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Genuss und Arbeit im Angestelltenroman

Von Irmgard Keun bis Elfriede Jelinek

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Lucas Alt

Ist ‚gutes Leben‘ im Kapitalismus möglich? Diese Frage verhandeln Angestelltenromane seit ihrer Entstehung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die vorliegende Studie analysiert das Spektrum zwischen Müssen und Muße, Lust und Frust, Arbeit und freier Zeit vor dem Hintergrund einer allgegenwärtigen Verwertungsmoral. Die interdisziplinäre Darstellung verbindet dabei Ergebnisse der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und ermöglicht einen Einblick in die paradoxen Psychodynamiken moderner Arbeitsverhältnisse.

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11. Fazit

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Wie diese Arbeit zeigen sollte, reichen Lust und Genuss in ihren sozialen und kulturellen Dimensionen weit über den Subjektivismus des Individuums hinaus. Lässt sich der konkrete, vereinzelte Körper zwar als Erfahrungsort des genussvollen Ereignisses beschreiben, gründen die Voraussetzungen für Lust und Unlust jedoch nur teilweise im Individuellen. Vielmehr manifestieren sich Lust und Genuss als Ergebnisse überindividueller, kultureller Prozesse und Praktiken. Als soziale Phänomene hängt ihre Qualität entscheidend von der Beschaffenheit ihrer gesellschaftlichen Umgebung ab.

Die zentrale Fragestellung dieser Studie behandelte das Verhältnis von Lust und Arbeit im zurückliegenden Jahrhundert. Dazu wurde in einem ersten Schritt die (kapitalistische) Krise als potenter Zeitraum der Veränderung bzw. Konsolidierung gesellschaftlicher Verhältnisse identifiziert und problematisiert. In einem zweiten Schritt wurden Wandlungsphänomene von Arbeit im vergangenen Jahrhundert beschrieben. Insbesondere wurde dabei die Rolle der Angestellten für die Entwicklungen moderner Arbeitsverhältnisse in den Blick genommen. Den Diskursen der Arbeit wurden in einem dritten Schritt traditionelle Konzepte der Lust und ihre zeitgenössischen Aktualisierungen entgegengehalten. An ihnen wurde dann der Versuch unternommen, eine ideologie- und arbeitskritische Perspektive des Hedonismus fruchtbar zu machen. Die Differenzierung solidarischer von narzisstischer Lust schloss den Theorieteil ab und diente im Folgenden als maßgebliche Perspektivierung der literarischen Texte.

Für die Analyse wurden je zwei Angestelltenromane aus Zeiten der Krise analysiert, das heißt Zeiträumen, die im kollektiven Bewusstsein als krisenhaft plausibilisiert werden können. Für den Zeitraum der späten...

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