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Eine Geschichte des Verhältnisses von Literatur und Wahnsinn

Experimente jenseits der Sprache

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Rasmus Rehn

Geisteskrankheiten als «Pioniere des Fortschritts»? (K. Bayer)


Diese diskursanalytische Studie untersucht die Bedeutung und Funktion psychiatrischen Wissens in der Gegenwartsliteratur. Neben systematischen Analysen der Prosa-Werke einiger zeitgenössischer Autoren bietet diese Untersuchung auch einen historischen Überblick, der zeigt, wie stark die Gegenwartsliteratur von älteren Vorstellungen des Wahnsinns beeinflusst ist.

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Vorwort

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Ausgehend von der in Wahnsinn und Gesellschaft formulierten These Foucaults, dass sich der von der Vernunft zum Schweigen verurteilte Wahnsinn noch in Ansätzen in der modernen Literatur zeige, wendet sich die vorliegende Arbeit dem Verhältnis von Wahnsinn und Literatur zu. Dabei zeigt sich, dass nicht nur im 20. Jahrhundert, sondern auch nach der Jahrtausendwende zahlreiche Romane pathologische Themen behandelten. Die literarische Darstellung psychisch devianter Menschen und die oft damit einhergehende Beschäftigung mit psychiatrischem Wissen ist in der Kunst nichts Ungewöhnliches mehr. Allerdings zeigt sich bei der Beschäftigung mit der kaum mehr überschaubaren Literatur zu diesem Themenbereich, dass die Frage nach der Motivation der Autoren nur wenig Beachtung findet. Dabei steht hinter der Behandlung von Geisteskrankheiten in einem Roman oft nicht nur eine diffuse „Lust am Anormalen“, sondern auch eine kritische Auseinandersetzung mit der Abbildungsfunktion der eigenen von Vernunft geprägten Sprache. Ähnlich wie Samuel Beckett erscheint den Dichtern die eigene Sprache als ein „Schleier […], den man zerreißen muss, um an die dahinter liegenden Dinge (oder das dahinter liegende Nichts) zu kommen.“1 Der Wahnsinn ist für sie also ein geeignetes Mittel bei der „Zerstörung“ der Sprache auf der Suche nach neuen Ausdrucksmitteln.

Eine solche Arbeit ist nicht möglich ohne die Hilfe und den Zuspruch zahlreicher Personen. An erster Stelle möchte ich meinem Doktorvater Herrn Prof. Dr. Ralph Köhnen danken. Er hat diese Arbeit von Anfang an unterstützt und mit kritischen Anmerkungen begleitet. Hilfreich war...

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