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Gewalt, Krieg und Geschlecht im Mittelalter

Edited By Amalie Fößel

Gewalt und Krieg sind heute wie auch in der Vormoderne keine ausschließlich männliche Domäne, sondern Räume der Männer und Frauen gleichermaßen. In Zeiten kriegerischer Auseinandersetzungen werden Geschlechterrollen ausgebildet, konforme und abweichende Verhaltensweisen ausprobiert und Konzepte von Männlichkeit und Weiblichkeit entwickelt. Erstmals für die Epoche des Mittelalters (7.-16. Jahrhundert) werden daraus resultierende Fragestellungen im interdisziplinären und kulturübergreifenden Vergleich untersucht. Die Beiträge erörtern Geschlechterbeziehungen auf Darstellungs- und Handlungsebene und beschreiben Interaktionsformen in Kontexten von Gewalt und Krieg. Über den europäischen Raum mit seinen zahlreichen Fehden und Heerzügen hinaus werden auch die Kreuzzüge in den Blick genommen.

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Kämpfer und ihre Körper. Bemerkungen zur „kriegerischen Männlichkeit“ im späten Mittelalter (Jörg Rogge)

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Jörg Rogge

Kämpfer und ihre Körper.

Bemerkungen zur „kriegerischen

Männlichkeit“ im späten Mittelalter
*

Abstract: The essay analyzes how in different types of texts (sermons, ego documents, chronicles, and poetry) late medieval authors describe and narrate martial masculinity based on certain schemata and narrative styles. The authors use similar, often positive narrative styles and schemata to present a recurring, certain notion of martial masculinity.

Anfang des 13. Jahrhunderts kritisierte der französische Prediger Jakob von Vitry (1160/70–1240) die Praxis der Turniere, ja er verurteilte sie als Todsünden.* Hochmut sei im Spiel, denn die Kämpfer strebten nach Ruhm. Es gebe Neid, denn einer gönne dem anderen nicht den Erfolg. Hass entstehe, weil dabei der Gegner verwundet oder gar getötet werden könne.

Habsucht sei ein Motiv, weil die Sieger ihren unterlegenen Gegnern Waffen und Pferde raubten. Und schließlich sah der Prediger darin Vergnügungssucht, weil die Ritter durch ihr Auftreten Frauen gefallen wollten. Hier wird eine kriegerische Männlichkeit narrativ konstruiert; allerdings zielen die in dem Text verwendeten Argumente und Erzählmuster darauf, diese Form der Männlichkeit zu diskreditieren. Jakob von Vitry benutzte Erzählschemata aus dem Katalog der Todsünden, um seiner Darstellung der Turniere und der dort kämpfenden Männer einen kritischen, ablehnenden Sinn zu geben.

Ulrich von Lichtenstein erzählte in seinem um 1250 entstandenen Frauendienst die kriegerische Männlichkeit, wie sie in den Turnieren performativ zum Ausdruck gebracht wurde, hingegen völlig anders: die Teilnahme an Turnieren sei ein nützliches Training, man könne dabei materiellen Gewinn machen sowie Ruhm und Ehre erwerben, sein Selbstbewusstsein stärken und Frauendienst ←125 | 126→leisten.2 Ulrich entwarf somit ein positives Bild von kriegerischer Männlichkeit und verwendete dazu andere Schemata in seinem Text als Jakob, nämlich solche, wie Lernen, Ruhm, Gewinn. Durch ihre Verwendung kann er die Turnierpraxis in ein positives Verhältnis zur kriegerischen Männlichkeit setzen.

Kriegerische Männlichkeit ist also zum einen eine Idee oder Leitvorstellung, an der sich Männer orientieren können, um sich in ihrer Geschlechterrolle angemessen zu verhalten und zum anderen kann diese Idee benutzt werden, um in sehr unterschiedlichen Textgenres kriegerische Männlichkeit mit positiven oder negativen Wertungen zu versehen.3 Zu unterscheiden sind also die Ideen und Vorstellungen in Kulturen von „Männlichkeit“ einerseits von der Art und Weise, wie diese Vorstellungen praktiziert wurden, vom „Mannsein“ andererseits. Es gibt und gab unter dem Label „Männlichkeit“ eine erhebliche Bandbreite von Möglichkeiten, dieses „Mannsein“ zu leben. Dieser Perspektive widmet sich die Forschung seit geraumer Zeit unter der Leitperspektive „Norm und Realität“. Mich interessiert indes, wie Zeitgenossen über kriegerische Männlichkeit gedacht und wie sie diese spezielle Männlichkeit beschrieben bzw. erzählt haben.4 Denn Männlichkeit verweist im Mittelalter nicht auf den männlichen Körper, dessen biologische und anatomische Merkmale relativ konstant über die Zeit blieben, sondern eher auf die Bedeutungen, die eine Gesellschaft an eine Person mit einem männlichen Körper übertragen hat und die sich über die Zeit verändert haben.5 Weil die Antworten darauf überwiegend aus schriftlicher ←126 | 127→Überlieferung zu gewinnen sind, frage ich konkret nach den sprachlichen Schemata oder Mustern, die Autoren benutzt haben, um Männer als Kämpfer, als einen „manlich man“ zu charakterisieren. Solche Schemata oder Muster in den Texten, die über kriegerische Männer und ihre Körper berichten, waren zentral für das Verständnis der Rezipienten und dienten dazu, komplexe kulturelle Sachverhalte in vermittelbare und verständliche Darstellungsformen zu transformieren.

