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Opfer – TäterInnen – Theaterpublikum

Szenarien von Zeugenschaft in Theaterstücken zum NSU

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Anna Brod

Die Untersuchung bietet die erste Bestandsaufnahme eines bemerkenswerten Phänomens des politischen Gegenwartstheaters: In den Spielzeiten 2012/13 bis 2017/18 wurden 25 Theatertexte uraufgeführt, die sich mit der Verbrechensserie der Terrorgruppe ‚Nationalsozialistischer Untergrund‘ (NSU) befassen. Sie reagieren damit auf Leerstellen der politischen, gesellschaftlichen sowie juristischen Aufarbeitung des NSU. Die Studie untersucht ausgewählte prototypische Theatertexte von Elfriede Jelinek bis Nuran David Calis und deren Inszenierungen. Der Fokus auf Zeugenschaft als Analyseperspektive verbindet Fragen der Darstellung, wie jene von Angehörigen der Opfer oder von TäterInnenfiguren, mit Fragen der Rezeption von TheaterzuschauerInnen.

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IV Szenarien von Zeugenschaft in Theaterstücken zum NSU

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Im Folgenden werden mit Ausnahme des viertes Typs ‚Kombination der Perspektiven‘ jeweils zwei Beispiele für die unterschiedlichen thematischen und formalen Typen der Theaterstücke zum NSU in Hinblick auf die unterschiedliche Szenarien von Zeugenschaft, die darin auf Produktions-, Darstellungs- und Rezeptionsebene produktiv werden, analysiert.

Da Inszenierungen von Theaterstücken des vierten Typus häufig auf nicht fixierten Texten basieren, eignen sie sich nicht für diejenige analytische Herangehensweise, die in dieser Arbeit gewählt wurde, wobei vom Theatertext ausgehend anschließend exemplarisch Momente der Inszenierung untersucht werden. Fragen, die sich in Hinblick auf Theaterstücke des vierten Typus stellen – wie beispielsweise nach der Motivation der häufig jugendlichen LaiendarstellerInnen, ihrer etwaigen Identifikation mit den dargestellten Figuren und nach Verfahren der oft kollektiven Stückentwicklung – muss deshalb an anderer Stelle nachgegangen werden.

1 Zeugenschaft und Stellvertretung: Perspektiven von Angehörigen der Mordopfer und von Betroffenen der NSU-Verbrechen

Barbara John, Ombudsfrau der Bundesregierung für die Hinterbliebenen der Opfer der NSU-Morde, weist im Vorwort der von ihr herausgegebenen Sammlung von Erinnerungsberichten Unsere Wunden kann die Zeit nicht heilen auf die Divergenz zwischen dem Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung als Opfer und der Überwindung des Opferstatus hin, die sie an Äußerungen zweier Töchter vom NSU ermordeter Männer festmacht:1 Semiya Şimşek, Tochter des ersten Opfers des NSU, Enver Şimşek, betonte in ihrer Rede bei der Gedenkveranstaltung der Bundesregierung für die Opfer des NSU am 23.02.2012, dass ihre Familie elf...

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