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Gewalt, Krieg und Geschlecht im Mittelalter

Edited By Amalie Fößel

Gewalt und Krieg sind heute wie auch in der Vormoderne keine ausschließlich männliche Domäne, sondern Räume der Männer und Frauen gleichermaßen. In Zeiten kriegerischer Auseinandersetzungen werden Geschlechterrollen ausgebildet, konforme und abweichende Verhaltensweisen ausprobiert und Konzepte von Männlichkeit und Weiblichkeit entwickelt. Erstmals für die Epoche des Mittelalters (7.-16. Jahrhundert) werden daraus resultierende Fragestellungen im interdisziplinären und kulturübergreifenden Vergleich untersucht. Die Beiträge erörtern Geschlechterbeziehungen auf Darstellungs- und Handlungsebene und beschreiben Interaktionsformen in Kontexten von Gewalt und Krieg. Über den europäischen Raum mit seinen zahlreichen Fehden und Heerzügen hinaus werden auch die Kreuzzüge in den Blick genommen.

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Der Mut eines Mannes, das Herz eines Löwen. Geschlechtsspezifische Rollenbilder und Handlungsfelder bei der Ausübung von Gewalt im Mittelalter (Christoph Mauntel)

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Christoph Mauntel

Der Mut eines Mannes, das Herz eines Löwen.

Geschlechtsspezifische Rollenbilder und

Handlungsfelder bei der Ausübung von Gewalt

im Mittelalter
*

Abstract: This paper deals with gender-specific fields of action and role models concerning violence in late medieval France. It argues that women played an active role in military conflicts, far from being only victims of male violence. However, (war-related) violence was described and measured according to virtues and ideals explicitly understood as male.

Der anonyme Chronist der Ende des 14. Jahrhunderts vermutlich in Rouen verfassten Chronique des quatre premiers Valois war kein Freund des englischen Ritters Jean Jouel (engl. John Jewel). Der Chronik zufolge finden wir den Krieger in mehreren, aus ritterlicher Sicht eher fragwürdigen Unternehmungen mal als Brandstifter, mal als williges Instrument des englischen Königs, um Waffenstillstände zu hintertreiben.1 1363 belagerte er dann die zwischen Rouen und Paris an der Seine gelegene Stadt Rolleboise. Der Chronist schrieb, dass Jouel es der Dame von Rolleboise und ihren Begleiterinnen erlaubte, die belagerte Festung zu verlassen. Er habe die Damen dann allerdings auf einen Karren gesetzt und vor einem der Festungstürme platziert, so dass die Verteidiger es nicht weiter gewagt hätten, Pfeile auf die Angreifer zu schießen. So habe Jouel die Burg schließlich eingenommen.2 Die hier knapp geschilderte Episode fügt sich in die grundsätzlich negative Darstellung Jouels in der Chronik ein: Die Einnahme Rolleboises gelang nur durch eine List, die zudem jedem ritterlich-höfischen Verhalten widersprach. Anstatt der Dame freies Geleit zu bieten, nutzte der englische Ritter ←157 | 158→sie als menschlichen Schutzschild. Mit Blick auf geschlechtsspezifische Handlungslogiken, um die es in diesem Beitrag gehen soll, bietet die Episode jedoch mehr als das erwartbare und bekannte Bild von passiven Frauen, die eigentlich geschützt werden sollten, aber dennoch immer wieder zu beklagten Opfern des Krieges wurden: Ganz knapp erwähnt der Chronist zuvor, der Turm von Rolleboise sei durch die Herrin von Rolleboise, ihre Damen und einige Adelige gut verteidigt worden.3 Zwischen der Rolle als Verteidigerin einer Burg und der als adeliger Dame, die (scheinbar) freien Abzug gewährt bekommt, dann aber als Faustpfand der Angreifer genutzt wird, scheint kein Widerspruch zu bestehen. Im Gegenteil, beide Rollen schienen der Herrin von Rolleboise offen zu stehen.

Im Folgenden stehen genau solche geschlechts- bzw. genderspezifischen Handlungsfelder und Rollenbilder im Fokus, die am Beispiel des Hundertjährigen Krieges näher analysiert werden sollen.4 Der Krieg ist hierbei ein sehr spezieller situativer Kontext, ein ‚Raum der Gewalt‘, der gewisse Handlungen überhaupt erst möglich macht, weil er gewalttätiges Verhalten begünstigt bzw. herausfordert.5 Folgt man Jörg Baberowski, entwickeln derartige ‚Gewalträume‘ quasi systemische Eigenlogiken und Handlungszwänge, die somit Rückschlüsse auf sozial bzw. geschlechtsspezifisch fundierte Rollenbilder und Erwartungshaltungen zulassen.

Gegenüber anderen intersektionellen Kategorien verspricht der Blick auf Genderaspekte hier viele Erkenntnismöglichkeiten, zumal die Rolle von anderen Kategorien, etwa ethnischer Fremdheit bei Söldnern oder des Opferstatus bestimmter Gruppen in Kriegsschilderungen (um nur zwei Beispiele zu nennen) bereits untersucht wurde.6 Gleichzeitig gilt es, der traditionellen dichotomischen ←158 | 159→Sicht, die die ‚Frau im Mittelalter‘ zwischen Opfer und Heiliger bzw. Heldin verortet, einige Grautöne hinzuzufügen.7 Dabei soll jedoch keineswegs von geschlechtsspezifisch vorgeprägten Handlungsfeldern ausgegangen werden – die Schilderung der oben zitierten Chronik über die Eroberung der Stadt Rolleboise zeigt deutlich, wie selbstverständlich weibliche und männliche Beteiligung am Krieg ineinandergriffen.8 Dennoch waren individuelle Aktionsräume von ganz ←159 | 160→verschiedenen Seiten sozialen, ständischen, ökonomischen und vermutlich auch geschlechtsspezifischen Einschränkungen unterworfen. Solche Beschränkungen lassen sich in den Quellen vor allem an Einzelfällen beleuchten, wenn Chronisten kontextabhängig Lob oder Tadel verteilten und so etablierte Vorstellungen dessen reproduzierten, wie ihrer Meinung nach Krieg geführt und Gewalt ausgeübt werden sollte – und von wem. Bei der Frage nach genderabhängigen Handlungsfeldern geht es damit auch um Aktionen oder Kontexte, die von den Chronisten explizit geschlechtlich markiert werden und somit auf etablierte Rollenbilder hindeuten oder diese sogar hinterfragen. Um Einseitigkeit zu vermeiden, bleiben auch Kategorien wie Alter oder Stand im Blick, die häufig den Kontext auch für gender- und geschlechtsspezifische Aussagen bilden und mit diesen abgeglichen werden.

Alter, Schwäche, Unverstand: Kriegerische Gewalt und wer sie aus theoretischer Sicht (nicht) ausüben durfte

Der Krieg galt gemeinhin als Domäne der Männer, ohne dass dies rechtlich oder religiös je verbindlich festgelegt worden wäre. Im frühen Mittelalter fanden Fürstinnen durchaus ihre Einsatzgebiete im Krieg.9 Die Vorstellung, die Kriegsführung sei eine Aufgabe der Männer, scheint sich, so McLaughlin, seit dem 11./12. Jahrhundert etabliert zu haben. Frauen, die aktiv am Krieg teilnahmen, wurden demnach zunehmend negativ gesehen und kritisiert, Rollenbilder damit konstruiert und gefestigt.10 Dieser durch die Quellen vermittelte Eindruck mag allerdings auch durch die generell wachsende Anzahl an überlieferten Texten bedingt sein. Theoretischer Hintergrund für derartige Stimmen war die Vorstellung, dass Frauen gegenüber Männern grundsätzlich schwächer waren – sowohl ←160 | 161→körperlich als auch geistig.11 Vor diesem Hintergrund schienen Frauen nicht nur, aber insbesondere für den Krieg als ungeeignet.

Höfische Romane rekurrierten auf entsprechende Rollenbilder, die männliche Krieger als aggressiv und gewaltbereit, Frauen dagegen als schutzbedürftig konstruierten.12 Eher selten finden wir dagegen weibliche Kämpferinnen, die wenn, dann aus der Not heraus zu den Waffen griffen.13 In Ritterepen wie der Histoire de Guillaume le Maréchal, wenige Jahre nach dem Tod des Titelhelden 1219 verfasst, spielen Frauen dagegen kaum eine Rolle. Die über 19.000 Verse lange Lebensbeschreibung des englischen Ritters bietet nur wenigen Frauen kurze Auftritte, zumeist Verwandten des Helden. Während Frauen hier zumeist weinen oder in Ohnmacht fallen, so Georges Duby, dienen die meisten weiblichen Personen in der Histoire dazu, die Krieger zu bewundern und so zu größerer Tapferkeit anzustacheln.14 Dieses Bild ist allerdings ein literarisches, das vom Autor gezielt so konstruiert wurde. Über die Frau William Marshals, Isabel de Clare, gäbe es durchaus einiges zu berichten, die Histoire aber streift die Taten Isabels nur kurz.15 Im Epos wurde die Ausübung von Gewalt zum konstitutiven ←161 | 162→Merkmal von Männlichkeit stilisiert, während eine weibliche Beteiligung an Gewalt weitgehend tabuisiert wurde.

Begründet wurde der Ausschluss der Frauen vom Krieg paradigmatisch von Aegidius Romanus, einem Schüler Thomas‘ von Aquin16 und Ratgeber König Philipps des Schönen. In seinem Fürstenspiegel De regimine principum (um 1270) schrieb Aegidius, dass die Beteiligung von Frauen am Krieg aus drei Gründen abzulehnen sei: Sie seien, erstens, geistig nicht so weitsichtig und verständig wie Männer; zweitens seien Frauen weitaus weniger mutig und tapfer als Männer, was im Kampf desaströse Folgen haben könne, da ihre Angst die anderen Krieger sogar anstecken könne; drittens sei für den Kampf körperliche Stärke nötig, über die Frauen nicht ausreichend verfügten.17 Bereits 1296 wurde der Text ins Französische übersetzt und fand weite Verbreitung; die Argumentation Aegidius‘ blieb dabei auch in der Übersetzung sinngemäß bestehen.18

Ein Jahrhundert später hatte sich diese Sichtweise zumindest leicht gewandelt: Der südfranzösische gelehrte Benediktiner Honoré Bouvet notierte in seinem kriegstheoretischen Werk (L‘Arbre des batailles, verfasst ca. 1386/90), dass neben Alten, Kindern, Kranken, Tauben und Blinden auch Frauen nicht zum Kriegsdienst gezwungen werden dürften – egal wie weise, reich oder stark sie seien.19 An Bouvets Argumentation sind zwei Dinge auffällig: Erstens, dass selbst ←162 | 163→intelligente und physisch kräftige Frauen nicht zu einer Beteiligung am Kampf gedrängt werden sollten. Bouvet scheint damit beinahe auf die Ausschlusskriterien von Aegidius zu reagieren, der Frauen grundsätzlich Weisheit und Stärke abgesprochen hatte. Zweitens ging es ihm eben nur um einen Zwang zum Kampf – ein grundsätzliches Kampfverbot für Frauen sprach Bouvet damit nicht aus. Die Ausgrenzung ist hier denn auch als Schutzmaßnahme zu verstehen, wie die parallele Begründung für den Ausschluss junger Männer zeigt: Diese dürften nicht zum Krieg gezwungen werden, sofern sie noch keine Rüstung tragen könnten, so Bouvet.

