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Rumäniendeutsche Seinszusammenhänge und weitläufigere Bezüge

Literarische Kommunikation in der deutschsprachigen Literatur Rumäniens - das Fallbeispiel Joachim Wittstock

Edited By Maria Sass, Olivia Spiridon and Stefan Sienerth

Dieser Band beleuchtet am Einzelbeispiel des in Hermannstadt/Sibiu lebenden Schriftstellers Joachim Wittstock größere Zusammenhänge der deutschen Minderheitenliteratur in Rumänien. Einblicke in biografische Episoden, persönliche Erinnerungen an den Autor und Analysen seines Werkes wie des sozio-kulturellen Umfeldes bestimmen die thematische Breite dieser Veröffentlichung. Literaturwissenschaftler aus Deutschland und Rumänien, darunter viele Weggefährten und Freunde Joachim Wittstocks, nehmen den 80. Geburtstag des Schriftstellers und Literaturhistorikers zum Anlass, ein erhellendes Licht auf sein Werk und auf den deutschen Literaturbetrieb in Rumänien in den 1970er und 1980er Jahren zu werfen. Sie zeigen Möglichkeiten und Mechanismen auf, wie eine Minderheitenliteratur in einer der repressivsten kommunistischen Diktaturen Osteuropas unter schweren Bedingungen fortbestehen und grenzübergreifende literarische Netzwerke aufrechterhalten konnte. Und nicht zuletzt schildern sie, unter welchen Bedingungen ihre Akteure lebten, schrieben, miteinander kommunizierten und dem Druck der Zensur Widerstand leisteten.

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Vorwort

Vorwort

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Eine Annäherung an Joachim Wittstock, den in Hermannstadt/Sibiu lebenden Schriftsteller, ist mit Robert Musils Metapher der „Mulde“ denkbar. Eine in Grenzräumen und Zonen der kulturellen Berührung geformte Persönlichkeit als eine von „vielen Rinnsalen ausgewaschene Mulde, in die sie hineinsickern und aus der sie austreten“1, zu beschreiben, bietet sich im Falle dieses Autors regelrecht an. Mit dem emblematischen Bild der fließenden, von Zuflüssen stets neu geformten und im Grunde schwer bestimmbaren Identität lässt sich der Dichter, Literaturhistoriker, Schriftstellerkollege und Freund wohl leichter erfassen und verstehen. Auch wird hierdurch ein Gefüge von Zusammenhängen sichtbar, das der Welt der kleinen Minderheitenliteratur der Deutschen in und aus Rumänien Eigenart und Einmaligkeit verleiht. Darüber hinaus wird der 80. Geburtstag von Joachim Wittstock zum Anlass genommen, Spezifika dieser Literatur an der Biografie und dem Werk eines ihrer herausragenden Vertreters zu erörtern und in den Fokus der germanistischen Forschung zu rücken.

Das Bild der von zahlreichen Rinnsalen gespeisten Mulde verweist zunächst auf siebenbürgisch-sächsische Traditionen, die in der Familie Joachim Wittstocks über Jahrhunderte präsent und in seiner Generation noch recht lebendig waren. Der Autor entstammte einer Intellektuellenfamilie, in der das Schreiben, nach eigner Bekundung, „zu den gewohnten, vielfach geübten Beschäftigungen von Jung und Alt“2 gehörte. Zwar hätten sich nicht „sämtliche Anverwandten mit dem Abfassen schöngeistiger Literatur abgegeben, indes jene, die am Schreibtisch saßen und publizistische, wissenschaftliche oder künstlerische...

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