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Subjekt und Liminalität in der Gegenwartsliteratur

Band 8.2: Schwellenzeit – Gattungstransitionen – Grenzerfahrungen; Sergej Birjukov zum 70. Geburtstag

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Edited By Matthias Fechner and Henrieke Stahl

Liminalität ist ein Signum der Gegenwart. Die neuere Literatur, insbesondere die Lyrik, nimmt seismographisch liminale Phänomene der Gegenwart wahr und bildet vielfältige liminale Formen und Funktionen aus. Zentral betroffen ist das sprechende Subjekt, das in Transition versetzt wird: Zersetzung, Auflösung, Fluidität, aber auch Transparenz und Transformation öffnen seine Grenzen zum Anderen: zu den Mitmenschen, der Natur oder auch der Transzendenz. Der vorliegende Band vereint Aufsätze, die Liminalität in Bezug auf Schwellenzeit als conditio historiae der Gegenwart, auf Gattungstransitionen und auf Grenzerfahrungen des Subjekts behandeln. Der Schwerpunkt liegt auf russisch- und deutschsprachigen Gedichten. Darüber hinaus werden weitere slavische und ostasiatische Literaturen einzeln und komparatistisch behandelt sowie andere Gattungen, intermediale Formen und philosophische Perspektiven einbezogen.

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Grenzen, Deterritorialisierung und Entwürfe einer Nationaldichtung in der südöstlichen Ukraine (Sergej Žadan, Igor’ Bobyrev und Anatolij Kaplan)

Grenzen, Deterritorialisierung und Entwürfe einer Nationaldichtung in der südöstlichen Ukraine (Sergij Žadan, Igor’ Bobyrev und Anatolij Kaplan)

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Kirill Korchagin (Moskau)

Die drei Lyriker, denen dieser Aufsatz gewidmet ist, leben heute in der südöstlichen Ukraine: Sergij Žadan (*1974) in Charkov,1 Igor’ Bobyrev (*1985) in Donezk und Anatolij Kaplan (*1990) in Odessa. Die Zugehörigkeit zum Südosten der Ukraine ist wohl ihre wichtigste Gemeinsamkeit, denn ansonsten unterscheiden sie sich wesentlich voneinander. Sie schreiben in verschiedenen Sprachen, gehören verschiedenen Generationen an, ordnen sich jeweils anderen Kulturräumen zu, stammen gebürtig nicht aus denselben Gebieten und, was das Wichtigste ist, verhalten sich sehr unterschiedlich zum Krieg im Donbas, der in den Jahren 2014 bis 2017 zum zentralen Thema ihrer Gedichte geworden ist. Auch wenn ihre Gedichte über den Konflikt im Donbas nicht der eigentliche Gegenstand dieses Aufsatzes sind, wird diese Problematik berührt. Es soll gezeigt werden, wie die drei Autoren die Grenzen der südostukrainischen Welt konzeptualisieren, welche Vorstellungen sie von diesem Gebiet haben und worin ihre Sicht sich unterscheidet oder sogar widerspricht. Denn sie entwickeln, so die Annahme dieses Aufsatzes, grundverschiedene Ideen zur Unabhängigkeit der Ukraine.

Den formalen Anlass für den Vergleich dieser drei Dichter bildet die Ankündigung der Petersburger Lyrikreihe „Kraft“ («Крафт), ihre Bücher 2016 zusammen zu publizieren. „Kraft“ wird vom Almanach „Translit“ («Транслит») und dem Freien Marxistischen Verlag («Свободное марксистское издательство», geleitet von Kirill Medvedev) herausgegeben. Dieses Projekt wurde mit dem Hinweis begründet, dass die drei Bücher „Texte enthalten, welche den russisch-ukrainischen militärischen Konflikt thematisieren und ihn auf verschiedene Weise skalieren“2. Unterstützt wurde...

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