Grundsätzlich ging der Gelehrte jedoch, wie Aegidius, von einer fehlenden Eignung der Frau zum Krieg aus, wie eine weitere Bestimmung zeigt. Bouvet führte aus, dass es unehrenhaft sei, alte Männer, wenn sie nicht am Krieg teilnehmen, sowie Frauen und Kinder einzukerkern, denn schließlich sei bekannt, dass sie nicht für den Krieg gemacht seien – die einen könnten nicht, die anderen wüssten nicht wie, wie einige Handschriften des Werks präzisieren.20 Mit Blick auf Fähigkeit und Wissen argumentierte Bouvet jedoch umsichtig. Eigentlich mache es die intellektuell und rechtlich niedrigere Stellung der Frau unmöglich, so Bouvet, dass eine Frau (und sei es eine Königin) bei einem Zweikampf als Richterin fungiere.21 Mit dem Verweis auf Brauch und Recht jedoch sind kulturelle – und damit variable – Faktoren angesprochen. Dem gelehrten Benediktiner war dies sehr wohl bewusst, weswegen er folgerte, dass, wenn es in einem Land Brauch sei, auch Frauen Richtersprüche fällen würden, ihre Sprüche sehr wohl als gut anerkannt werden könnten. Den Verweis auf ihre mögliche Ignoranz in Kriegsdingen lässt er folglich nicht gelten, da man etwa am französischen Hof seit jeher über alle Fragen des Rittertums und des Krieges unterrichtet gewesen sei – womit Bouvet implizit die Fürstinnen einschließt.22

Obwohl theoretisch begründbar, blieb die Beschäftigung von Frauen mit dem Kriegsgeschäft ein Aspekt, der offenbar einer Rechtfertigung bedurfte. So sah sich auch die Schriftstellerin Christine de Pisan zu einer Erklärung genötigt, als sie um 1410 ihren Livre des fais d’armes et de chevallerie verfasste, der auf dem Werk Bouvets ←163 | 164→beruht.23 Sie war um eine solche Rechtfertigung allerdings auch nicht verlegen. Es sei in der Tat eine ungewohnte Sache, so Christine im Prolog, dass eine Frau sich mit diesen Dingen beschäftige. Man solle jedoch der Dame Minerva gedenken, die schon seit alters her wegen ihrer Weisheit geachtet werde und eben auch in Kriegsdingen bewandert sei.24

Rollenbilder: Männlicher Mut und weibliche Angst

Abgesehen von solchen, eher theoretischen Überlegungen stellen historiographische Berichte Frauen zumeist als Opfer kriegerischer Gewalt dar: Neben Klerikern und Kindern zählten besonders Schwangere und Jungfrauen zu dem Teil der Bevölkerung, der eigentlich nicht Ziel kriegerischer Gewalt werden sollte – umso häufiger wurden dem Gegner jedoch Angriffe genau auf diese Gruppen vorgeworfen.25 Die Berichte hierüber lesen sich als topische Klagen, die sich hundertfach in Chroniken und Traktaten finden. Das Vorgehen insbesondere gegen Kinder und (schwangere) Frauen berührte soziale Tabus, weil damit die Reproduktion der Gesellschaft tangiert wurde.26 Der entsprechende Vorwurf sollte somit den jeweiligen Gegner wegen seiner Untaten delegitimieren.

Während Frauen im Krieg also primär als Opfer beschrieben wurden, stilisierte man umgekehrt Tapferkeit, Mut und Stärke gemeinhin als männliche Tugenden. Die Zuschreibung, eine Tat sei viriliter erfolgt, lässt semantisch die Nähe zum Mann (vir) erkennen und bezieht sich inhaltlich zumeist auf den ←164 | 165→Aspekt der Tapferkeit und des Muts.27 In französischsprachigen Quellen dominieren dann Beschreibungen wie z.B. vaillant/vaillamment, die Mut und Kühnheit betonen und – wie wir sehen werden – auf beide Geschlechter angewandt werden konnten.28

Darrin Cox argumentierte in ihrer Studie über adelige Männlichkeitsvorstellungen im spätmittelalterlichen Frankreich, dass diese eng an Vorstellungen von Herrschaft und Krieg gebunden gewesen seien, weniger an Ideale höfischer Liebe. Wie schon das oben zitierte Beispiel der Histoire de Guillaume le Maréchal gezeigt hat, wurden diese Bilder weniger in Abgrenzung zur ‚Weiblichkeit‘ konstruiert, als vielmehr innerhalb der peer group mit Blick auf Rang und Hierarchie, so Cox.29

Dieser Analyse mag man allerdings den Vorwurf der ‚Verweiblichung‘ entgegenhalten, der Kriegergruppen treffen konnte, wenn sie der Meinung des Beobachters nach den von Kriegern/Männern erwarteten Tugenden und Taten nicht oder nur unzureichend nachkamen.30 Hier zeigt sich, dass die Eigenschaften ←165 | 166→kämpferischer Stärke und Muts tatsächlich als ‚männlich‘ gedacht wurden und dezidiert von als ‚weiblich‘ imaginierten Verhaltensformen abgegrenzt wurden. Der sogenannte Bourgeois de Paris, der zwischen 1405 und 1449 eine tagebuchartige Chronik über das Leben in Paris führte, klagte zum Beispiel 1444 über französische Krieger. Er schrieb, sie würden nur noch mit Würfeln spielen, jagen, tanzen, nicht aber kämpfen und sich an Waffen üben, weil sie Angst hätten, Schläge abzubekommen. Kurzum, so der Bourgeois, alle Herren Frankreichs seien wie Frauen geworden, weil sie kühn nur noch gegenüber armen Arbeitern und Händlern seien, die keine Waffen trügen.31 Ähnlich äußerte sich Thomas Basin, exilierter Bischof von Liseux, über eine englische Armee im Juli 1475 in der Picardie: Der Hunger im Lager habe sie ängstlich wie Frauen gemacht, so dass sie keinen Fuß mehr auf französisches Territorium gewagt hätten.32 Spiel, Tanz und Angst konnten in der Feder der Chronisten so zu typisch weiblichen Merkmalen werden. Die Rede von verweiblichten Kriegern war ein Topos, der zu vielen Zeiten und in unterschiedlichen Kontexten Anwendung fand. Ähnliche Belege lassen sich etwa auch in der Normannengeschichte des Amatus von Montecassino aus dem 11. Jahrhundert oder im Kreuzzugstraktat Fidenzius‘ von Padua aus dem 13. Jahrhundert finden.33 Aus dieser Sicht schien alles Weibliche auf dem Schlachtfeld von vorneherein nur eine negative Rolle spielen zu können.

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Handlungsspielräume in Krieg und Kampf

Dass ‚Weiblichkeit‘ unter Kriegern zum ehrkränkenden Vorwurf werden konnte, sagt eher etwas über männliche Verhaltensideale aus, als über die Rolle von Frauen im Krieg. In diesem kam es schließlich häufig zu Situationen, in denen alle Personen tangiert waren. Trotz ihrer militärischen Normalität waren z.B. Belagerungen für die jeweilig betroffene Stadt ein Ausnahmezustand, bei dem das soziale Miteinander anderen Regeln gehorchte.34 Es ging ums Ganze und jeder packte mit an: Alte und Junge, Männer und Frauen. Alle nicht-professionellen Krieger erledigten vor allem Hilfsdienste wie das Tragen von Munition, von Wasser oder kochendem Öl oder aber von Steinen, um Löcher in der Mauer zu reparieren. In ihrem Livre de chevalerie etwa erwähnte Christine de Pisan beiläufig, dass Frauen im Verteidigungsfall kochendes Wasser zu Abwehr von Mineuren herbeischaffen könnten.35 Verweise auf die Beteiligung von Frauen bei der Verteidigung von Städten lassen sich auch in historiographischen Berichten finden. Eine anonyme normannische Chronik etwa notierte anlässlich einer Belagerung, die Einwohner und sogar die Frauen hätten sich gegen die Angreifer gewehrt.36 Der Zusatz ‚sogar‘ (mesmes) deutet auf eine Besonderheit hin, die vielleicht nicht alltäglich war, jedoch auch nicht weiter erklärungsbedürftig.

Waren Frauen gegenüber Rittern, Söldnern und Plünderern oftmals tatsächlich physisch unterlegen, lassen Einzelfälle sehr wohl ihre Wehrhaftigkeit erkennen. 1424 etwa verteidigte sich Jeannette Bardin in Paris erfolgreich gegen zwei englische Krieger, die in ihr Haus eindringen wollten.37 Regelrecht streitlustig zeigten sich 1411 die Frauen in der Sénéchausée de Bigorre (Dep. ←167 | 168→Hautes-Pyrénées): Als ein Mann hier prahlte, einen Kampf gegen drei Frauen gewonnen zu haben, wurde er erneut von drei Frauen herausgefordert – und dann besiegt. Daraus entstand dann eine größere Schlägerei, die sogar mit Schwertern und Stöcken ausgetragen wurde.38 Derartige Kämpfe scheinen keine Seltenheit gewesen zu sein. So sah sich der Pariser Prévôt Guillaume de Tignonville 1402 genötigt, solche Auseinandersetzungen zwischen Männern und Frauen in seinem moralischen Lehrwerk, den Ditz moraulx, zu verdammen. Mit Rekurs auf Alexander den Großen schrieb er, es sei eine große Schande für jeden Krieger, gegen Frauen zu verlieren – weswegen man gar nicht erst gegen sie kämpfen solle.39 Die Mahnung war natürlich vergeblich: Auch beim Einzug König Ludwigs XI. in Paris am 31. August 1461, so berichtet der Chronist Jean de Roye, schlugen sich wilde Männer und Frauen.40 Generell, so zeigen detaillierte Studien über Alltagsgewalt, waren Frauen an gewalttätigen Auseinandersetzungen eher selten beteiligt. Wenn sie doch in solche involviert waren, dann griffen sie eher in bereits laufende ein, statt sie selbst anzufangen.41

Auf Spielräume ganz anderer Ebene verweist der Fall der Jeanne, die 1358 von einigen Dorfbewohnern getötet wurde, weil sie englischen Kriegern als Führerin gedient und sie auf reiche Leute der Region aufmerksam gemacht habe, die dann ausgeplündert wurden. Angesichts der durch sie verursachten Gefahr haben es die bonns genz du pais für besser befunden, Jeanne zu ertränken.42 Auch dieses Beispiel zeigt, dass Frauen in vielen Fällen dieselben Handlungsoptionen offen ←168 | 169→standen, wie Männern, und dass gegen sie mit gleicher (gewalttätiger) Konsequenz vorgegangen wurde.