Kulturen haben eine materiale, soziale und mentale Komponente. Kultur ist ein von Menschen erzeugter Gesamtkomplex von Vorstellungen, Bedeutungen, Denkformen und Symbolen, die meistens sprachlich vermittelt werden.6 In Form von Symbolsystemen materialisieren sich u.a. auch Erzählungen über „kriegerische Männlichkeit“. Deshalb kommen für die Untersuchung grundsätzlich alle einschlägigen Texte in Frage: z.B. Ritterspiegel, Chroniken, Lieder, Gedichte, Selbstzeugnisse.

„Kriegerische Männlichkeit“ wird in diesen Texten mittels eines Repertoires an Erzählmustern bzw. Schemata erzählt und damit den Lesern bzw. Hörern vermittelbar. Deshalb ist es aussichtsreich, „durch die Analyse der Formen und Funktionen des Erzählens kulturell geprägte Werte, Normen, Weltbilder und Kollektivvorstellungen zu rekonstruieren, die sich in verdichteter Form in narrativen Texten, also der materialen Kultur, manifestieren“.7

Was sind Schemata bzw. Erzählmuster? Schemata sind in einem sehr allgemeinen Sinn Muster, die ein „bestimmtes Objekt, ein Ereignis, eine emotionale Qualität, eine Ereignissequenz als einen Zusammenhang wesentlicher Elemente“ erfassen.8 Wenn man eine Geschichte hört oder liest, werden Schemata beim Leser/Hörer aufgerufen, die dazu beitragen, das Gehörte oder Gelesene nachzuvollziehen und zu verstehen. Mittels Schemata werden Einzelheiten in einen Zusammenhang gebracht und damit bekommt eine Erzählung einen Sinn. Man kann zwei grundlegende Formen unterscheiden: latente und manifeste Schemata.

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Latente Schemata sind im Gedächtnis gespeichert; sie enthalten das Wissen, das Individuen im Leben erwerben. Dieses Wissen wird durch Kommunikation mit anderen Menschen abgestimmt und auf diese Weise konventionalisiert. Manifeste Schemata entstehen im Zusammenspiel von solchen latenten Schemata mit den Daten der aktuellen Wahrnehmung. Die allmähliche Verfestigung der mentalen Repräsentation einer bestimmten Situation, einer bestimmten Handlungsfolge oder einer bestimmten Narration bezeichnet man als manifestes Schema. Schemata oder Erzählmuster sind also für das Verstehen von Erzählungen zentral; und deshalb verwenden Autoren eben bestimmte Schemata, um die Leser/Hörer von einem bestimmten Sinn in der Erzählung zu überzeugen. Welche Erzählmuster oder Schemata haben spätmittelalterliche Autoren nun verwendet, um die kriegerische Männlichkeit zu erzählen? Im Folgenden stelle ich einige Beispiele für solche Schemata vor allem in spätmittelalterlichen Chroniken vor, bei denen der Körper der Kämpfer eine zentrale Bedeutung hat: Regenerations- und Leidensfähigkeit (1), Wunden und Narben (2), Körperrelationen (3) sowie Tapferkeit und Todesverachtung (4). Ein Fazit (5) schließt diese Skizze ab.

In diesen Erzählmustern haben die Körper eine zentrale Funktion bei der Darstellung von kriegerischer Männlichkeit; auf sie wird dabei unmittelbar sowie mittelbar Bezug genommen. Die Unmittelbarkeit wird mittels Verwundung, Versehrtheit, Aushalten von Entbehrungen erzählt. Die Mittelbarkeit wird deutlich gemacht durch die Verwendung von relationalen Beziehungen, die zu den Körpern der Kämpfer hergestellt werden.9

1. Regenerations- und Leidensfähigkeit

Der Körper war das zentrale Werkzeug der Kämpfer. Sehr viele Erzählungen bedienen sich deshalb bestimmter Muster, um das Training und die Ausbildung der Jungen zu Kämpfern sinnhaft zu erzählen.10 Weitere Schemata werden verwendet, um die Regenerationsfähigkeit von erfahrenen Kämpfern zu vermitteln. So erzählte der englische Ritter und Autor Thomas Grey in seiner Scalacronica, dass sein Vater 1303 während einer Belagerung von einem Bolzen am Kopf getroffen worden und wie tot zu Boden gefallen sei. Sein Grab sei schon ←128 | 129→ausgehoben worden, als er sich wieder bewegte und die Augen aufschlug. Er habe sich auch schließlich wieder ganz erholt.11 Ludwig von Eyb berichtete, wie Lorenz von Schaumberg (†1485) während der Belagerung von Saatzig (Pommern) 1478 von einem Stein am Kopf getroffen wurde, von einer der Sturmleitern fiel und scheinbar tot auf dem Boden lag. Wilwolt von Schaumberg habe ihn daraufhin vom Schlachtfeld geschleppt und in Sicherheit gebracht. Drei Tage habe Lorenz bewusstlos auf seinem Bett gelegen, wobei man ihm regelmäßig eine Feder vor den Mund hielt, um so zu überprüfen, ob er noch atmet. Als er schließlich wieder zu Bewusstsein kam, verlangte er zuerst eine Suppe.12 Mit diesen Beispielen machen die Autoren deutlich, dass die Fähigkeit, im Kampf erlittene schwere Verwundungen überleben zu können, und somit in der Zukunft an weiteren Kämpfen teilnehmen zu können, nicht nur Glück, sondern ein wichtiges Merkmal von kriegerischer Männlichkeit war.

