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Genuss und Arbeit im Angestelltenroman

Von Irmgard Keun bis Elfriede Jelinek

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Lucas Alt

Ist ‚gutes Leben‘ im Kapitalismus möglich? Diese Frage verhandeln Angestelltenromane seit ihrer Entstehung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die vorliegende Studie analysiert das Spektrum zwischen Müssen und Muße, Lust und Frust, Arbeit und freier Zeit vor dem Hintergrund einer allgegenwärtigen Verwertungsmoral. Die interdisziplinäre Darstellung verbindet dabei Ergebnisse der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und ermöglicht einen Einblick in die paradoxen Psychodynamiken moderner Arbeitsverhältnisse.

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9. Thomas von Steinaecker: „Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen.“ – Die Nutzbarmachung der Sinnlichkeit

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Mit seinem vierten Roman „Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen“ legte Thomas von Steinaecker 2012 einen Text zur Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 vor.1156 Zum Portfolio des 1977 in Oberbayern geborenen von Steinaecker zählen, neben einer 2007 erschienen Dissertation1157 und einigen wissenschaftlichen Artikeln, zahlreiche Kurzgeschichten, Radiobeiträge, Kommentare, dokumentarische Filme, Hörspiele und bislang vier weitere Romane.1158 Auffallend erscheint bei alledem ein gewisses Interesse am ästhetischen Experiment.1159 Formal wie inhaltlich bearbeiten viele literarische Texte von Steinaeckers gängige und oft aktuelle Diskurse im Hinblick auf die ihnen zugrunde liegenden Erwartungen und Strukturen, indem sie dekonstruieren, Hybridität erzeugen und Konstrukthaftigkeit ausstellen. Exemplarisch zeigt diesen avantgardistischen Anspruch der 2008 erschienene Text „Geister“1160, der als Mischform aus Comic und Roman angelegt ist und den Schwerpunkt seines Inhalts, die Schaffung von Gegen- und Zwischenwelt,1161 programmatisch sowohl bereits im Titel als auch in der Form ankündigt. Nach einer selbst diagnostizierten Abkehr von den radikal-avantgardistischen Positionen seiner ←343 | 344→Anfangszeit1162 beschreibt von Steinaecker nun den ästhetischen Anspruch seines Schreibens als Vereinigung von Lesbarkeit und Avantgarde.1163

Für den Text „Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen“ kann ebenfalls der Versuch eines solchen Kompromisses angenommen werden: Sowohl auf inhaltlicher wie formaler Ebene stets im Zentrum steht die Verhandelbarkeit von Wirklichkeit und Fiktion, materieller Unmittelbarkeit und einem paranoid-narzisstischem Eskapismus, der mitunter an Wahnsinn zu grenzen scheint. Besonders interessant wirkt dies...

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