Auf sozial gehobener Ebene kamen adeligen Frauen deutlich mehr Einflussmöglichkeiten in Wirtschaft, Politik und Krieg zu, als der einfachen Bevölkerung.43 Ein traditionelles Betätigungsfeld war etwa die Friedensvermittlung, von der Schlichtung privater Streitigkeiten bis hin zu regelrechten Friedensmissionen.44 Das Stiften von Frieden schien angesichts der chaotischen innenpolitischen Zustände im Frankreich des 15. Jahrhunderts dringlicher denn je. Entsprechend forderte etwa Christine de Pisan die Frauen auf, die Kriegsherren offen um Gnade zu bitten bzw. diese einzufordern.45 Im Jahr 1435 baten dann tatsächlich die damoiselles et les bourgeoises de Paris die Herzogin von Bedford, sich für den Frieden einzusetzen – wie der Bourgeois berichtete.46

Die Rolle von Fürstinnen ging aber über die Friedensstiftung hinaus, wie wiederum Christine de Pisan um 1405 notierte. Wegen ihrer herausgehobenen Position sollte jede Fürstin ihren Ehemann in dessen Stellung vertreten können, wofür sie auch die Grundzüge des Kriegswesens kennen, ja in diesen Dingen das Herz eines Mannes haben sollte. Fürstinnen sollten Christine zufolge wie ihre Männer Burgen mit Nahrung und Waffen versorgen, sie sollten wissen, wie viele Männer wo stationiert und was ihre Fähigkeiten waren. Sie sollten ihnen Mut zusprechen, sie belohnen und etwaige Lösegelder für sie aufbringen.47 Für ←169 | 170→Christine de Pisan konnten Frauen in Politik und Herrschaft durchaus dieselben Rollen und Funktionen füllen, wie Männer – die Tätigkeiten selbst aber blieben dabei männlich konnotiert.48 Dies scheint in der Tat zeitlich verallgemeinerbar zu sein: Als der englische Chronist Matthäus Paris den Tod Blankas von Kastilien 1252 verkündete, die sowohl während der Regierungszeit ihres Mannes, Ludwig VIII. von Frankreich, als auch als Regentin für ihren Sohn, Ludwig IX., eine durchaus eigenständige Rolle spielte, pries er sie als weiblich im Geschlecht, aber männlich im Rat.49 Auch hier bemaß sich das Lob an die Frau also an Idealen, die als genuin männlich gedacht wurden.

Auch einschlägige militärtechnische Handbücher finden wir in Frauenhänden: Margarete von Anjou wurde 1445 anlässlich ihrer Hochzeit mit Heinrich VI. von England ein Prachtcodex geschenkt, der neben mehreren Ritterepen auch den Arbre des Batailles von Honoré Bouvet (fol. 293r-325v), die französische Vegetius-Übersetzung Christines de Pisan sowie ihren Livre de chevalerie ←170 | 171→(fol. 405r-438r) enthielt.50 Einleitend werden die Sammlung selbst und ihr Inhalt vorgestellt: Der Band soll der Unterhaltung, der Erinnerung an Magaretes französische Muttersprache und – wichtiger noch – dem Wissenserwerb über das Rittertum dienen.51

Der militärische Ernstfall, für den Christine de Pisan Fürstinnen ausgebildet wissen wollte, kam durchaus vor. So verfocht etwa Jeanne de Belleville nach der Hinrichtung ihres Mannes, Olivier IV. de Clisson, dessen Sache. Im Bretonischen Erbfolgekrieg (1341–1364) stand Olivier auf der Seite Johannes‘ von Montfort, einer der beiden Anwärter auf den Herzogstitel. Olivier wurde 1343 unter falschem Vorwand nach Paris gelockt und auf Geheiß König Philipps VI. als Verräter hingerichtet. Zwei Chroniken berichten recht wertneutral, wie Jeanne daraufhin mit ihren Kriegern vor Brest gezogen sei und sich dort Einlass verschafft habe. Später griff sie auf See französische Handelsschiffe an.52 Auch die Herrin der Burg La Roche-Guyon, Perrette de la Rivière, ging 1418/19 daran, diese nach dem Tod ihres Mannes Guy, der 1415 in der Schlacht von Azincourt gefallen war, gegen die Engländer zu verteidigen. Der Chronist Michel Pintoin schrieb, sie habe die Festung gut mit Waffen, Kriegern und Lebensmitteln ausgestattet.53 Getrieben von edlem Mut, so Jean Juvénal des Ursins in seiner Chronik, habe sie lieber ihren Besitz verlieren wollen, als sich den Engländern zu ergeben.54 Es gelang Jeanne schließlich, freien Abzug aus der Burg zu verhandeln.

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Nach derartigen Episoden fallen die adeligen Frauen allerdings oft wieder in die historiographische Dunkelheit zurück. Frauen treten in der Historiographie vor allem dann ins Licht, wenn sie die Position ihrer Männer vertreten, die entweder abwesend, gefangen oder aber tot waren.55 Erst dies war die Ausnahmesituation, die weibliche Initiative auf dem Gebiet der Herrschaft und der Kriegsführung legitim erscheinen ließ. Frauen, die eigenmächtig anstelle oder gegen ihren Mann agierten, fanden zwar auch ihren Platz in den zeitgenössischen Chroniken, konnten sich aber der Kritik der Autoren sicher sein. Dies zeigt zum Beispiel die kritische Reaktion der Chronique des quatre premiers Valois gegenüber Johanna von Burgund. Sie war die Frau Philipps von Valois und bestieg an seiner Seite 1328 den französischen Thron. 1346, nach der Schlacht von Crécy, wollte sie einen weiteren Konflikt zwischen ihrem Mann und einigen Baronen – wohl aus Angst um sein Wohl – verhindern. Der anonyme Chronist schrieb, die schlechte, hinkende Königin habe wie ein König gehandelt und versucht alle zu vernichten, die gegen ihren Willen arbeiteten.56 Der Unterschied zu den zuvor vorgestellten Fällen mag hier für den Chronisten darin gelegen haben, dass Johannas Mann, der König, voll handlungsfähig war. Ihre Initiative ←172 | 173→wurde daher als Überschreitung ihrer Rolle gegenüber ihrem eigentlich verantwortlichen Mann gewertet – daher auch der Hinweis, sie habe sich wie ein König verhalten – und eben nicht wie eine Königin.57

Dass Frauen durchaus die Rolle einer politischen und militärischen Anführerin einnehmen konnten und dabei explizit auch das Lob der zeitgenössischen Chronisten bekamen, zeigt das Beispiel Johannas von Flandern (1296–1374), die durch ihre Ehe mit Johann von Montfort Herzogin der Bretagne war. An der Seite ihres Mannes kämpfte sie im Bretonischen Erbfolgekrieg (1341–1364) für dessen Ansprüche gegen Karl von Blois und seine Frau, Jeanne de Penthièvre (die eine gleichermaßen eigenständige Rolle spielte).58 Als Johann von Montfort 1342 in französische Gefangenschaft geriet, nahm Johanna ihrerseits den Kampf auf und kümmerte sich um die Bemannung der Burgen, wie mehrere Chroniken ohne größere Verwunderung notieren.59 Der Chronist Jean le Bel schrieb, sie habe eben nicht mutlos wie eine Frau reagiert, sondern wie ein Mann, und alle ihre Freunde und Krieger ermuntert, weiterzukämpfen.60 Der Chronist scheint damit den späteren Anforderungskatalog Christines de Pisan geradezu vorwegzunehmen.

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Als Karl von Blois 1342 die Stadt Hennebont angriff, übernahm Johanna, die tapfere Gräfin61, dort die Verteidigung, in der Hoffnung auf Hilfe von ihren englischen Verbündeten. Der Chronist Jean le Bel, und diesem folgend auch Jean Froissart, berichtete, Johanna sei gerüstet durch die Stadt geritten und habe den Kampf geleitet, habe die Frauen der Stadt, sogar Adelige, dazu angeleitet, Steine zur Stadtmauer zu bringen, um die Angreifer damit zu bewerfen.62 Sie habe, so Jean le Bel, sogar einen bewaffneten Ausfall gewagt – dies sei die wundersamste Tat gewesen, die je eine Frau vollbracht habe.63 Ihre eigenen Krieger in der Stadt hätten sich sehr gewundert, wie die tapfere Dame all dies habe planen und durchführen können.64 Diese außergewöhnlich positive Wertung dürfte die Episode denn auch bildwürdig gemacht haben: Eine Pariser Handschrift Froissarts aus dem 15. Jahrhundert zeigt die bewaffnete Johanna zu Pferd bei der Verteidigung der Stadt (Abb. 1).65 Letztlich verhandelte Johanna mit Karl von Blois die Kapitulation von Hennebont, so dass Mord, Vergewaltigung und Plünderung ausblieben.66

Abb. 1: Johanna von Flandern bei der Verteidigung der Stadt Hennebont 1342. Jean Froissart, Chroniques (15. Jhd.). Paris, BnF, Ms fr. 2663, fol. 87v.

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Während pro-französische Chroniken über diese Episode schwiegen,67 lobten Beobachter, die auf der Seite des von den Engländern unterstützten Montforts standen, Johannas Einsatz ausdrücklich. Jean le Bel zum Beispiel schrieb, sie habe das Herz eines Löwen. Auch hier übernahm Jean Froissart die Vorlage, baute die Anerkennung ihrer Taten jedoch noch um den (beinahe erklärenden) Zusatz aus, dass Jeanne den Mut eines Mannes und das Herz eines Löwen68 habe. Froissart verfolgte den Weg seiner Heldin denn auch getreu weiter und lobte etwa ihren Einsatz in der Seeschlacht von Guernsey mit ganz ähnlichen Worten: Sie ←175 | 176→sei gut einen Mann Wert gewesen, da sie das Herz eines Löwen besitze.69 Allerdings zeigen andere Quellen, dass Johanna zu diesem Zeitpunkt offenbar krank war und nach 1343 gar nicht mehr aus England zurückkam.70 Anders als Froissart verweigert Jean le Bel hier denn auch die Aussage: Er könne nicht alle ihre Abenteuer auflisten, weil er nicht dort gewesen sei, man ihm aber so viel Unterschiedliches erzählt habe, dass er nicht wisse, was wahr sei.71 Es ist also mitunter die Verklärung des Chronisten, die Johanna zur Heldin machte.72

Auffällig ist, dass das Lob, das ihr zuteil wurde, nicht nur an den klassischen Tugenden und Fähigkeiten eines Kriegers gemessen wurde – dies scheint im Krieg letztlich logisch. Mehr noch, Johanna wurde in ihrem Wirken explizit an Männern bzw. an als männlich geltenden Verhaltensmustern gemessen. Das ‚Herz eines Löwen‘, so zeigt die Ergänzung Froissarts, stand sinnbildlich für Mut, der als männlich imaginiert wurde. Das Herz galt gemeinhin als Ursprung sowohl der Ratio als auch der Emotionen und war der körperliche Ort, an dem individueller Charakter verortet werden konnte.73 Kriegerischer Mut wurde schon im 2. Buch Samuel mit dem ‚Herz eines Löwen‘ assoziiert,74 eine Wendung, die so ans Mittelalter tradiert wurde. Das berühmteste ‚Löwenherz‘ wurde zweifelsohne Richard I. von England zugesprochen. Bereits um 1187 nannte Gerald von Wales Richard unseren Löwen, wohl in Anspielung auf das Wappentier Aquitaniens, dessen Herzog Richard damals (vor seiner Thronerhebung 1189) war.75 ←176 | 177→Zum ‚Löwenherz‘ wurde der König durch seine aufsehenerregenden Taten während des 3. Kreuzzugs: Der normannische Troubadour Ambroise lobte Richard um 1195 als tapferen König, das Löwenherz76.