Eine weitere Variante des Erzählmusters zielt auf die Stärkung der Bindung der militärischen Führer an ihre Männer ab. Damit wollte man sich deren Loyalität und Kampfbereitschaft versichern. Wie die Führer das erreicht haben, wurde häufig mit dem Verweis auf gemeinsam ertragene Leiden erzählt: Kälte, Hitze, schlechtes Essen sowie Durst. Der italienische Söldnerführer Federico di Montefeltro – so sein Biograph – konnte geduldig Kälte, Hitze, Hunger, Durst, Schlafmangel ertragen, ohne davon besonders beeinträchtigt zu werden. Das machte ihn zu einem Vorbild für seine Soldaten.13 Ergänzt wird dieses Schema durch die Erzählung von Feldherren, die sich gemeinsam mit ihren Kämpfern dem Feind stellen und so die Aufhebung von Hierarchie im Kampf praktizieren. Die englischen Könige Edward III. in der Schlacht bei Crécy 134614 und Heinrich V. in der Schlacht bei Agincourt 141515 motivierten ihre Soldaten, indem ←129 | 130→sie sich gemeinsam mit ihnen in die Schlachtreihen aufgestellt haben. In diesen Erzählungen wird die Gemeinschaft der Könige mit ihren Kämpfern betont. Die Könige wurden damit zu einem Teil des „Kampfkörpers“.16

2. Wunden und Narben

Im Gefecht erlittene Wunden wurden im Verlauf des Heilungsprozesses zu Narben. Sie konnten in den Erzählungen als ein in den Körper eingeschriebener und unauslöschbarer Beleg für die Tapferkeit und im Kampf gewonnene Ehre präsentiert werden. Sie waren Ehrenabzeichen kriegerischer Männlichkeit, wie der mittelrheinische Anonymus etwa im Falle des Gottfried von Hohenlohe-Bruneck berichtet, der 1298 bei Göllheim kämpfte und dabei verletzt wurde. Seine später noch sichtbaren Narben sind Beleg für seine Tapferkeit: Er trägt noch [heute] unter den Augen [im Gesicht] – ich sage das ohne zu schmeicheln – des ehrlichen Kampfes ‚Schriftzeichen, Siegel und Urkunde‘.17 Der italienische Söldnerführer Bracio da Montone, so erzählt sein Biograph Giovanni Antonio Campano, habe seine Soldaten gar anhand ihrer Narben ausgewählt. Am liebsten suchte er jene aus, die im Gesicht Narben hatten und deren andere Glieder von Hieben und Schlägen gezeichnet waren und gerade wegen dieser Narben hohes Ansehen genossen.18 Die Narben in den Gesichtern waren der sichtbare Ausdruck ihrer Tapferkeit ebenso wie ihrer Leidensfähigkeit, nämlich Wunden hinzunehmen und auszuhalten. Sie zeigen zum einen die Zerbrechlichkeit des menschlichen Körpers, zum anderen aber auch seine Fähigkeit, Schmerzen zu ertragen. Sie sind zudem ein Symbol dafür, dass der Kampfgeist ebenso regeneriert wird wie die Haut sich durch die Narbenbildung regeneriert.19 Narben als Zeichen der Tapferkeit (und damit auch der Ehre) waren ein wichtiges Erzählmuster zur Darstellung von kriegerischer Männlichkeit.

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Weiterhin wurde auch das Schema „Schmerzen ertragen ohne zu klagen“ verwendet. Der spanische Gesandte hat es in seinem Bericht über das Turnier 1436 in Schaffhausen benutzt: Wenn einer getroffen wird und fällt, so gilt er noch nicht als ein schlechter Ritter, sondern nur, wenn er schreit und klagt, er sei verwundet, und die Arme emporhält, bis man ihn aufhebt.20 Hier wird eindeutig ein Zusammenhang hergestellt zwischen dem Aushalten eines Falls vom Pferd und der damit verbundenen Schmerzen und Verletzungen des Körpers und dem Ansehen als Kämpfer, Ritter. Vom Gegner getroffen und vom Pferd geworfen zu werden, ist an sich kein Anlass für Ansehensverlust. Dieser Verlust tritt erst in dem Moment ein, wenn der Gefallene um Hilfe ruft und seine Verwundung beklagt. Diese Schemata dienen dazu, die Tapferkeit (Fortitudo) von Kämpfern in den Erzählungen hervorzuheben und diese Qualitäten als zentral für die kriegerische Männlichkeit – neben der körperlichen Fähigkeit, die Belastungen im militärischen Alltag und im Kampf auszuhalten – erscheinen zu lassen.

