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Der christliche Glaube als reflektierte Erfahrung

Eine Studie zur Schleiermacherrezeption Gerhard Ebelings

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Jana Huisgen

Gerhard Ebelings Schleiermacherrezeption steht exemplarisch für die Wiedergewinnung der Erfahrungs- und Wirklichkeitsdimension der evangelischen Theologie nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Studie stellt Ebeling als einflussreichen Vertreter der beginnenden Schleiermacherforschung in den 50er und 60er Jahren vor. Die Religionstheorie und Gotteslehre Schleiermachers werden als Ausdruck einer Theologie des Subjekts begriffen, die das religiöse Selbstbewusstsein und dessen Ausdrucksformen zum Gegenstand hat. Die Autorin zeigt, wie Ebeling diese theologische Grundeinsicht aufnahm, um den Herausforderungen einer modernen Dogmatik gerecht zu werden. Sie weist nach, dass Ebeling der «Glaubenslehre» eine hermeneutisch-theologische Lesart zugrunde legt und präsentiert als Folge die Akzentverschiebung vom religiösen Selbstbewusstsein auf die Sprache als hermeneutische Leitkategorie der Dogmatik Ebelings.

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3. Fundamentaltheologie

3. Fundamentaltheologie

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Der subjektivitätstheoretische Einsatz der Dogmatik Schleiermachers beim Selbstbewusstsein bildet die theoretische Grundlage für die dogmatische Bestimmung der christlichen Lehrgehalte in den Paragraphen des materialen Teils der Glaubenslehre. Man hat diese aufgrund ihres Einsatzes beim menschlichen Selbstbewusstsein oftmals als anthropologisches Religionskonzept gewürdigt, womit Schleiermachers Ansatz genau genommen jedoch unterbestimmt bleibt. Zutreffender ist, dass Schleiermacher mit seiner Glaubenslehre erstmals den erfolgreichen Versuch unternommen hat, die Religionstheorie konsequent subjektivitätstheoretisch zu fundieren und durchzuführen.159

Schleiermachers Bestimmung des religiösen Bewusstseins und davon ausgehend des spezifisch christlich-religiösen Bewusstseins erfolgt auf der Grundlage einer „Theorie des nicht-religiösen Bewußtseins.“160 Dass die Bestimmung von Frömmigkeit nur im Kontext einer Betrachtung der inneren Struktur des Subjektbewusstseins erst möglich ist, resultiert aus Schleiermachers grundlegender religionstheoretischer Definition der Frömmigkeit als einer „Bestimmtheit des Gefühls oder des unmittelbaren Selbstbewusstseins.“161 Die Bestimmung des christlich-frommen Bewusstseins ist das Ziel, zu dem Schleiermacher den Leser der Dogmatik in der Einleitung führt, indem er die Bestimmung des religiösen Bewusstseins in den Kontext der Entfaltung einer Theorie der allgemeinen Strukturmomente von Subjektivität einbettet. Es ist die grundlegende Überzeugung Schleiermachers und gleichzeitig seine wegweisende Leistung für die protestantische Theologie der Neuzeit, dass vor der Entfaltung der christlichen Lehre die Bestimmung erfolgen muss, wie sich die Konstitution des allgemeinen humanen Wahrheitsbewusstseins zum christlich-religiösen Wahrheitsbewusstsein verhält.

Sein übergeordnetes Ziel, das darin besteht, die individuellen Merkmale christlicher Frömmigkeit zu bestimmen, erreicht Schleiermachers auf dem Weg, ←73...

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