Der Weg von einem Löwenherz zu einem ‚männlichen Herz‘ war nicht weit. Schon Gottfried von Straßburg thematisierte in einem Exkurs seines Tristans (um 1210), dass eine sich gänzlich tugendhaft verhaltende Frau ihr weibliches Herz letztlich in ein männliches wandele (was er gleichwohl für quasi ausgeschlossen hielt).77 Ein solches cor virile wurde etwa Margarete von der Pfalz († 1434) zugeschrieben.78 Obwohl vor allem für ihre Frömmigkeit bekannt, soll Margarete ihren Mann, Karl II., Herzog von Lothringen in seinen Kämpfen (an der Seite Jeanne d’Arcs) unterstützt haben – allerdings mit himmlischen Waffen79. Kurz nach ihrem Tod verfasste Adolf von Essen, Abt des von ihr begründeten Zisterzienserinnenklosters Marienfloss eine Lebensbeschreibung Magaretes, die ihre Seligsprechung vorbereiten sollte. Adolf berichtet, Magarete habe Karl in zwei Schlachten, 1407 bei Champigneulles und 1409 bei Pont-à-Mousson, durch ihre Gebete in ihrer Zelle vor seiner Standarte zum Sieg verholfen.80 Der Kampfeinsatz Magaretes war nur symbolisch, aber der Abt entschied sich wohl bewusst, ihn durch die Zuschreibung eines ‚männlichen Herzens‘ an die fromme Frau hervorzuheben, das hier vermutlich für Inbrunst und Willensstärke steht. Inhaltlich ein ähnliches, im Wortlaut jedoch abweichendes Lob erfuhr die ←177 | 178→französische Königin Blanka von dem Chronisten Wilhelm von Saint-Pathus. In seiner Chronik über das Leben Ludwigs IX. schrieb er, sie habe den Mut eines Mannes im Herz einer Frau gehabt.81

Es gibt zahlreiche Beispiele, die Fürstinnen in verantwortlichen Positionen zeigen, die eben auch die Organisation und Leitung von militärischen Unternehmungen bedingten. Für das Römische Reich sah Jörg Rogge vom 12. bis 15. Jahrhundert keinen grundlegenden Wandel in der Rolle, die ‚deutschen‘ Fürstinnen in der Politik zukam. Der steigende Konkurrenzdruck unter den Fürsten habe allerdings im 14. und 15. Jahrhundert dazu geführt, dass Frauen vermehrt in der Staatskunst unterrichtet worden seien.82 Dieses Ergebnis trifft zweifellos auch für den westeuropäischen Adel zu. Dennoch bekommt man den Eindruck, dass Fürstinnen, die anstelle ihrer Männer Truppen führten und in Kämpfe eingriffen, zum 15. Jahrhundert hin eine seltenere Erscheinung wurden. Es mag auch an dem besonderen Kontext des Bretonischen Erbfolgekrieges liegen, dass sich gerade hier viele militärisch aktive Fürstinnen finden lassen– nicht zu Unrecht wurde der Konflikt mit Blick auf die entscheidenden Aktionen Johannas von Flandern (als Frau Johannes‘ vom Montfort) und Johannas von Penthièvre (als Frau Karls von Blois) auch der ‚Krieg der zwei Johannas‘ genannt.83 Die existenzielle Konkurrenzsituation beider Familien machte ein Engagement aller Beteiligten schlicht nötig. Die im Laufe des Hundertjährigen Krieges zunehmend professionalisierte Kriegsführung ließ diesen Spielraum womöglich wieder schrumpfen.

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Der Streit um die moralische Gleichwertigkeit der Geschlechter: Die Querelle de la Rose

Vielleicht war es gerade die durch den Hundertjährigen Krieg und andere Konflikte bedingte Erfahrung, dass Frauen sehr wohl die Position ihrer Männer einnehmen konnten, die wiederum theoretische Reflexionen über die Rolle der Frau in der Gesellschaft anregte.84 Aufschlussreich ist hier ein Streit um die moralische Gleichwertigkeit der Geschlechter, der als Querelle de la Rose in die Geschichte einging.85 In diesem Streit ging es zwar nicht um Gewalt, er zeigt aber, wie vehement über Geschlechterrollen debattiert wurde. Die Debatte entspann sich an der von Jean de Meung um 1280 beendeten Fortsetzung des ‚Rosenromans‘, die Christine de Pisan 1399 mit ihrem Épitre au Dieu d’Amour kritisierte, den sie Königin Isabella von Bayern-Ingolstadt/Isabeau de Bavière widmete.86

Jean de Meung war ein städtisch verwurzelter Kleriker, der den Roman Guillaumes de Lorris mit ironischen Seitenhieben auf das höfische Leben fortführte und mitunter auch seiner misogynen Einstellung Raum gab. Die Liebe sah er z.B. nicht mehr als kulturelles Ideal, sondern als naturgebundenen Trieb, womit der Frau die Rolle der den tugendhaften und rationalen Mann beeinflussenden Versuchung zukam.87 Christine de Pisan verwahrte sich gegen diese generelle Diffamierung, womit sie aus dem Auftreten literarischer Figuren eine Debatte über geschlechtliche Rollenbilder machte.88 Mit Verve verwies sie auf die Rolle der Frau für die Gesellschaft: Jeder Mann müsse gegenüber Frauen ein zärtliches ←179 | 180→Herz haben, denn jeder Mann sei einer Mutter Sohn.89 Damit verlieh sie erstmals auch den Frauen selbst eine Stimme und prangerte an, dass bisher nur Männer über Frauen und ihre Eigenschaften und Fertigkeiten gesprochen hätten und diese mitunter zu Wesen zweiter Ordnung abstufen würden.

Die Debatte nahm ihren Lauf und wurde zunehmend polemisch geführt: Christine griff Jean de Montreil an, der den Rosenroman 1401 hoch gelobt hatte. Der Pariser Theologe Jean Gerson sekundierte ihr: Sein Diskussionsbeitrag thematisierte insbesondere den Zwiespalt zwischen den literarischen Figuren und deren (obszönen) Äußerungen und der Person des Autors. Pierre Col, Kanoniker in Paris und Tournay, wiederum verteidigte daraufhin Jean de Meung und sein Werk.90

So einzigartig diese zwischen 1399 und 1402/03 geführte Debatte ist, sollte man ihre Reichweite doch nicht überschätzen. Zwar wurde am Minnehof, den König Karl VI. auf Anregung seiner Frau Isabella von Bayern-Ingolstadt/Isabeau de Bavière einrichtete, bereits 1400 jegliche frauenfeindliche Rede verboten.91 Die Debatte aber wurde unter Gelehrten geführt und ist heute nur in acht Handschriften überliefert, wovon sechs wohl auf Anregung Christines selbst entstanden: Sie ließ die Texte gezielt in Dossiers zusammentragen – teils unter Weglassung derjenigen ihrer Gegner.92 Dennoch zeigt die Querelle de la Rose eindrücklich, welche Positionen um 1400 einnehmbar waren. Das Selbstbewusstsein Christines de Pisan als explizit weibliche Autorin eroberte einen Diskussionsraum, der bis dahin allein von Männern gefüllt wurde und verweist damit auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Auch die militärischen Erfolge einer Jeanne d’Arc, durch deren Auftreten es dem französischen Heer 1429 gelang, die Stadt Orléans einzunehmen, verbuchte Christine konsequent für ihre (weibliche) Sache: Was für eine Ehre für das weibliche Geschlecht! Was 5000 Männer nicht geschafft haben, so Christine, sei nun von einer Frau vollbracht worden.93

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Fazit

Äußerungen über von Frauen im Krieg ausgeübte Gewalt sind ambivalent: Auf der einen Seite stand etwa Aegidius Romanus, der Frauen sowohl physisch als auch intellektuell als nicht für den Krieg geeignet befand. Im schlimmsten Fall, so der Gelehrte, könnten ihre negativen Eigenschaften im Kampf sogar auf Männer abfärben. Auch Honoré Bouvet notierte, Frauen dürften nicht zum Kriegseinsatz gezwungen werden, ebenso wenig wie Alte, Kinder, Kranke, Taube und Blinde. Bouvet scheint sich bei seiner Aussage vor allem an pragmatisch-physischen Gründen zu orientieren, denn Stumme sollten sehr wohl in den Krieg ziehen. Es ging auch hier um die Sicherstellung militärischer Effektivität. Auf der anderen Seite forderte Christine de Pisan, dass Fürstinnen durchaus wissen müssten, wie Krieg zu führen, Krieger zu befehligen und zu motivieren seien, denn schließlich würde es im Zweifelsfall den Fürstinnen zukommen, die Verteidigung einer Burg oder einer Stadt zu organisieren: Fürstlicher Rang als Verpflichtung ging hier vor Geschlecht.

Die oft beschworene physische und psychische weibliche Unterlegenheit war damit wohl nur eine relative – sie konnte zumindest durch das Kriterium der sozialen Zugehörigkeit gebrochen werden. Obwohl Christine de Pisan als Autorin sicher eine Ausnahmeerscheinung war, stand sie mit ihrem Diktum nicht allein. Immerhin fand es der Earl of Shrewsbury, John Talbot, nicht unangemessen, der englischen Königin ein historisch-ritterliches Kompendium mit entsprechenden Texten zur Hochzeit zu schenken. Zudem können wir in Krisenfällen wie etwa einer Belagerung davon ausgehen, dass die gesamte Bevölkerung bei der Verteidigung mithalf. Vor allem im Kontext des Bretonischen Erbfolgekrieges finden wir darüber hinaus viele markante Frauenfiguren, die militärische Verantwortung übernahmen – allerdings immer nur als Ersatz für ihre in dem Fall handlungsunfähigen Männer. Insgesamt, so mag man folgern, war damit die weibliche Beteiligung am Krieg auf zeitlich begrenzte Notfälle beschränkt.94 Gleichzeitig zeigen die angeführten Beispiele, dass der Gender-Aspekt immer auch in andere intersektionelle Kategorien einzubetten ist: Alter, Stand und Status, körperliche Einschränkungen und andere Aspekte werden oft genug gleichzeitig mit dem Geschlecht verhandelt und dienten als Argument dafür, Gruppen vom Krieg ausschließen zu können.