3. Körperrelationen

Kriegerische Männlichkeit und Tapferkeit wird in den Erzählungen häufig auch dadurch gekennzeichnet, dass die Kämpfer in Relation zu anderen Personen gesetzt werden, wodurch ein mittelbarer Körperbezug hergestellt wird. Dazu werden die Kämpfer indirekt oder direkt mit anderen Kämpfern (Gegnern) oder auch Frauen in Relation gesetzt. Die verschiedenen Formen bzw. Ausprägungen von Männlichkeit erfolgen epochenübergreifend durch die doppelte Distinktion gegenüber Frauen und anderen Männern.21 Das lässt sich auch anhand der Erzählmuster zur Darstellung von kriegerischer Männlichkeit zeigen. Dabei werden verschiedene Varianten deutlich, mit denen diese Relationen erzählt wurden. Frauen erkundigten sich zum Beispiel nach dem Namen eines Kämpfers, der ihnen besonders aufgefallen ist. Der Dichter Hirzelin benutzt in seinem Gedicht über die Schlacht bei Göllheim 1298 dieses Muster, um Herzog ←131 | 132→Heinrich von Kärnten zu loben. Auf die Frage von (namentlich nicht genannten) Frauen, wer der Fürst sei, der so kämpferisch auf dem Schlachtfeld reitet und sein Leben für die Ehre aufs Spiel setzt, antwortet er in direkter Rede, dass es sich um Heinrich von Kärnten handele. Er sei ein Beschützer edler Damen, ihr Vertrauter, ihr Geliebter (ein vrowen heil, ir traut, ir zart).22 Die Namen der Frauen werden hier ebenso wenig genannt wie im nächsten Beispiel, das aus der Chronik von Jean Froissart stammt.23 Der Söldner Louis Roubaud hatte in Brioude (Auvergne) eine Freundin, die er von ganzem Herzen liebte. Als er die Stadt für einige Zeit verlassen musste, vertraute er die Frau (deren Namen nicht erwähnt wird) der Obhut seines Waffenbruders Limousin an, dem er bedingungslos vertraute. Doch der kümmerte sich so sehr um die junge Frau, dass sie ihm alles gab, was er sich wünschte. Als Louis das herausfand, stellte er ihn zur Rede; anschließend ließ er den bis auf seine Unterhose nackten Limousin als Verräter unter dem Klang von Trompeten aus der Stadt führen. Der wartete auf eine Gelegenheit, sich zu rächen und tatsächlich konnte Limousin seinen Kontrahenten einige Monate später mit der Unterstützung seines ehemaligen Herren (Lord von Voulte) überfallen und gefangen nehmen. Seine Begleiter wurden alle erschlagen. Limousin fragte Louis Roubaud spöttisch, ob er noch wisse, wie er ihn zum Objekt von Schande und Demütigung wegen seiner Geliebten gemacht habe? Er könne sich nicht vorstellen, dass man das einem Waffenbruder wegen einer Frau antue. Wenn du mir eine Geliebte ausgespannt hättest, so Limousin weiter, wäre ich nicht so wütend geworden, denn Waffenbrüder, wie wir damals waren, hätten darüber hinwegsehen sollen.

Diese Geschichte ist ein guter Beleg für die homosoziale und männerbündische Vergesellschaftung der Kämpfer. Die ungenannte Frau in dieser Erzählung dient nicht dazu, Louis‘ Männlichkeit im Verhältnis zu Frauen zu profilieren, sie war vielmehr ein Werkzeug, um sein Verhältnis zu anderen Männern, konkret zu seinem Waffenbruder zu demonstrieren. Die Freundschaft zum Waffenbruder ist wichtiger als die Liebe zu Frauen; wegen einer Frau sollte ein Kämpfer auf den anderen nicht eifersüchtig sein. Die Referenz auf Frauen dient dazu, bestimmte Merkmale der kriegerischen Männlichkeit herausheben zu können. Frauen sind sonst – so die von Froissart erzählte Geschichte – eher eine Gefahr für die kriegerische Männlichkeit. Sich so zu verhalten wie Louis, bedeutet die ←132 | 133→Waffenbrüderschaft aufzukündigen. Doch im Kontext der kriegerischen Männlichkeit war das Vertrauen darauf, sich auf den Mitkämpfer verlassen zu können, von zentraler Bedeutung. Sich ernsthaft einer Frau zuzuwenden, wurde als eine Infragestellung dieser Priorität aufgefasst.24

Ein weiteres Muster, um die Tapferkeit eines Kriegers mittels der Relationen seines Körpers zu dem eines anderen Kämpfers zu erzählen, ist die Darstellung von Zweikämpfen im Getümmel auf dem Schlachtfeld. Thomas Grey erzählt in seiner Scalacronica von dem Ritter William Marmion, der sich 1320 bei Norham in einer schimmernden Rüstung schottischen Angreifern stellte. Er wird während des Getümmels im Gesicht verletzt, von einem Angreifer von seinem Pferd zu Boden gezogen und wäre wohl gefangen genommen worden, wenn nicht der Vater des Chronisten mit seinen Truppen William aus der gefährlichen Situation befreit hätte.25 Georg von Ehingen beschreibt seinen Zweikampf mit einem Heiden vor Fez (Marokko) im Jahr 1456. Er bat seinen Befehlshaber darum, gegen den namenlosen Heiden kämpfen zu dürfen, weil er gut gerüstet und wendig im Ringharnisch sei. Zuerst ritten die beiden Kämpfer mit eingelegten Lanzen aufeinander zu und stachen sich gegenseitig von ihren Pferden; dann sprangen sie auf und griffen sich mit den Schwertern an. Sie schlugen hart aufeinander ein und fielen zu Boden; setzten den Kampf als Ringkampf fort. Schließlich gelang es Georg, seinem Gegner einen Stich in das Gesicht zu versetzten. Der war danach kaum noch kampffähig und so konnte Georg ihm den finalen, tödlichen Stich in den Hals versetzen. Auch wenn sein Gegner ein treffenlich starker man war und Georg feststellen musste, dass sin sterkin die min wyt übertraff konnte er ihn schließlich doch besiegen.26

