr Dessert in Paris bestellen. Science Fiction? Bisher schon. Aber die Utopie eines Transatlantiktunnels könnte durchaus Wirklichkeit werden. Denn, so unglaublich es erscheinen mag, die meisten technischen Probleme sind lösbar. Doch ob er jemals gebaut wird, steht in den Sternen. Wenn er aber realisiert wird, wäre er täglich vielfältigen Gefahren ausgesetzt. Doch bei einem Erfolg könnte der Transatlantiktunnel zum Vorbild für andere Tunnel werden, die eines Tages die Völker dieser Erde und sieben Weltmeere verbinden.“325

Abgesehen davon, dass es angesichts des nunmehr seit Jahrzehnten etablierten Massenverkehrsmittels zur Atlantiküberquerung, dem Langstreckenflugzeug, sonderbar anmutet, dass überhaupt noch Alternativen debattiert werden, erstaunt der zumindest implizit mitschwingende Hinweis auf die mittels Großtechnik geschaffene Möglichkeit interkultureller Verbindung. Dieser technizistische Konnex von verkehrstechnischer Mobilität als Voraussetzung und Garant für globale Verständigung (und Versöhnung) der Menschheit müsste sich angesichts der zahlreichen Konjunkturen von utopischem Elan und Ernüchterung, die bei noch...

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