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Betrachtet man kriegerische Gewalt aus der Genderperspektive, kommt man nicht umhin, eine generell männliche Prägung zu konstatieren. Die Ehre, die Jeanne d‘Arc dem weiblichen Geschlecht nach Christine de Pisan machte, bemaß sich an kriegerischen Kriterien, die explizit an der Leistung von Männern gemessen wurden. Damit ist keineswegs gesagt, dass der Krieg eine Sache bloß der Männer gewesen sei: Prominente Figuren wie Johanna von Flandern sowie auch weniger bekannte Beispiele können diese Einschätzung leicht widerlegen. Was den Krieg im sozialen Sinn ‚männlich‘ machte, waren die mit militärischer Gewalt assoziierten Tugenden und Eigenschaften.95 Jeder, der sich am Krieg beteiligte, ob Jung oder Alt, Frau oder Mann, wurde an diesen Idealen gemessen. Krieger, die diesen männlichen Tugendkatalog nicht bedienten, wurden als ‚verweiblicht‘ gescholten. Lob für Kriegstaten fiel damit auf der anderen Seite grundsätzlich männlich aus – auch für Frauen: Johanna von Flandern hatte den ‚Mut eines Mannes‘, Margarete von der Pfalz ein ‚männliches Herz‘ und der Kriegseinsatz Johannas von Orléans war eben 5000 Männer wert. Angefeindet oder diffamiert wurde von diesen Personen letztlich nur die Jungfrau von Orléans – dies jedoch aus politischen Gründen, für die ihr Geschlecht nur als Argument diente.96


* Ich danke John Gillingham für seine kritischen und hilfreichen Hinweise.

1 Chronique des quatre premiers Valois (1327–1393), hg. von Siméon Luce, Paris 1861, siehe u.a. S. 62, 95, 129f., 131, 137, 146f., 148. Deutlich positiver ist das Bild bei Jean Froissart: Chroniques, hg. von Siméon Luce u.a., 15 Bde. (Publications de la Société de l’Histoire de France), Paris 1869–1975, hier Bd. 5, Paris 1874, Buch 1, Kap. 512, S. 105f., Kap. 519, S. 122f., Kap. 521, S. 129f.

2 Chronique des quatre premiers Valois (wie Anm. 1), S. 135. Vgl. dazu knapp Jonathan Sumption: The Hundred Years War, 4 Bde., London 1990–2015, hier Bd. 2: Trial by fire, London 1999, S. 490–492.

3 Chronique des quatre premiers Valois (wie Anm. 1), S. 135: Et prist le chastel fors la tour en laquelle madame de Rouleboise avec autres nobles dames et gentilz hommes se retrairent, et moult bien la deffendirent.

4 Kritisch zum Begriff der ‚Handlungsspielräume‘ äußerte sich Claudia Zey, da dieser den Fürstinnen von vorneherein weniger Möglichkeiten und Kompetenzen zutraue als anderen (männlichen) Akteuren. Vgl. Claudia Zey: Mächtige Frauen? Königinnen und Fürstinnen im europäischen Mittelalter (11.-14. Jahrhundert). Zur Einführung, in: Claudia Zey (Hg.): Mächtige Frauen? Königinnen und Fürstinnen im europäischen Mittelalter (11.-14. Jahrhundert) (Vorträge und Forschungen 81), Ostfildern 2015, S. 9–33, hier 21. Der genannte Aufsatz sei vor allem als aktueller Überblick über die Forschungslandschaft zu weiblicher Herrschaft empfohlen.

5 Jörg Baberowski: Räume der Gewalt, Frankfurt am Main 2015, hier v.a. S. 31–35 und 40–43.

6 Vgl. z.B. Stefanie Rüther: Die Gewalt der Anderen. Zur rhetorischen Verortung von Söldnern in der politisch-religiösen Semantik des Mittelalters, in: Georg Strack, Julia Knödler (Hg.): Rhetorik in Mittelalter und Renaissance (Münchner Beiträge zur Geschichtswissenschaft 6), München 2011, S. 191–212; Uwe Tresp: Söldner aus Böhmen. Im Dienst deutscher Fürsten: Kriegsgeschäft und Heeresorganisation im 15. Jahrhundert (Krieg in der Geschichte 19), Paderborn, München, Wien u.a. 2004; Stephan Selzer: Deutsche Söldner im Italien des Trecento (Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom 98), Tübingen 2001. Zu Opfernarrativen siehe Martin Clauss: „Aujourd’huy toutes les guerres sont contre les povres gens“. Gewalt gegen Nichtkombattanden als Mittel der Kriegführung im Hundertjährigen Krieg, in: Saeculum 57 (2006), S. 77–99; Christopher T. Allmand: War and the Non-combatant in the Middle Ages, in: Maurice H. Keen (Hg.): Medieval warfare. A History, Oxford 2001, S. 253–272; Gabriela Signori: Frauen, Kinder, Greise und Tyrannen. Geschlecht und Krieg in der Bilderwelt des späten Mittelalters, in: Klaus Schreiner, Gabriela Signori (Hg.): Bilder, Texte, Rituale. Wirklichkeitsbezug und Wirklichkeitskonstruktion politisch-rechtlicher Kommunikationsmedien in Stadt- und Adelsgesellschaften des späten Mittelalters (Zeitschrift für historische Forschung, Beiheft 24), Berlin 2000, S. 139–164. Für einen kritischen Ansatz zur Intersektionalität aus geschichtswissenschaftlicher Sicht siehe Andrea Griesebner, Susanne Hehenberger: Intersektionalität. Ein brauchbares Konzept für die Geschichtswissenschaften?, in: Vera Kallenberg, Jennifer Meyer, Johanna M. Müller (Hg.): Intersectionality und Kritik. Neue Perspektiven für alte Fragen, Wiesbaden 2013, S. 105–124.

7 Vgl. dazu Bea Lundt: Das nächste Ähnliche. Geschlecht in der Vormoderne, in: Bea Lundt, Toni Tholen (Hg.): „Geschlecht“ in der Lehramtsausbildung. Die Beispiele Geschichte und Deutsch (Historische Geschlechterforschung und Didaktik 3), Berlin 2013, S. 93–115.

8 Aus diesem Grund halte ich auch das Diktum Claudia Zeys für zu scharf, die Fokussierung auf Einzelbeispiele mächtiger Frauen setze „die Grundannahme inferiorer Stellung, inferioren Ansehens und auch inferioren Verhaltens voraus und ist insofern dazu angetan, die Geschichte hochadliger Frauen unter der Prämisse patriarchaler Herrschaftsformen grundsätzlich negativ zu beurteilen“. Zey: Mächtige Frauen (wie Anm. 4), S. 18. Im Gegenteil dürfte der Blick auf Handlungsfelder und Entscheidungsspielräume von Herrscherinnen eher deren Kompetenzen zeigen als vermeintlich abwertende Vorstellungen zu festigen. Martin Kintzinger verweist denn auch darauf, dass es mitunter energisch auftretende (weibliche) Persönlichkeiten brauchte, um sich gegen etwaige (männliche) Rollenerwartungen durchzusetzen, vgl. Martin Kintzinger: Die zwei Frauen des Königs. Zum politischen Handlungsspielraum von Fürstinnen im europäischen Spätmittelalter, in: Jan Hirschbiegel, Werner Paravicini (Hg.): Das Frauenzimmer. Die Frau bei Hofe in Spätmittelalter und früher Neuzeit (Residenzenforschung 11), Stuttgart 2000, S. 377–398, hier 397.

9 Pauline Stafford: Queens, Concubines, and Dowagers. The King’s Wife in the Early Middle Ages, Athens, GA 1983.

10 Megan McLaughlin: The Woman Warrior. Gender, Warfare and Society in Medieval Europe, in: Women’s Studies 17 (1990), S. 193–209. Eine Ausnahme mögen hier die Kreuzzüge sein, die vielfach Engagement auch von Frauen mit sich brachten und auch erforderten, vgl. Colette Beaune: Jeanne d’Arc, Paris 2004, S. 171f. sowie Zey: Mächtige Frauen (wie Anm. 4), S. 26f. mit weiterer Literatur. Siehe auch die Beiträge in: Ingrid Baumgärtner, Melanie Panse (Hg.): Kreuzzug und Gender (Das Mittelalter 21,1), Berlin, Boston 2016.

11 Beaune: Jeanne d’Arc (wie Anm. 10), S. 163. Die generelle Vorstellung defizitärer Weiblichkeit konnte jedoch auch narrativ eingesetzt werden, um z.B. Strafe zu entgehen: Im Jahr 1387 bat eine Frau den König um Begnadigung für einen Diebstahl, den sie nur aus weiblicher Schwäche, die so viel leichter dazu neigt zu sündigen, als gutes zu tun [fragilité feminine qui est aucune foiz plus tost enclin a peschié que a bien faire] begangen habe – eben weil ihr Liebhaber sie angestiftet habe. Die imbecillitas sexus diente hier – erfolgreich – als Entschuldigung. Paris, Archives Nationales, JJ 130, Nr. 196 (April 1387). Vgl. Claude Gauvard: „De grace especial“: Crime, état et société en France à la fin du Moyen Age, 2 Bde., Paris 1991, hier Bd. 1, S. 299f. Eine eindrückliche Textsammlung frauenfeindlicher Texte bietet der Band von Alcuin Blamires, Karen Pratt, William Marx (Hg): Woman Defamed and Woman Defended. An Anthology of Medieval Texts, Oxford 1992.

12 Manuel Braun, Cornelia Herberichs: Einleitung, in: Dies. (Hg.): Gewalt im Mittelalter. Realitäten – Imaginationen, München 2005, S. 7–37, hier 24. Vgl. dazu auch Wiebke Deimann, Heiko Hiltmann: Gewalt und Geschlecht – Einleitung, in: Michael Borgolte, Juliane Schiel, Bernd Schneidmüller, Annette Seitz (Hg.): Mittelalter im Labor. Die Mediävistik testet Wege zu einer transkulturellen Europawissenschaft, Berlin 2008, S. 433–443.

13 Siehe dazu Beaune: Jeanne d’Arc (wie Anm. 10), S. 166–169. Zu Frauen als mythischen (und teils kriegerischen) Gründerfiguren siehe Patrick J. Geary: Women at the beginning. Origin myths from the Amazons to the Virgin Mary, Princeton, NJ 2006.