4. Tapferkeit und Todesverachtung

In den Erzählungen wird deutlich, dass kriegerische Männlichkeit verbunden ist mit einer notwendigen positiven Aggressivität. Diese Aggressivität wird in Erzählungen auch in Form von Jagdmetaphern dargestellt. Diese Schematisierung ist besonders adressatenorientiert, denn sowohl bei der Jagd als auch im ←133 | 134→Kampf ist tapferes und aggressives Verhalten angebracht und notwendig. Der Dichter Hirzelin benutzt diese Schemata, um das tapfere Verhalten der Kämpfer in der Schlacht bei Göllheim 1298 zu erzählen. Markward von Schellenberg, so schrieb er, habe sich dem Feind so stolz gestellt wie kein Keiler je einer Hundemeute (Vor hunden nie ein swäner gestaont so stolz ze pile).27 Und Ulrich von Waldsee sei wie ein hungriger Jagdfalke auf Beutefang heran gejagt und habe die Schlachtreihen der Gegner durchbrochen (Reht sam ein lustich federspil, neben einer rivir auf hungers zil, chom er dort herjagende).28

Die ultimative Darstellung kriegerischer Männlichkeit erfolgt mit dem Schema „Todesverachtung und im Kampf sterben“. Der mittelrheinische Anonymus erzählt, König Adolf von Nassau habe sich bei Göllheim 1298 wie ein Mann, der den Tod herausfordert, verhalten.29 Mit dem König gefallen waren auch drei junge Ritter, die gemeinsam mit ihm gekämpft und mit ihm Not und Tod erlitten hatten (Die dâ bî ime liden nôt, wie drin juncherren lâgen dôt.).30

Jean Froissart beschreibt in seiner Chronik den Tod von James Douglas in der Schlacht bei Otterburn 1388. Die Schotten wurden abends in ihrem Lager von den Engländern überrascht und diese waren kurz davor, die Schotten zu besiegen. Doch dann griff sich James Douglas eine Streitaxt und stürzte sich – ohne vorher seine komplette Rüstung angezogen zu haben – in das Kampfgetümmel. Wie Hector, der trojanische Held, sei er vorangestürmt, wurde dann aber, von Lanzen in der Hüfte und im Bauch getroffen, schwer verletzt. Neben ihm lag – ebenfalls schwer verwundet – ein weiterer Ritter (Robert Hart). Als die beiden von weiteren schottischen Kämpfern erreicht wurden, lag James Douglas zwar im Sterben, feuerte seine Männer aber noch zum Weiterkämpfen an. Er dankte Gott dafür, hier auf dem Schlachtfeld sterben zu dürfen, denn nur wenige seiner Vorfahren seien im Bett gestorben. Danach forderte er seine Kämpfer auf, sein Banner wiederaufzurichten, den Schlachtruf ‚Douglas‘ zu schreien und weiter zu kämpfen. Sie sollten nicht verbreiten, dass er tödlich verwundet sei, denn dadurch könnten ihre Kämpfer den Mut verlieren.31 Froissart strukturiert seine Erzählung vom Kämpfen und Sterben des James Douglas mittels der Schemata als eine Heldenerzählung von einem Kämpfer, der noch im Sterben über seine ←134 | 135→Person hinausdenkt und damit praktisch den Sieg über die Engländer einleitet, indem er diese erstens durch seinen Einsatz aufhält und zweitens seine Männer auffordert, ohne Rücksicht auf ihn zu nehmen, weiter zu kämpfen. Der Tod von James Douglas auf dem Schlachtfeld bei Otterburn 1388 ist jedoch auch anders erzählt worden, nämlich als die Konsequenz seines Versagens als Heerführer und Strafe für sein leichtsinniges Verhalten. Der schottische Chronist Walter Bower schildert ebenfalls den englischen Angriff auf das schottische Lager – allerdings mit dem Vorwurf, Douglas habe nicht die notwendigen Vorbereitungen getroffen, um einen Überraschungsangriff zu vermeiden. Beim Anlegen seiner Rüstung habe er dann hektisch Fehler begangen, weshalb er Kopfwunden erlitten habe. Schließlich findet Douglas nicht den Heldentod und motiviert zuvor seine Kämpfer, sondern wird fast unbemerkt von einem namenlosen Ritter erschlagen.32

Froissart beschrieb eine ritterlich kriegerische Männlichkeit in klassischer Weise: Den Tod nicht scheuen, bis zuletzt tapfer kämpfen, erst der Übermacht unterliegen. Aber noch im Sterben seine Männer motivieren und Beispiel für Führungskraft geben. Konsequenz: James Douglas hat Ehre gewonnen, sein tapferes Verhalten ist zu rühmen und zu erinnern. Bower hingegen erzählte die Episode als Warnung vor unüberlegtem und überheblichem Handeln und Verhalten. Douglas Hochmut und sein Mangel an Führungskraft führen als Konsequenz zu seinem schäbigen Tod. Die Schotten gewinnen auch ohne seine Anfeuerung die Schlacht. Bower präsentiert James Douglas als ein negatives Beispiel für einen militärischen Führer, der die Lage völlig falsch eingeschätzt hatte. Kriegerische Männlichkeit, so seine Botschaft, bedeutete auch immer, auf Angriffe der Feinde vorbereitet zu sein und diese nicht zu unterschätzen.