14 Georges Duby: Guillaume le Maréchal oder der beste aller Ritter, Frankfurt am Main 1997, S. 50–70.

15 Kritisch zu Duby siehe John Gillingham: War and chivalry in the History of William the Marshal, in: Thirteenth century England 2 (1988), S. 1–13. Zu Isabel, die nach dem Tod ihres Bruders aus eigenem Recht über dessen Ländereien herrschte, siehe David Crouch: William Marshal. Court, Career and Chivalry in the Angevin Empire 1147–1219, Harlow 1990, S. 99–101.

16 Thomas von Aquin selbst formulierte, dass Männer Frauen an Intelligenz und Stärke überragen würden, weswegen Männern die Herrschaft zukomme, vgl. Ian Wei: Intellectual Culture in Medieval Paris. Theologians and the University, c. 1100–1330, Cambridge 2012, S. 248–250.

17 Aegidius Romanus: De regimine principum libri tres, hg. von Hieronymus Samaritanius, Rom 1607, Buch 3.1, Kap. 12, S. 431f.

18 Li Livres du Gouvernement des Rois. A XIIIth Century French Version of Egidio Colonna’s Treatise De regimine principum, hg. von Samuel Paul Molenaer, London 1899, Buch 3.1, Kap. 7, S. 280f. Zur Übersetzung siehe Samuel Paul Molenaer: Introduction, in: Li Livres du Gouvernement des Rois, S. XIII–XXXIV, hier XXVI–XXX.

19 Honoré Bovet: L’arbre des batailles. Edition d’après le manuscri Bibliothèque de Genève (BGE), Comites latentes 168, hg. von Reinhilt Richter-Bergmeier (Textes littéraires français 644), Genf 2017, Kap. 70, S. 382f.: Encore en a il autres gens qui ne pevent estre contrains d’aller en bataille, si come sont hommes enciens, hommes malades, hommes sours et avugles et trop jounes qui ne pourroient porter hernois et telle manière de gent. […] Maiz les femmes ne seroient point contraintes d’y aller, combien qu’elles feussent saiges et fortes et riches, maiz a servir par substanter ne di je pas qu’elles ne soient tenues.

20 Ebd., Kap. 94, S. 456: Je cuide fermement que ce soit chose deshonneste d’emprisonner hommes enciens, se n’y vont en guerre, ne femmes ne enfens innocens. Et certez c’est une treslaide coustumme de demander finance pour eulz qui guerre faire ne pourroient. Die Handschrift Berlin, Staatsbibliothek – Preussischer Kulturbesitz, HS 205 (um 1400) fügt hinzu: ne savroient ne ne pourroient. Vgl. ebd., S. 456, Anm. 3313.

21 Ebd., Kap. 109, S. 495f.

22 Ebd., Kap. 109, S. 496–498.

23 Zur Person siehe Nadia Margolis: An Introduction to Christine de Pizan (New Perspectives on Medieval Literature: Authors and Traditions), Gainesville 2011.

24 Christine Moneera Laennec: Christine antygrafe. Authorship and Self in the Prose Works of Christine de Pizan with an Edition of B.N. Ms. 603 „Le Livre des Fais d’Armes et de Chevallerie“, 2 Bde., PhD Thesis Yale University 1988, hier Bd. 2, Buch 1, Kap. 1, S. 22. Vgl. dazu Ellen M. Thorington: Figures de la Sagesse et de l’autorité féminine. L’exemple des Enseignemens de Christine de Pizan, in: Le Moyen français 78/79 (2016), S. 223–240.

25 Jean Verdon: Les Françaises pendant la guerre de Cent Ans (début du XIVe siècle – milieu du XVe siècle), Paris 1991, S. 216–224. Weitere Literatur siehe Anm. 6. Zum Schutzstatus von Frauen siehe Anne Curry: The Theory and Practice of Female Immunity in the Medieval West, in: Elizabeth D. Heineman (Hg.): Sexual violence in conflict zones. From the ancient world to the era of human rights (Pennsylvania studies in human rights), Philadelphia, PA 2011, S. 173–188.

26 Gauvard: Grace (wie Anm. 11), hier Bd. 1, S. 218f. und 813f.; Christoph Mauntel: Gewalt in Wort und Tat. Praktiken und Narrative im spätmittelalterlichen Frankreich (Mittelalter-Forschungen 46), Ostfildern 2014, S. 239–244, am Beispiel von Aufständen.

27 Vgl. etwa Chronique du Religieux de Saint-Denys. Contenant le règne de Charles VI de 1380 à 1422, hg. von Louis Bellaguet, 6 Bde., Paris 1839–1852, ND 1994, hier Bd. 1, S. 64: Quibus capitaneus fretus, erupcionem faciens in hostes irruit; et qui sepius invadebant, viriliter invaduntur. Ebd., S. 272: In principio assultus viriliter pertulerunt. Siehe auch Thomas Basin: Histoire de Louis XI, hg. von Charles Samaran, Monique-Cécile Garand, 3 Bde. (Les classiques de l’histoire de France au Moyen Âge 26, 29, 30), Paris 1963–1972, hier Bd. 1, Paris 1963, S. 106: Que noctu aggressi, viriliter atque animose expugnare pergunt. Mehrfach auch in der Chronique dite de Jean de Venette, hg. von Colette Beaune, Paris 2011, S. 74, 90, 92 et passim. Vgl. Bea Lundt: Das Geschlecht von Krieg im Mittelalter. Der Ritter – eine Ikone heldenhafter Männlichkeit, in: Christoph Kaindel, Andreas Obenaus (Hg.): Krieg im mittelalterlichen Abendland (Krieg und Gesellschaft), Wien 2010, S. 411–435, hier 411–413. Siehe auch Jörg Rogge: Rebellion oder legitimer Widerstand? Formen und Funktionen der Gewaltanwendung gegen englische und schottische Könige (sowie ihre Ratgeber bzw. Günstlinge), in: Martin Kintzinger, Frank Rexroth, Jörg Rögge (Hg.): Gewalt und Widerstand in der politischen Kultur des späten Mittelalters (Vorträge und Forschungen 80), Ostfildern 2015, S. 145–182, hier 174f.

28 Für Beispiele siehe Anm. 61 und 64.

29 Darrin Cox: Aristocratic Masculinity in France (1450–1550). From Knight to Courtier, Lewiston 2012, S. 210. Siehe dazu auch Ruth Mazo Karras: From Boys to Men. Formations of Masculinity in Late Medieval Europe, Philadelphia, PA 2003.

30 Garret P. J. Epp: The Vicious Guise. Effeminacy, Sodomy, and Mankind, in: Jeffrey Jerome Cohen (Hg.): Becoming Male in the Middle Ages (Garland Reference Library of the Humanities 2066), New York 1997, S. 303–320, hier S. 304; Henry Ansgar Kelly: The Pardoner’s Voice, Disjunctive Narrative, and Modes of Effemination, in: Robert F. Yeager, Charlotte C. Morse (Hg.): Speaking Images. Essays in Honor of V. A. Kolve, Asheville, NC 2001, S. 411–444, hier S. 415, 428; Andrea Moshövel: Wîplîch man – Formen und Funktionen von „Effemination“ in deutschsprachigen Erzähltexten des 13. Jahrhunderts (Aventiuren 5), Göttingen 2009. Auch königliches Handeln war an Ideale von manhood geknüpft, vgl. dazu Rogge: Rebellion (wie Anm. 27), S. 174f. Zu Geschlechtergrenzen und Transgressionen siehe Danielle Jacquart: À la frontière des complexions féminine et masculine au Moyen Âge. Une porostié inégalement répartie, in: Eva Pibiri, Fanny Abbott (Hg.): Féminité et masculinité altérées. Transgression et inversion des genres au Moyen âge (Micrologus library 78), Florenz 2017, S. 3–21.

31 Journal d’un Bourgeois de Paris, hg. von Colette Beaune, Paris 1990, S. 415, §832: Mais quand la taille était cueillie et qu’ils l’avaient pardevers eux, plus ne leur en challait que de jouer aux dés, ou chasser au bois, ou danser, ni ne faissaient mais, comme on soulait faire, ni joutes, ni tournois, ni nuls faits d’armes par paour des horions; bref, tous les seigneurs de France étaient tous devenus comme femmes, car ils n’étaient hardis uque sur les pauvres laboureurs et sur les pauvres marchands, que étaient sans nulles armes.

32 Basin: Histoire de Louis XI (wie Anm. 27), hier Bd. 2, Paris 1966, S. 236–238: Cumque in dies major ac major famis perurgeret constringeretque necessitas, qui velut effeminati ac nimium pavidi, nec infra Francorum limites pedem intrare auderent.

33 Amatus von Montecassino: Storia de’ Normanni, hg. von Vincenzo de Bartholomaeis (Fonti per la storia d’Italia), Rom 1935, Buch 1, Kap. 21, S. 27: estoient comme fames; Buch 2, Kap. 17, S. 75f.: homes feminines, c’est à homes comme fames. Fidence de Padoue: Liber recuperationis Terre Sancte, hg. von Jacques Paviot, in: Projets de croisade (v.1290-v.1330) (Documents relatifs à l’histoire des croisades 20), Paris 2008, S. 53–169, hier 64f.: Quod effeminatio nocet Cristianis. […] Cristianis etiam habitatoribus Terre Sancte multum nocuit et nocet effiminatio. Nam Cristiani qui habitaverunt in Terra Sancta perdiderunt cor et facti sunt vilissimii in bellando sicut mulieres quia non sunt ausi viriliter pugnare contra Saracenos, immo vilisime et miserabilissime terga vertunt Saracenis.

34 Beaune: Jeanne d’Arc (wie Anm. 10), S. 172.

35 Laennec: Christine antygrafe (wie Anm. 24), hier Bd. 2, Yale University 1988, Buch 2, Kap. 37, S. 171.

36 Chronique normande du XIVe siècle, hg. von Auguste Molinier, Paris 1882, S. 56 (ad a. 1342): Mais les Bretons, qui en la cité [Vannes, Bretagne] estoient, et les femmes mesmes les assaillirent et occirent mout de Anglois.

37 Paris, Archives Nationales, JJ 172, Nr. 651 (Oktober 1424). Vgl. Paris pendant la domination anglaise (1420–1436). Documents extraits des registres de la Chancellerie de France, hg. von Auguste Longnon, Paris 1878, S. 142f., Nr. 70.

38 Paris, Archives Nationales, JJ 165, Nr. 172 (August 1411). Vgl. Gauvard: Grace (wie Anm. 11), hier Bd. 1, S. 306.

39 Robert Eder: Tignonvillana inedita, in: Romanische Forschungen 33 (1915), S. 851–1022, hier 993.

40 Journal de Jean de Roye, connu sous le nom de Chronique scandaleuse, 1460–1483, hg. von Bernard de Mandrot, 2 Bde. (Publications de la Société de l’Histoire de France 220, 279), Paris 1894–1906, hier Bd. 1, Paris 1894, S. 27: Et, ung peu avant dedens ladicte ville, estoient à la fontaine du Ponceau hommes et femmes sauvages, qui se combatoient et faisoient plusieurs contenances. Vgl. Gauvard: Grace (wie Anm. 11), hier Bd. 1, S. 307.

41 Vgl. dazu Gauvard: Grace (wie Anm. 11), hier Bd. 1, S. 313–315. Siehe auch Hannah Skoda: Medieval Violence. Physical Brutality in Northern France 1270–1330, Oxford 2013, S. 60f., 64, 80, 115, 240.

42 Paris, Archives Nationales, JJ 109, Nr. 12 (Mai 1376). Zu Fragen der Alltagsgewalt unter Genderaspekten siehe Gauvard: Grace (wie Anm. 11), hier Bd. 1, S. 299–346. Walter Prevenier: Violence Against Women in a Medieval Metropolis. Paris around 1400, in: Bernard S. Bachrach, David Nicholas (Hg.): Law, Custom, and the Social Fabric in Medieval Europe. Essays in Honor of Bryce Lyon (Studies in Medieval Culture 28), Kalamazoo, MI 1990, S. 262–284.

43 Vgl. dazu Verdon: Les Françaises (wie Anm. 25), S. 151–167.

44 Gauvard: Grace (wie Anm. 11), hier Bd. 1, S. 340–346. Christine de Pizan: Le livre des trois vertus. Edition critique, hg. von Charity Cannon Willard, Eric Hicks (Bibliothèque du XVe siècle 50), Paris 1989, Buch 1, Kap. 9, S. 33–36. Tracy Adams: Appearing Virtuous. Christine de Pizan’s Le Livre des trois vertus and Anne of France’s Enseignements d’Anne de France, in: Karen Green, Constant J. Mews (Hg.): Virtue Ethics for Women 1250–1500, Heidelberg, London, New York 2011, S. 115–132, v.a. 123. Zu Mechanismen der Friedensstiftung siehe Nicolas Offenstadt: Faire la paix au Moyen Âge. Discours et gestes des paix pendant la guerre de Cent Ans, Paris 2007.

45 Angus J. Kennedy: La Lamentacion sur les Maux de la France de Christine de Pisan, in: Mélanges de langue et littérature françaises du Moyen Age et de la Renaissance offerts à Charles Foulon, 2 Bde., Rennes, Liège 1980, hier Bd. 1, Rennes 1980, S. 177–185, hier 181.

46 Journal d’un Bourgeois (wie Anm. 31), S. 338, §666.

47 Christine de Pizan: Le livre des trois vertus (wie Anm. 44), Buch 2, Kap. 9, S. 150f.: Et aussi lui apertient a avoir si come courage d’omme […]. Nous avons dit aussi que elle doit avoir cuer d’omme, c’est qu’elle doit savoir des drois d’armes et toutes choses qui y affierent afin que elle soit preste d’ordonner ses hommes se besoings est, et le sache faire pour assaillir et pour deffendre se le cas s’y adonne; prendre garde que ses forteresses soient bien garnies; se elles est en aucun doubte ou avis que elle entrepregne aucun fait, essaie ses gens et sache de leurs courages et voulentez ains que trop s’y fie, regarde quelle poissance elle a de gens et quel secours puet avois se besoing en a; et que elle en soit certaine, non mie se attendre en vain ne en foibles promesses, prengne garde comment pourra fournir ains que son seigneur viegne, et quel finance elle a et puet avoir pour ce faire; se garde le plus que elle pourra de grever ses hommes, car c’est chose de quoy on acquiert trop leur haine; parle hardiement et constamment a ses gens de ce qui sera delibré par son conseil a faire, non pas die hui une raison et demain une autre; donne par ses hommes d’estre bons et loyaulx et de bien faire. Vgl. Verdon: Les Françaises (wie Anm. 25), S. 155f. Zum Zusammenspiel von Herrscherpaaren siehe auch die Beiträge in Jörg Rogge (Hg.): Fürstin und Fürst. Familienbeziehungen und Handlungsmöglichkeiten von hochadeligen Frauen im Mittelalter (Mittelalter-Forschungen 15), Ostfildern 2004.

48 Vgl. Beaune: Jeanne d’Arc (wie Anm. 10), S. 171; McLaughlin: The Woman Warrior (wie Anm. 10), S. 202f.; Florence Bouchet: Héroïnes et mémoire familiale dans le Chevalier errant de Thomas de Saluces. Female Heroes and Familial Memory in Thomas de Saluces’s le Chevalier errant, in: Clio. Femmes, Genre, Histoire 30 (2009), S. 119–136, hier 123f. (https://clio.revues.org/9420; Zugriff am 20.09.2018); Lundt: Geschlecht (wie Anm. 27), S. 428. Siehe auch Mathilde Laigle: Le livre des trois vertus de Christine de Pisan et son milieu historique et littéraire, Paris 1912, S. 320–325; Diane Bornstein (Hg.): Ideals for Women in the Works of Christine de Pisan (Medieval and Renaissance Monograph Series 1), Detroit, MI 1981.

49 Matthäus Paris: Chronica Maiora, hg. von Henry Richards Luard, 7 Bde. (Rolls Series 57), London 1872–1883, hier Bd. 5, London 1880, S. 354: Magnanima igitur Blanchia, sexu femina, consilio mascula, Semirami merito comparanda, valedicens saeculo, regnum Francorum omni solation reliquit destitutum. Zu Blanka siehe Lindy Grant: Blanche of Castile. Queen of France, New Haven, London 2016, hier S. 2.

50 London, British Library, Royal MS 15.E.VI. Vgl. dazu Michel-André Bossy: Arms and the Bride. Christine de Pisan’s Military Treatise as a Wedding Gift for Marguerite of Anjou, in: Marilyn R. Desmond (Hg.): Christine de Pisan and the Categories of Difference (Medieval Cultures 4), Minneapolis, MN, London 1998, S. 236–287; Andrew Taylor: The French Self-Presentation of an English Mastiff. John Talbot’s Book of Chivalry, in: Jocelyn Wogan-Browne (Hg.): Language and Culture in Medieval Britain. The French of England, c.1100-c.1500, Woodbridge 2009, S. 444–456.

51 London, British Library, Royal MS 15.E.VI, fol. 2v.

52 Chronique normande du XIVe siècle (wie Anm. 36), S. 60f.; Chronographia regum francorum, hg. von Henri Moranvillé, 3 Bde. (Publications de la Société de l’Histoire de France 252, 262, 284), Paris 1891–1897, hier Bd. 2, Paris 1893, S. 205f.

53 Chronique du Religieux (wie Anm. 27), hier Bd. 6, ND 1994, S. 310: In declivo ardui promontorii, Secane adjacentis, erat castrum fortissimum, Ruppes Guidonis vocatum, […] viribus acquisitum, quid quedam domina jure uxorio tunc occupans armis miliatribus, deffensoribus szipendiariis et victualibus sic munerat, ut inter oppida Normanie non modo inaccessibile, sed et inexpugnabile crederetur. Vgl. Verdon: Les Françaises (wie Anm. 25), S. 213f.

54 Jean Juvénal des Ursins: Histoire de Charles VI, roy de France depuis 1380 jusques à 1422, hg. von Joseph Fr. Michaud, Jean Joseph Francois Poujoulat, in: Nouvelle collection des mémoires pour servir à l’histoire de France. Depuis le XIIIe siècle jusqu’à la fin du XVIIIe, 32 Bde., Paris 1836–1839, hier Bd. 2, Paris 1836, S. 334–569, hier 545: Laquelle, meuë d’un noble courage, aima mieux perdre tout, et s’en aller desnuée de tous biens, et ses enfans, que de se mettre, ny ses enfans és mains des anciens ennemis de ce royaume.

55 Jörg Rogge: Einleitung, in: Ders. (Hg.): Fürstin und Fürst. Familienbeziehungen und Handlungsmöglichkeiten von hochadeligen Frauen im Mittelalter (Mittelalter-Forschungen 15), Ostfildern 2004, S. 9–18, weist zwar auf die durchaus vorhandenen Spielräume von Fürstinnen hin, sieht diese ebenfalls aber an spezifische legitimierende Positionen geknüpft (wie etwa als Regentin). Vgl. dazu auch Regina Schäfer: Handlungsspielräume hochadliger Regentinnen im Spätmittelalter, in: Jörg Rogge (Hg.): Fürstin und Fürst. Familienbeziehungen und Handlungsmöglichkeiten von hochadeligen Frauen im Mittelalter (Mittelalter-Forschungen 15), Ostfildern 2004, S. 203–223. Siehe auch Eva Pibiri, Fanny Abbott: Préface, in: Dies. (Hg.): Féminité et masculinité altérées. Transgression et inversion des genres au Moyen âge (Micrologus library 78), Florenz 2017, S. VII–XIV, hier XIf.

56 Chronique des quatre premiers Valois (wie Anm. 1), S. 17f.: Mais la male royne boiteuse Jehenne de Bourgoingne, sa femme, qui estoit comme roy et faisoit destruire ceulx qui contre son plaisir aloient, ou du mons elle les exilloit ou leur toulloit le leur, iceste royne manda aux grans barons qui estoient avec le roy que, comment qu’il fust, qu’ilz ne souffrissent que le roy son seigneur se combatist […]. Et oultre tant avoit de paour de son mary le roy qu’elle en escript au dux Jehan son filz. Vgl. Verdon: Les Françaises (wie Anm. 25), S. 159.

57 Zu Handlungsspielräumen und Einflussmöglichkeiten französischer Königinnen siehe Kintzinger: Die zwei Frauen (wie Anm. 8). Zu den mittelalterlichen Königinnen vor allem im Reich siehe Amalie Fößel: Die Königin im mittelalterlichen Reich. Herrschaftsausübung, Herrschaftsrechte, Handlungsspielräume (Mittelalter-Forschungen 4), Stuttgart 2000. Ursula Vones-Liebenstein: Une femme gardienne du royaume? Régentes en temps de guerre (France-Castille, XIIIe siècle), in: Philippe Contamine, Olivier Guyotjeannin (Hg.): La guerre, la violence et les gens au Moyen Âge, 2 Bde., Paris 1996, hier Bd. 2, S. 9–22. Vgl. an englischen Beispielen auch Rogge: Rebellion (wie Anm. 27), S. 175.

58 Vgl als Überblick Jean-Christophe Cassard: La guerre de Succession de Bretagne, Quimper 2006. Speziell zu Johanna auch Verdon: Les Françaises (wie Anm. 25), S. 211–213.

59 Vgl. die Chronique normande du XIVe siècle (wie Anm. 36), S. 53f.; Chronographia regum francorum (wie Anm. 52), hier Bd. 2, S. 195.