5. Fazit

Hier habe ich vor allem Chroniken von Verfassern aus verschiedenen Ländern vorgestellt, um zu zeigen, wie in diesen Texten kriegerische Männlichkeit unter Einbeziehung der Körper der Kämpfer erzählt wurde. Dabei benutzen die Autoren ähnliche Erzählmuster bzw. Schemata, um diese Spielart der Männlichkeit ←135 | 136→in ihrer praktischen Ausführung des Mannseins zu strukturieren und mit Sinn zu versehen. Die hier vorgestellten Erzählmuster haben die Aufgabe, die prinzipiell vielfältigen Ausdruckformen von ‚kriegerischer Männlichkeit‘ auf wenige Aspekte, die in der Erzählung betont werden sollen, zu reduzieren. Die Vielfalt der möglichen Erscheinungsformen von kriegerischer Männlichkeit wird mittels der Schemata zu leicht wiederzuerkennenden Typen konfiguriert, ohne sie exakt definieren zu müssen.33 Die Erzählmuster oder Schemata von kriegerischer Männlichkeit werden dabei in bestimmten Kontexten jeweils akzentuiert. Durch das Erzählen unter Benutzung der hier vorgestellten Schemata wird die Idee oder Vorstellung von kriegerischer Männlichkeit in den sozialen Kontexten, in denen die Texte gehört oder gelesen wurden, aktiviert. Die Adressaten konnten erfahren und sich bestätigt fühlen, dass diese Art von Männlichkeit sehr sinnvoll ist. In den Erzählungen werden die Vorstellungen gleichsam in die Praxis übertragen.

In den hier vorgestellten Texten wird die kriegerische Männlichkeit mit Erzählmustern vergegenwärtigt, die man unter dem Oberbegriff „male bonding“ zusammenfassen kann.34 In der Forschung zu Männerbünden sind einige Merkmale herausgearbeitet worden, die sich auch im Erzählrepertoire für die kriegerische Männlichkeit finden lassen. Dabei werden die Gegner der eigenen Truppen in Schlachten von den Chronisten nach den gleichen Kriterien bewertet bzw. der Maßstab für das männliche Verhalten in der eigenen Gruppe wird von Autoren zur Bewertung der Gegner benutzt. Man steht sich zwar im Kampf gegenüber, ist jedoch im Prinzip denselben Werten verpflichtet: Härte zeigen; Strapazen aushalten; Tapferkeit im Kampf; Loyalität zu den Waffenbrüdern; Aggressivität a) mit der Bereitschaft, sein Leben einzusetzen und b) in der Konkurrenz untereinander, und Rangstreit in der Gruppe, Hochachtung der Ehre (die individuelle und die der Gruppe) und Distanz zu Frauen. Diese sind ehrenwerte Zuschauerinnen, denen die Krieger Reverenz erweisen (wie oben am Beispiel der Schlacht bei Göllheim gezeigt) oder sie sind für echte Krieger ein ←136 | 137→Zeitvertreib, aber auf keinen Fall echter Treue und Zuwendung Wert. Die emotionale Bindung ist die der Waffenbrüder untereinander. Wie die von Froissart erzählte Geschichte des schweren Konfliktes zwischen den Waffenbrüdern Louis Roubaud und Limousin illustriert, bringt die emotionale Zuwendung zu Frauen automatisch Rivalität in den Männerbund der Krieger.

Es gab eine Vorstellung von kriegerischer Männlichkeit, die als Orientierung für die Praxis des Mannes und Kämpferseins dienen konnte. In den Texten wird die Vermittlung zwischen der Vorstellung und der Praxis mittels der Schemata kommuniziert. Umgekehrt kann man aus der jeweils in den Texten erzählten kriegerischen Männlichkeit auf die im darin behandelten sozialen und kulturellen Kontext präferierten Vorstellungen und Praktiken von kriegerischer Männlichkeit schließen. Dabei sind die Körper der Kämpfer von Bedeutung, denn sie werden mit den eben erwähnten Schemata in sinnhafte Erzählungen eingebaut.35 Mit der Bezugnahme auf Körper können die Autoren ihre Vorstellungen von kriegerischer Männlichkeit für die Praxis des Geschichtenerzählens funktionalisieren. Die kriegerische Männlichkeit war, das sei zum Abschluss noch einmal betont, nur eine mögliche Vorstellung und Praxis des Mannseins im Mittelalter wie in der Frühen Neuzeit.36 Mittels der hier vorgestellten Erzählmuster wurden diese jedoch auch in Chroniken, Liedern etc. – und eben nicht nur in der einschlägigen höfischen Literatur – präsent gemacht und somit verbreitet. Insofern darf man wohl doch von einer größeren Reichweite der Idealvorstellung vom kampfbereiten und wehrhaften Mann im späten Mittelalter ausgehen, als in der Forschung konstatiert wurde.37

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* Die Vortragsform wurde weitgehend beibehalten.

* Sabine Krüger: Das kirchliche Turnierverbot im Mittelalter, in: Josef Fleckenstein (Hg.): Das ritterliche Turnier im Mittelalter. Beiträge zu einer vergleichenden Formen- und Verhaltensgeschichte des Rittertums, Göttingen 1985, S. 401–422, hier S. 407–408; Josef Fleckenstein: Rittertum und Ritterliche Welt, Berlin 2002, S. 208–09.

2 Ulrich von Lichtenstein: Frauendienst, hg. von Franz Viktor Spechtler (Göppinger Arbeiten zur Germanistik 485), Göppingen 1987, S. 6 Turniere als nützliches Training: da ich vil turnirens vant, von knehten; daz was do der sit, si lernten riterschaft da mit; S. 52 Turniere für Ruhm, Ehre, Gewinn: het da zwir fünfzic ritter guot, zuo dem geviel der ere holt, daz was der margrave Diepolt, der het dar wan zwelf ritter braht, die heten uf gewin gedaht; S. 65 Turniere als Frauendienst: sus schiet ich von ir an der stunt und fuor mit freunden sa zehant allenthalben in diu lant tunieren aber nach ritters site, des dient ich miner vrowen mite.

3 Bea Lundt: Das Geschlecht von Krieg im Mittelalter. Der Ritter – eine Ikone heldenhafter Männlichkeit, in: Christoph Kaindel, Andreas Obenaus (Hg.): Krieg im mittelalterlichen Abendland (Krieg und Gesellschaft), Wien 2010, S. 411–435, besonders S. 422–425: Die Vielfalt kriegerischer Männlichkeiten.

4 Derek Neal: Masculine Identity in Late Medieval English Society and Culture, in: Nancy Partner (Hg.): Writing Medieval History, London 2005, S. 171–188, argumentiert S. 175, dass geschlechtliche Identität und deshalb auch Männlichkeit in einem dialogischen Prozess zwischen dem Individuum und seiner Kultur produziert wird.

5 Ruth Mazo Karras: From Boys to Men. Formations of Masculinity in Late Medieval Europe, Philadelphia 2003, S. 3.

6 Siehe z.B. dazu Ernst Wolfgang Orth: Ernst Cassirer als Kulturwissenschaftler, in: Iris Därmann, Christoph Jamme (Hg.): Kulturwissenschaften. Konzepte, Theorien, Autoren, München 2007, S. 269–289.

7 Ansgar Nünning: Wie Erzählungen Kulturen erzeugen. Prämissen, Konzepte und Perspektiven für eine kulturwissenschaftliche Narratologie, in: Alexandra Strohmaier (Hg.): Kultur – Wissen – Narration. Perspektiven transdisziplinärer Erzählungen für die Kulturwissenschaften, Bielefeld 2013, S. 15–54, hier S. 29.

8 Nach Michael Neumann: Die fünf Ströme des Erzählens. Eine Anthropologie der Narration, Berlin, Boston 2013, S. 64–66.

9 Dazu ausführlich Jörg Rogge: Kämpfer als Schreiber. Bemerkungen zur Erzählung von Kriegserfahrungen und Verwundung in deutschen Selbstzeugnissen des späten Mittelalters, in: Ders. (Hg.): Kriegserfahrungen erzählen. Geschichts- und literaturwissenschaftliche Perspektiven, Bielefeld 2016, S. 73–106, hier S. 96–97.

10 Dazu ausführlicher Rogge: Kämpfer als Schreiber (wie Anm. 9), S. 81–86.

11 Sir Thomas Gray: Scalacronica 1272–1363, hg. von Andy King, Woodbridge 2005, S. 47. Dazu auch Jörg Rogge: Tote Ritter – tote Pferde. Bemerkungen zu Körpern im Kampf während des 14. Jahrhunderts, in: Michael Fischer, Kurt Seelmann (Hg.): Körperbilder. Kulturalität und Wertetransfer, Frankfurt/Main 2011, S. 261–272.

12 Ludwig von Eyb: Die Geschichten und Taten Wilwolts von Schaumburg, hg. von Adelbert von Keller, Stuttgart 1859, S. 45: was sein erst wort, das er ein supplein het.

13 Julia Morosini: The body of the Condottiero. A link between physical pain and military virtue as it was interpreted in Renaissance Italy, in: Jörg Rogge (Hg.): Killing and being killed: Bodies in battle. Perspectives on fighters in the Middle Ages, Bielefeld 2017, S. 165–197, hier S. 173.

14 Ulrich Lenhart: Crécy 1346, in: Dietrich Ebeling, Volker Henn u.a. (Hg.): Landesgeschichte als multidisziplinäre Wissenschaft. Festgabe für Franz Irsigler zum 60. Geburtstag, Trier 2001, S. 167–195, hier S. 185.

15 John Matusiak: Henry V, London, New York 2013, S. 152–157.

16 Rogge: Tote Ritter (wie Anm. 11), S. 261–272.

17 Pseudo-Cilies und sein Gedicht „Die Schlacht bei Göllheim“, in: Karl Scherer (Hg.): Göllheim. Beiträge zur Ortsgeschichte, Göllheim 2006, S. 61–66, hier S. 64. Das mittelhochdeutsche Original S. 69: Dat wizzet sunderlougen: He dreit noch under ougen (Ich spreche it sunder smeichen), Die rechte stridens zeichen, insigel unt hantveste.

18 Julia Morosini: The body of the Condottiero (wie Anm. 13), S. 177.

19 Dazu auch Rogge: Kämpfer als Schreiber (wie Anm. 9), S. 86–96; Oliver Auge: „So solt er im namen gotes mit mir hinfahren, ich were doch verderbt zu einem kriegsmann“ – Durch Kampf und Turnier körperlich versehrte Adelige im Spannungsfeld von Ehrpostulat und eigener Leistungsfähigkeit, in: Medizin, Gesellschaft und Geschichte 28 (2009), S. 21–46.