60 Chronique de Jean le Bel, hg. von Jules Viard, Eugène Déprez, 2 Bde., Paris 1904–1905, hier Bd. 1, Paris 1904, S. 271: Et combien qu’elle eust grad doeul au cuer, si ne fist elle pas comme femme, mais comm homme de grand courage, en reconfortant ses amis et ses souldoiers. Vgl. auch Froissart: Chroniques (wie Anm. 1), hier Bd. 2, Paris 1870, S. 115: Et comment que elle ewist grant doel au coer, si ne fist elle mies comme femme desconfortée, mès comme [homs] fiers et hardis, en reconfortant vaillamment tous ses amis et se saudoiiers.

61 Chronique de Jean le Bel (wie Anm. 60), hier Bd. 1, Paris 1904, S. 301, ebenso 307: La vaillant contesse.

62 Chronique de Jean le Bel (wie Anm. 60), hier Bd. 1, Paris 1904, S. 308; Froissart: Chroniques (wie Anm. 1), hier Bd. 2, Paris 1870, S. 143f.

63 Chronique de Jean le Bel (wie Anm. 60), hier Bd. 1, Paris 1904, S. 308: Oyez le plus merveilleux fait que jamais femme fit. Froissart: Chroniques (wie Anm. 1), hier Bd. 2, Paris 1870, S. 144: Une très hardie emprise qui ne fait mies [à] oubliier, et c’on doit bien recorder à hardit et outrageus fait d’armes.

64 Chronique de Jean le Bel (wie Anm. 60), hier Bd. 1, Paris 1904, S. 310: Les seigneurs qui estoient dedens Hainebon, quant ilz furent retrait de l’assault, ne pouoient penser comment la vaillant dame avoit ce avisé. Froissart: Chroniques (wie Anm. 1), hier Bd. 2, Paris 1870, S. 145: Ossi eurent cil qui estoient dedens Haimbon, et ne pooient apenser ne trop imaginer comment leur dame avoit che aviset ne oset entrprendre.

65 Paris, Bibliothèque nationale de France, Ms fr. 2663, fol. 87v.

66 Beaune: Jeanne d’Arc (wie Anm. 10), S. 172f.

67 Siehe z.B. Les Grandes Chroniques de France, hg. von Jules Viard, 10 Bde. (Publications de la Société de l’Histoire de France), Paris 1920–1953, hier Bd. 2, Paris 1922, S. 222.

68 Chronique de Jean le Bel (wie Anm. 60), hier Bd. 1, Paris 1904, S. 271: Or vueil je retourner à madame la contesse de Montfort, laquelle avoit cuer de lyon. Froissart: Chroniques (wie Anm. 1), hier Bd. 2, Paris 1870, S. 114: Or voel jou retourner à le contesse de Montfort, qui bien avoit corage d’omme et coer de lyon.

69 Froissart: Chroniques (wie Anm. 1), hier Bd. 3, Paris 1872, S. 7–16, hier 9: La contesse de Montfort meismement armée, qui bien valoit un homme, car elle avoit coer de lyon, et tenoit un glave moult roide et bien trençant, et trop bien s’en combatoit et de grant corage. Für weitere Auftritte Johannas siehe ebd., S. 143f., 146–153, 358–375.

70 Vgl. Beaune: Jeanne d’Arc (wie Anm. 10), S. 174.

71 Chronique de Jean le Bel (wie Anm. 60), hier Bd. 2, Paris 1905, S. 10: Je ne sçay pas dire toutes les aventures qui leur sourvindrent, car je n’y fus pas, et ceulx qui m’en ont raconté m’en ont dit en tant de diverses manières que je ne m’en sçay à quoy tenir de la vérité. J’ay trouvé en ung livre rimé que ung jengleur a fait tant de bourdes et de menteries, que je ne les oser[o]ie dire. Si me tairay affin que je n’en soye repris de mensonge, et se j’en escris plus avant ou mains qu’il n’en fut, si me soit pardonné, car je ne fus pas partout où les aventures avindrent […].

72 Beaune: Jeanne d’Arc (wie Anm. 10), S. 174.

73 Vgl. Hans Hugo Lauer, Ludwig Hödl: Herz, in: Lexikon des Mittelalters 4 (1989), Sp. 2187–2189. Siehe auch die Beiträge in Il cuore / The Heart (Micrologus 11), Florenz 2003.

74 2 Sam 17,10: Et fortissimus quisque, cujus cor est quasi leonis, pavore solvetur: scit enim omnis populus Israël fortem esse patrem tuum, et robustos omnes qui cum eo sunt.

75 Gerald von Cambrai: Topographia Hibernica, et Expugnatio Hibernica, hg. von James E. Dimock (Rolls Series 21,5), London 1867, ND 1964, Buch 3, Kap. 50, S. 196: Ad reprimendos namque ferocissimos animi ipsiusmotus, hic leo noster, et plusquam leo, quartanae stimulo leonino more vexatur.

76 Ambroise: L’Estoire de la Guerre Sainte. Histoire en vers de la troisième croisade (1190–1192), hg. von Gaston Paris (Collection de documents inédits sur l’histoire de France 11), Paris 1897, Sp. 62, Vers 2310: Le preuz reis, le quor de lion. Vgl. dazu John Gillingham: Richard I (Yale English Monarchs), New Haven, London 1999, S. 3.

77 Gottfried von Straßburg: Tristan und Isold, hg. von Walter Haug und Manfred Günter Scholz, 2 Bde. (Bibliothek des Mittelalters 10), Berlin 2011, Bd. 1, S. 998, Verse 17979–17985: Swâ sô daz wîp ir wîpheit / unde ir herze von ir leit / und herzet sich mit manne / dâ honiget diu tanne / dâ balsemet der scherlinc / der nezzelen ursprinc / der rôset ob der erden. Vgl. dazu Sandra Linden: Exkurse im höfischen Roman (Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters 147) Wiesbaden 2017, S. 245–266 (zum sog. huote-Exkurs Gottfrieds). Für diesen Hinweis danke ich Alexandra Becker (Tübingen).

78 [Adolf von Essen:] De beata Margarita, hg. von Matthäus Rader, in: Bavaria sancta, 3 Bde., München 1615, hier Bd. 3, S. 162–171, hier 164: Et ego ipse confiteor prccatum & femineum cor meum, in comparatione ad cor virile Dominae praedictum.

79 Ebd., S. 168: Vbi dies dicta paelio illuxit, egresso cum suius cohortibus Carolo, illa adversus hostes pro viro deprecatura in sacellum se abdidit, armisque caeöestibus pro Carolo depugnavit.

80 Vgl. dazu Beaune: Jeanne d’Arc (wie Anm. 10), S. 175f.

81 Guillaume de Saint-Pathus: Vie de Saint Louis par le confesseur de la reine Marguerite, hg. von Henri-François Delaborde, Paris 1899, S. 13: Aprés la mort de son seigneur, norri religieusement son fiuz qui commenςa a regner en l’aage de xij ans: laquele prist courage d’omme en cuer de femme et amenistra viguereusement, sagement, puissamment et droiturie[re]ment et garda les droiz du roiaume et defendi contre pluseurs adversaires qui adonques aparoient, par sa bonne pourvoiance.

82 Rogge: Einleitung (wie Anm. 55), S. 17f. Vgl. auch Jörg Rogge: Zusammenfassung, in: Claudia Zey (Hg.): Mächtige Frauen? Königinnen und Fürstinnen im europäischen Mittelalter (11.-14. Jahrhundert) (Vorträge und Forschungen 81), Ostfildern 2015, S. 437–457, hier S. 450f.

83 „La guerre des deux Jeanne“, vgl. etwa Jean Favier: La guerre de cent ans, Paris 1980, S. 135. Vgl. auch Robert Bellanger: La guerre des deux Jeanne. Drame historique, Paris 1949.

84 Dass Kriege mitunter demokratisierend wirkten, zeigt vor allem die Erfahrung des Ersten Weltkriegs; auf breiterer Ebene wurde dieses Phänomen meines Wissens noch nicht untersucht. Vgl. zum Ersten Weltkrieg Jörn Leonhard: Die Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkriegs, München 2014, S. 767–784.

85 Die wichtigsten Texte dieses Streits sind leicht in einer englischen Übersetzung zugänglich: David. F. Hult (Hg.): Debate of the Romance of the Rose (The Other Voice in Early Modern Europe), Chicago 2010. Vgl. auch Christine McWebb, Earl Jeffrey Richards (Hg.): Debating the Roman de la Rose. A Critical Anthology, New York, London 2011. Vgl. auch Gisela Bock, Margarete Zimmermann: Die Querelle de Femmes in Europa. Eine begriffs- und forschungsgeschichtliche Einführung, in: Querelle. Jahrbuch für Frauenforschung 2 (1997), S. 9–38.

86 Vgl. Christine de Pisan: L’Epistre au Dieu d’Amours, hg. von Maurice Roy, in: Oeuvres poétiques de Christine de Pisan, 3 Bde., Paris 1886–1896, hier Bd. 2, Paris 1891, S. 1–27; Verdon: Les Françaises (wie Anm. 25), S. 66–69.

87 Vgl. Maxwell Lura: A Reader’s Guide to the Roman de la Rose, Hamden, CT 1982.

88 Rosalind Brown-Grant: Christine De Pizan and the Moral Defence of Women. Reading Beyond Gender (Cambridge Studies in Medieval Literature 40), Cambridge 1999, S. 10f.

89 Christine de Pisan: L’Epistre au Dieu d’Amours (wie Anm. 86), S. 6, Verse 165–169: Et quel proffit vient d’ainssi diffamer / A ceulz meismes qui se deussent armer / pour les garder et leur honneur deffendre? Car tout homme doit avoir le cuer tendre / Envers femme qui a tout homme est mere.

90 Vgl. dazu David F. Hult: Introduction, in: Ders. (Hg.): Debate of the Romance of the Rose (The Other Voice in Early Modern Europe), Chicago 2010, S. 1- 26, bes. 11–19; Brown-Grant: Christine (wie Anm. 88), v.a. S. 7–51.

91 Vgl. Verdon: Les Françaises (wie Anm. 25), S. 66.

92 Hult: Introduction (wie Anm. 90), S. 18; Brown-Grant: Christine (wie Anm. 88), S. 8.

93 Christine de Pisan: Ditié de Jehanne d’Arc, hg. von Angus J. Kennedy, Kenneth Varty (Medium Ævum Monographs N.S. 9), Oxford 1977, S. 34 (XXXIV): Hee! quel honneur au femenin / Sexe! […] Par femme est sours et recouvert / ce que Cm hommes [fait] n’eussent.

94 McLaughlin: The Woman Warrior (wie Anm. 10), S. 197.

95 Ähnliches gilt nach Rogge: Zusammenfassung (wie Anm. 82), S. 437, auch für die politische Machtausübung durch Frauen.

96 Vgl. dazu Mauntel: Gewalt (wie Anm. 26), S. 405–411.