20 Ein spanischer Bericht über ein Turnier in Schaffhausen im Jahr 1436, hg. von Karl Stehlin, in: Baseler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 14 (1915), S. 145–176, hier S. 162, wo der Verfasser weiter erklärt: Die Sättel sind nämlich so gebaut, dass der Reiter an den Beinen nicht getroffen werden kann. Aber freilich geschieht es etwa, dass ein Reiter beim Stoße zu gleicher Zeit mit dem Pferd den Kopf auf dem Boden aufschlägt, weil die Sättel hinten keine Stütze haben.

21 Dieses Argument bringen u.a. Michael Meuser, Sylka Scholz: Hegemoniale Männlichkeit. Versuch einer Begriffsklärung aus soziologischer Perspektive, in: Martin Dinges (Hg.): Männer-Macht-Körper. Hegemoniale Männlichkeiten vom Mittelalter bis heute, Frankfurt/Main 2005, S. 211–228.

22 Das Gedicht des fahrenden Sängers Hirzelin, in: Göllheim: Ortsgeschichte (wie Anm. 17), S. 30–82, Zitat S. 81.

23 The Online Froissart. A digital edition of the chronicles of Jean Froissart (https://www.dhi.ac.uk/onlinefroissart/browsey.jsp?pb0=BookIII-Translation_228r; Zugriff am 23.09.2018).

24 Vgl. Dazu z.B. Karras: From Boys to Men (wie Anm. 5), S. 11; Matthew Bennett: Military Masculinity, in: D.M. Hadley (Hg.): Masculinity in Medieval Europe, London 1999, S. 71–88, hier S. 82–84.

25 Gray: Scalacronica (wie Anm. 11), S. 81–83; dazu auch Andy King: A helm with a crest of gold. The Order of Chivalry in Thomas Gray’s Scalacronica, in: Nigel Saul (Hg.): Fourteenth Century England 1, Woodbridge 2000, S. 21–36.

26 Rogge: Kämpfer als Schreiber (wie Anm. 9), S. 85–86.

27 Göllheim (wie Anm. 17), S. 81.

28 Ebd., S. 82.

29 Ebd., S. 62, Original S. 67: Künine Adolf unversunnen dranc, als ein man, nâ dem dôde rane.

30 Ebd., S. 67.

31 Froissart Chronicles, hg. und übers. von Geoffrey Brereton, Harmondsworth 1978, S. 335–348.

32 Walter Bower: Scotichronicon, hg. von A. Brian Scott, Donald E. R. Watt, 9 Bde., Aberdeen 1987–1998, hier Bd. 7, Aberdeen 1996, S. 416; dazu auch Alexander Grant: The Otterburn war from the Scottish point of view, in: Anthony Goodman, Anthony Tuck (Hg.): War and border societies in the middle ages, London, New York 1992, S. 30–64; Alastair MacDonald: Border Bloodshed. England and Scotland at war, 1369–1403, East Linton 2000.

33 Albrecht Koschorke: Wahrheit und Erfindung. Grundzüge einer Allgemeinen Erzähltheorie, Frankfurt 32013, S. 29–32. Schemabildung beruht auf drei Grundvoraussetzungen: Verknappung (Erzählen weniger ein Transportmittel als ein Filter, wodurch die Kommunikation entlastet wird), Angleichung und Vervollständigung (unvollständige Schemata werden entsprechend der Erwartungen oder Voreinstellungen ergänzt).

34 Lionel Tiger: Männerbünde aus soziobiologischer Sicht: Reaktion und Rezeption, in: Gisela Völger, Karin von Welck (Hg.): Männerbande – Männerbünde. Zur Rolle des Mannes im Kulturvergleich, 2 Bde., Köln 1990, hier Bd. 1, S. 65–72; Helmut Blazek: Männerbünde. Eine Geschichte von Faszination und Macht, Berlin 2001.

35 Dominik Schuh: Summary and Conclusions. Silent Men and the Art of Fighting, in: Jörg Rogge (Hg.): Killing and being killed: Bodies in battle. Perspectives on fighters in the Middle Ages, Bielefeld 2017, S. 251–265, der S. 262–263 sowohl die Bedeutung der Körper als Werkzeuge für und im Kampf als auch seine Funktion als Ressource sowie als Symbol für vergangene Beteiligung an Kämpfen betont, welche in der zur Verfügung stehenden Überlieferung immer wieder deutlich gemacht werden.

36 Einen Überblick über die einschlägige Forschung liefert Bea Lundt: Die Grenzen des Heros. Vielfältige Männlichkeiten in Mittelalter und Früher Neuzeit, in: Martin Lücke (Hg.): Helden in der Krise. Didaktische Blicke auf die Geschichte der Männlichkeiten, Berlin 2013, S. 67–101.

37 In diesem Sinne argumentierte z.B. Bea Lundt: Der Mythos vom Kaiser Karl. Die narrative Konstruktion europäischer Männlichkeit im Spätmittelalter am Beispiel von Karl dem Großen, in: Martin Dinges (Hg.): Männer-Macht-Körper. Hegemoniale Männlichkeiten vom Mittelalter bis heute, Frankfurt/Main 2005, S. 37–51, hier S. 46: „Auch das Ideal des kampfbereiten und wehrhaften Mannes, wie es etwa mit dem Ritter assoziiert wird, war eher von begrenzter Reichweite“.